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Grundschul-Kommentar : Erstklässler unter Druck

Neulinge: In Hessen sind wieder Zehntausende Jungen und Mädchen eingeschult worden Bild: dpa

Bildung, zumindest das ist von der Pisa-Debatte hängengeblieben, ist die Voraussetzung für sozialen Aufstieg. In Akademikerkreisen gilt die negative Variante dieser Formel.

          Mit dem Leistungsdruck ist es eine paradoxe Sache. Auf der einen Seite kursiert in den Schulen die Devise, jedes Kind in all seinen „Besonderheiten“ – das Wort „Schwächen“ ist natürlich verpönt – „wertzuschätzen“ und es keinesfalls zu „beschämen“. Dem kann man eigentlich nur beipflichten, allerdings beginnt die „Beschämung“ für manche Pädagogen schon bei einer klaren Benennung dessen, was ein Schüler (noch) nicht kann.

          Unter dem möglicherweise missverstandenen Motto „Jedes Kind mitnehmen“ gehen die Forderungen teils so weit, das Sitzenbleiben abzuschaffen oder am besten gleich ganz auf Noten zu verzichten. Umso erstaunlicher ist es, dass andererseits immer mehr Familien über zunehmenden schulischen Leistungsdruck klagen. Nicht nur die Kinder fühlen sich unter Stress gesetzt, auch die Eltern ächzen unter den Belastungen, die von Hausaufgaben, Vokabellernen und bevorstehenden Klassenarbeiten ausgehen.

          Zur Einschulung warnte der Lehrerverband VBE denn auch davor, zu viel Druck könne kontraproduktiv sein, da er die Freude am Lernen mindere. Zu einer übersteigerten Erwartungshaltung trügen aufwendige Feiern und teure Geschenke für die Erstklässler bei. Allerdings ist eine solche „Eventisierung des Schulanfangs“ eher Symptom einer gesellschaftlichen Entwicklung als deren Ursache.

          Mindestens das Abitur

          Bildung, zumindest das ist von der Pisa-Debatte hängengeblieben, ist die Voraussetzung für sozialen Aufstieg. In Akademikerkreisen gilt die negative Variante dieser Formel: Ohne hinreichende Qualifikation, so die Befürchtung, drohe der gesellschaftliche Abstieg. Und mit „hinreichend“ ist gemeint, dass auch die nächste Generation einen Hochschulgrad, zumindest aber das Abitur erreichen muss.

          Dabei ist bekannt, dass andere Abschlüsse und Bildungswege ebenfalls zu einer erfolgreichen Berufslaufbahn und womöglich eher zu einem zufriedenen Leben führen können. Das erkennen die allermeisten Mütter und Väter auch an – allerdings nur, solange es nicht um die eigenen Kinder geht. Die sollen doch bitte schön Abitur machen. Andernfalls könnte ja jemand auf den Gedanken kommen, es hätte an den Eltern gelegen.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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