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Sektkellereien : Rotkäppchen knabbert an der Umsatz-Milliarde

  • -Aktualisiert am

Druckausgleich: Die Rheingauer Sektmarke Mumm verkaufte sich 2016 schlechter als im Vorjahr - MM Extra lief dagegen besser. Bild: Marcus Kaufhold

Deutschlands Marktführer bei prickelndem Schaumwein wächst vor allem mit seiner ostdeutschen Kernmarke Rotkäppchen. Anders sieht es bei Sekt aus dem Rheingau aus.

          Hinter Deutschlands führendem Sekterzeuger liegt das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte. Die Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien mit Sitz in Freyburg an der Unstrut und mit einem starken Standort in Eltville im Rheingau berichten von deutlichen Zuwächsen beim Absatz und Umsatz und von einem Ausbau der Marktführerschaft in Deutschland beim Sektabsatz von 54,9 auf 55,4 Prozent.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Nach Angaben von Christof Queisser, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, erzielte das ostdeutsche Unternehmen mit dem Verkauf von 271 Millionen Flaschen Sekt, Spirituosen, Wein und weinhaltigen Mischgetränken einen Umsatz von 986 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es 253 Millionen Flaschen und Erlöse von 912 Millionen Euro gewesen. Damit wurde die Marke von einer Milliarde nur knapp verfehlt. Dabei verkaufte die Firma allein knapp 178 Millionen Flaschen Sekt der Markenfamilien Rotkäppchen, MM Extra, Mumm, Jules Mumm und der Premiummarke Geldermann und damit rund 11,4 Millionen Flaschen mehr als im Vorjahr; ein Plus von 6,8 Prozent.

          Weniger Mumm-Flaschen verkauft

          Queisser führt diesen Erfolg auf die zunehmende stärkere Internationalisierung von Rotkäppchen-Mumm sowie auf die kräftigen Investitionen in die Marken und die Standorte zurück: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ In Freyburg steht der Bau eines neuen Flaschenglaslagers nebst Sektreifekeller unmittelbar vor der Fertigstellung. In Eltville ist die neue Entalkoholisierungsanlage inzwischen voll in Betrieb und wird unter anderem für Produktneuheiten wie „Mumm Dry Alkoholfrei“ genutzt. In alkoholfreien Sektvarianten sieht das Unternehmen eine chancenreiche Nische. Nach 8,8 Millionen Euro im Jahr 2015 seien im vergangenen Jahr weitere 3,1 Millionen Euro in die Sektkellerei in Eltville investiert worden, vor allem in neue Anlagen der Kältetechnik.

          In Eltville sind 278 der 636 Konzernmitarbeiter beschäftigt, darunter acht der insgesamt 34 Auszubildenden. Der Standort Nordhausen am Harz sei mit fast 49 Millionen Flaschen Spirituosen wirtschaftlich erfolgreich und technologisch in Deutschland führend, heißt es. Der Anteil von Rotkäppchen-Mumm im Spirituosenmarkt legte von 8,8 auf 9,4 Prozent zu. Verkaufsschlager unter den verkauften 48,7 Millionen Flaschen Hochprozentigem sind die Dachmarken „Echter Nordhäuser“ und „Nordbrand Nordhausen“ mit zusammen 30 Millionen Flaschen.

          Besonders gut schnitt im wichtigsten Geschäftsfeld Sekt einmal mehr die Kernmarke Rotkäppchen mit ihren diversen Geschmacksvarianten ab. 125,6 Millionen verkaufte Flaschen bedeuten eine Steigerung von 11,6 Millionen Flaschen im Vergleich zum Vorjahr. Dagegen musste die Rheingauer Traditionsmarke Mumm ein Minus von 2,9 Prozent auf 20,4 Millionen verkaufte Flaschen hinnehmen.

          Große Abhängigkeit vom Handel

          Die Schwestermarke Jules Mumm büßte 3,4 Prozent an Umsatz ein, verkauft wurden zehn Millionen Flaschen. Die Absatzverluste erklärt Queisser damit, dass Mumm 2015 vom Handel mit vielen Verkaufsaktionen stark beworben war. „Das war im Jahr 2016 nicht mehr so.“ Dass Verbraucher nach wie vor auf den Preis achten, zeigt sich am Preis. „Mit 3,32 Euro ist der Durchschnittspreis im deutschen Sektmarkt stabil geblieben“, sagt Queisser.

          Die schon 1811 gegründete Eltviller Traditionsmarke MM Extra zählt zu diesen günstigen Sektmarken. Ihr Absatz legte um 4,2 Prozent auf 18,3 Millionen Flaschen zu. Langfristige Trends sind aus einem solchen Auf und Ab der Verkaufszahlen aber nicht zu folgern. Denn die Abhängigkeit vom Handel, den Super- und Einkaufmärkten, ist einfach sehr groß – in der Regel erreichen die Hersteller weit mehr als 50 Prozent des Absatzes über Sonderaktionen mit vermeintlichen Tiefstpreisen, um Kunden in den Einkaufsmarkt zu locken.

          Zuwachs bei weinhaltigen Mischgetränken

          Auf dem schwierigen Weg zur Internationalisierung hat Rotkäppchen-Mumm zu Beginn dieses Jahres mit der Übernahme des italienischen Prosecco-Erzeugers Ruggeri aus seiner Sicht einen großen Schritt getan. Ruggeri sei in 30 Ländern der Welt erhältlich und eröffne neue Chancen und Möglichkeiten im internationalen Vertrieb auch für die anderen Marken des Hauses, heißt es.

          Wein spielt dagegen im Sekthaus Rotkäppchen-Mumm nur eine Nebenrolle. Immerhin setzte die Frima von den beiden Marken Rotkäppchen und der im Jahr 2009 zugekauften Weinmarke Blanchet alles in allem 20,3 Millionen Flaschen ab, ein Plus von 1,3 Millionen Flaschen gegenüber dem Vorjahr. Stärker war der Zuwachs bei den weinhaltigen Mischgetränken, mit denen Rotkäppchen vor allem auf junge und weibliche Konsumenten setzt. Hier stieg der Absatz um 1,5 Millionen auf 17,7 Millionen Flaschen.

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