05.02.2012 · Da strahlen die Augen des Rathauschefs: Zum zehnten Jahr des Amtsantritts von Bürgermeister Erb erhält die Gemeinde Erlensee die Stadtrechte. Finanz-Vorteile bringen sie aber nicht.
Von Luise Glaser-LotzDarauf, dass der Römerspielplatz sein Lieblingsprojekt der vergangenen zehn Jahre ist, will sich Bürgermeister Stefan Erb (SPD) nicht festlegen. Doch seine Augen strahlen, wenn er über das vor sechs Jahren vollendete Vorhaben zum Programm „Soziale Stadt“ erzählt. In dem Viertel mit einer schwierigen Sozialstruktur ist es damals gelungen, viele an einen Tisch, vielmehr an eine Baustelle zu rufen, um gemeinsam anzupacken. Normalerweise hätte es dort nicht lange gedauert, bis ein neuer Spielplatz verlottert gewesen oder von Rowdys verwüstet worden wäre. Doch wer selbst mit geplant und gebaut habe, der achte auch darauf, dass eine solche Anlage in Schuss bleibe, beschreibt der Rathauschef die Philosophie, die sich bis heute als richtig erwiesen hat. Eines wird für den „Römerspielplatz“ und den ganzen Ort aber bald anders sein: In einigen Tagen wird er nicht mehr auf dem Gebiet einer Gemeinde liegen, sondern mitten in einer Stadt.
Zu seinem Jubiläum erreichte Erb jetzt die Nachricht über die Zustimmung der Landesregierung, Erlensee die Stadtrechte zu verleihen. Damit ging eine ebenfalls zehnjährige Vorgeschichte auf dem Weg zur Stadt zu Ende. Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der damals 28 Jahre alte Bürgermeister den ersten Antrag gestellt, die Gemeinde als Stadt anzuerkennen. Vor allem wegen der nicht ausreichenden Zahl an Einwohnern schlug der erste Anlauf fehl. 2010 wurde der zweite Versuch gestartet. Wie beim ersten Mal stand dabei der Gemeinde der CDU-Landtagsabgeordnete Aloys Lenz zur Seite. In einem persönlichen Gespräch habe er Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zur Zustimmung bewegen können, teilte er mit. Inzwischen fand eine entsprechende Vorlage auch im Kabinett die Akzeptanz aller Minister.
Sobald die Genehmigung offiziell veröffentlicht ist, tritt sie in Kraft. Das wird laut Erb in den kommenden Tagen geschehen, so dass dem großen Stadtfest zur Verleihung der Stadtrechte vom 27. bis 29. April nichts mehr im Wege steht. Finanzielle Vor- oder Nachteile für die künftige Stadt entstehen nicht. Doch vom Imagegewinn verspricht sich Erb durchaus wirtschaftliche Vorteile.
Dass ausgerechnet ein CDU-Politiker dem SPD-Mann in der Angelegenheit politisch unter die Arme griff, verwundert in Erlensee nicht sonderlich. Dort arbeiten SPD und CDU in der Gemeindevertretung gedeihlich zusammen und haben in den vergangenen Jahren viel auf den Weg gebracht. Vor allem die urbane Entwicklung und der Bevölkerungszuwachs um rund 1000 Neubürger seit Erbs Amtsübernahme auf knapp 14000 dürfte den Ministerpräsidenten überzeugt haben. Zusammen mit Niederdorfelden ist Erlensee laut Erb der „Wachstumssieger im Main-Kinzig-Kreis“.
Kräftig ausgebaut wurde die Infrastruktur. Für die beiden in den siebziger Jahren zur Gemeinde Erlensee zusammengeschlossenen Ortsteile Rückingen und Langendiebach wurde auf der ehemaligen Rathauswiese ein Ortsmittelpunkt geschaffen mit Grünflächen, neuen Wohnhäusern und Geschäften, einem Seniorenheim und Angeboten für behindertengerechtes Wohnen. Auch in das lange leerstehende Hotel am Ortseingang ist neues Leben eingezogen. Dort schuf die Hanauer Martin Luther Stiftung Seniorenwohnungen. Voraussetzung dafür war der Umbau und die Verkehrsberuhigung der vielbefahrenen Leipziger Straße durch die Gemeinde.
Der an der Autobahn gelegene Gewerbepark im Nordosten der Stadt entwickelt sich zu einem Logistikschwerpunkt im Rhein-Main-Gebiet. Dort begann vor anderthalb Jahren der Logistikdienstleister Dachser mit dem Bau einer riesigen Umschlaghalle. Außerdem errichtete die Firma Honda dort ihr Schulungszentrum für Europa. Niedergelassen haben sich zudem ein Autohof sowie die Firma Heinemann, Betreiberin von Duty-Free-Shops an Flughäfen, mit ihrem zweiten Logistikzentrum neben Hamburg.
Platz für weitere Neubürger sollen unter anderem die künftigen Neubaugebiete „Am Kreuzweg“ und „Im Büchensaal“ bieten. Häuser gebaut werden sollen auch auf dem Areal des derzeitigen Sportplatzes. Der soll umziehen auf das Gelände des ehemaligen Fliegerhorsts der Amerikaner. Deren Abzug im Jahr 2007 brachte der Gemeinde einen der größten Umbrüche ihrer Geschichte. Der Aufenthalt von bis zu 6000 Soldaten und ihren Familien in und um Erlensee waren mit Flugbetrieb zu Hochzeiten verbunden. Und für die Bürger erhebliche Belästigung durch die Übungen der Kampfflieger.
Nun gilt es, die mit 230 Hektar größte zusammenhängende Konversionsfläche im Rhein-Main-Gebiet zu entwickeln. Dafür bildeten Erlensee und Bruchköbel, auf dessen Gemarkung etwa ein Drittel der Fläche liegt, einen gemeinsamen Zweckverband. Etwa 50 Hektar sollen wegen der guten Verkehrsanbindung der Logistikbranche zufallen, weitere 40 Hektar sind für gemischtes Gewerbe vorgesehen, auf zehn Hektar soll ein kleiner Freizeitpark entstehen und auf weiteren zehn Hektar Sportgelände. Auch eine „Vision“ verbindet Bürgermeister Erb mit dem Fliegerhorst. So könnte der vorhandene Gleisanschluss reaktiviert werden und die Stadt Erlensee einen Bahnhof bekommen.
Luise Glaser-Lotz Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.
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