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Erinnerung an Euthanasie : Grauer Betonbus als Mahnmal

Aufbau: Horst Hoheisel (links) und Andreas Knitz setzen das Kunstwerk „Graue Busse“ in Kassel in die richtige Position - jetzt kommt es nach Frankfurt Bild: dpa

Es ist 72,2 Tonnen schwer und ist Fahrzeugen nachgebildet, mit denen Menschen im „Dritten Reich“ zu sechs Tötungsanstalten gebracht wurden. Das Kunstwerk zur Erinnerung an diese „Euthanasie“-Aktion kommt nun nach Frankfurt.

          Das „Denkmal der Grauen Busse“ wird in der Nacht zum Samstag auf dem Frankfurter Rathenauplatz aufgestellt, wo es bis Ende Mai nächsten Jahres an die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“ erinnern soll. Das 72,2 Tonnen schwere Beton-Werk aus einer Bodenplatte und fünf Seitenteilen ist den Fahrzeugen nachgebildet, mit denen geistig und körperlich behinderte Kinder und Erwachsene, aber auch sozial auffällige Menschen im „Dritten Reich“ zu sechs Tötungsanstalten gebracht wurden. Die Künstler Horst Hoheisel und Andreas Knitz haben die massive Skulptur geschaffen. Frankfurt ist die 20. Station, an der sie zu sehen ist. Ein umfangreiches Begleitprogramm beschäftigt sich während der Ausstellung im öffentlichen Außenraum mit dem Mord an den Behinderten, der ersten Opfergruppe, die von den Nationalsozialisten systematisch ausgelöscht wurde.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Das hessische Hadamar war eine der Einrichtungen, wo der mörderische Staat die Vernichtung von Menschenmassen perfektionierte. Die Erkenntnisse, die er aus dem planmäßigen Töten von geistig und körperlich Behinderten mittels Giftgas gewann, nutzte er später in Vernichtungslagern wie Auschwitz. Allein aus Frankfurt wurden mehr als 1000 Männer, Frauen und Minderjährige in die nahe Limburg gelegene Tötungsanstalt transportiert. Sie sollen nicht länger namenlos bleiben. Darauf wies Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) bei der Vorstellung des „Graue Busse“-Projekts im Frankfurter Gesundheitsamt hin.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Mehrere Frankfurter Institutionen und Ämter arbeiten daran, aus anonymen Opfern wieder Personen zu machen. Und das tatsächliche Todesdatum der bekannten Ermordeten soll fortan nicht mehr verschleiert werden. In der Regel wurden sie sofort nach Ankunft in der Anstalt getötet. Ihren Angehörigen aber wurden jeweils unterschiedliche Sterbedaten- und -ursachen genannt. Diese Daten stehen auch auf den Grabsteinen jener „Euthanasie“-Opfer, die auf dem Frankfurter Hauptfriedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

          Die „Aktion T 4“, so genannt, weil sie in einem Gebäude mit dieser Hausnummer im Berliner Stadtteil Tiergarten beschlossen wurde, soll mit den „Grauen Bussen“ den Nachgeborenen ins Gedächtnis gerufen werden. Vor einem Jahr hatten die Stadtverordneten beschlossen, das Mahnmal auch in Frankfurt zu zeigen. Vor allem die Stadtverordnete Sylvia Momsen von den Grünen hatte sich dafür eingesetzt. Die damalige Debatte über das Vorhaben im Stadtparlament nannte Stefan Majer, Dezernent für Personal und Gesundheit (Die Grünen), einen „wunderbaren Austausch“ jenseits der alltäglichen politischen Kleinkrämerei. Der Stadtrat sagte, es gehe darum, ein „tabuisiertes Thema“ in die Öffentlichkeit zu bringen, anhand dessen sich auch die Frage stelle, wie wir heute mit denen umgingen, die nicht unseren Vorstellungen von Normalität entsprächen.

          Ein „nicht verarbeitetes Trauma

          Die Projektleitung für die „Grauen Busse“ hatten Ann Anders, die frühere Grundsatzreferentin im Kulturdezernat, und Ulrich Schöttler, einstiger Leiter des Straßenverkehrsamts, übernommen. Anders nannte die nationalsozialistische „Euthanasie“ ein „nicht verarbeitetes Trauma“. Schöttler sagte, alle an dem Erinnerungsprojekt beteiligten Ämter hätten „gebührenfrei genehmigt“. Es sei eine Herausforderung gewesen, einen sicheren Platz für das Kunstwerk zu finden. Der Standort auf dem Rathenauplatz sei dafür geeignet, weil das unter ihm liegende Parkhaus eine verstärkte Decke habe.

          Quelle: F.A.Z.

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