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EBS Law School Wiesbaden : Die glorreichen fünf

Erfolgsteam: Benedikt Quarch (links) und Christian Kusenbach (rechts) mit Dekan Markus Ogorek. Die Noten der beiden Studenten sind so gut, dass ihnen vermutlich fast jeder Jura-Beruf offenstehen wird. Bild: Marcus Kaufhold

An der EBS Law School haben die ersten Absolventen das Staatsexamen geschafft - mit eindrucksvollen Noten. Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht.

          Keine andere hessische Hochschule kann gute Neuigkeiten so sehr gebrauchen wie die EBS-Universität für Wirtschaft und Recht. Jahrelang hat die Privat-Uni mit Standorten in Oestrich-Winkel und Wiesbaden nur Negativschlagzeilen geliefert: Gleich drei Präsidenten scheiterten nacheinander im Amt, ein neuer ist immer noch nicht gewählt (siehe Kasten); die Hochschule geriet in Geldnot und musste ihren Plan aufgeben, in Wiesbaden einen neuen Campus zu beziehen.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ende vergangenen Jahres verkündete die EBS, dass sich ihre finanzielle Situation wieder stabilisiert habe. Und vor ein paar Tagen gab es dann noch etwas Erfreuliches zu vermelden: Die ersten Absolventen der 2011 eröffneten Law School haben ihr Jurastudium beendet - mit herausragenden Ergebnissen.

          Im Durchschnitt, so verkündete die Pressemitteilung, hätten die Teilnehmer von der EBS beim ersten Staatsexamen 12,24 Punkte erzielt. Dieser Wert entspricht der Endnote „gut“, was für Juristen angesichts der besonders strengen Bewertungen eine vorzügliche Leistung ist. Hat die neue Jurafakultät also gleich im ersten Anlauf einen ganzen Jahrgang von Überfliegern produziert?

          Eine versteckte, schlechte Nachricht

          Dass die Kommunikationsbeauftragten der Hochschule die gute Nachricht auf den ersten Blick besser erscheinen ließen, als sie in Wahrheit ist, legt der letzte Absatz der Mitteilung nahe. Dort steht, dass es sich bei den jetzt gefeierten Prüflingen um die „ersten Kandidaten“ des Studienjahrgangs 2011 handele, die einen besonders frühen Examenstermin genutzt hätten.

          Wie viele Studenten an der Prüfung teilgenommen haben, ist dem Pressetext nicht zu entnehmen; diese Zahl teilt die EBS erst auf Nachfrage mit. Die imposante Durchschnittsnote, so stellt sich heraus, wurde aus den Resultaten von gerade einmal fünf Absolventen gebildet. Also ist nur eine kleine Zahl besonders fähiger Jungjuristen nach ultrakurzer Studienzeit zum Examen angetreten - das dürfte auch an staatlichen Unis vorkommen.

          Dass sich hinter der nun etwas kleineren guten Nachricht aus Wiesbaden auch noch eine schlechte versteckt, zeigt sich, wenn man die Gesamtzahl der Studenten des Jahrgangs 2011 betrachtet: 89 Frauen und Männer hatten sich seinerzeit an der Law School eingeschrieben, und nur 54 sind noch immatrikuliert. Von ihnen wird in diesem Monat „der Großteil“ zur ersten juristischen Staatsprüfung antreten, wie die Hochschule wissen lässt.

          Vorzeitige Abgang für EBS doppelt schmerzlich

          Wo sind die anderen geblieben? Eine Schwundquote von fast 40 Prozent ist für manche Fächer an öffentlichen Hochschulen normal; an einem privaten Institut, dessen Schützlinge für jedes Trimester 3700 Euro zahlen, muss sie erstaunen. Haben die EBS-Nachwuchsjuristen, die gleichzeitig mit dem Studium der Rechte auch noch Kenntnisse in Ökonomie erwerben, schon vor dem Examen unwiderstehliche Job-Angebote aus der Wirtschaft bekommen?

          Die Law School der European Business School in Wiesbaden

          Die Stellungnahme der Hochschule stützt diese freundliche Annahme nicht. Einige der Studenten hätten schon in den Anfangstrimestern festgestellt, „dass Jura wider Erwarten doch nicht das richtige Fach für sie ist“. Andere hätten sich mit der Geschwindigkeit des Studiums schwergetan und seien deshalb an eine öffentliche Uni gewechselt. Ebenfalls „wider Erwarten“ hätten bei manchen auch die Leistungen nicht ausgereicht. Und schließlich haben ein paar der Ökonomie noch mehr abgewinnen können als der Jurisprudenz und sind gleich ganz auf die EBS Business School gewechselt.

          Für eine kleine Hochschule, die sich über Studiengebühren finanziert, ist jeder vorzeitige Abgang doppelt schmerzlich. Obendrein zeigt die Abbrecherzahl, dass auch ein angeblich scharfes Auswahlverfahren und intensive Betreuung in kleinen Gruppen den Studienerfolg nicht garantieren können.

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