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Veröffentlicht: 18.01.2013, 15:00 Uhr

Erfolgreiche Geschäfte In Frankfurt fühlt sich Oxfam besonders wohl

Die Hilfsorganisation Oxfam sammelt in Frankfurt inzwischen in vier Shops Kleiderspenden, Bücher und Porzellan ein. Zum Erfolg tragen gute Lagen bei und engagierte ehrenamtliche Mitarbeiter.

von , Frankfurt
© Wonge Bergmann Frühlingsgefühle: Die Mitarbeiter im Oxfam-Shop in Sachsenhausen haben ein Händchen für Dekoration.

Mittwochs ist Oxfam-Tag in Sachsenhausen. Immer um 13.30 Uhr wird im sogenannten Fashion-Shop der Hilfsorganisation die Secondhand-Mode verkauft, die in der Woche zuvor im Schaufenster die Blicke auf sich zog. In der Filiale an der Schweizer Straße sind Blazer, Hosen und Kleider, die von Frankfurter Haushalten für den Verkauf gespendet wurden, farblich immer besonders geschmackvoll zusammengestellt. Ganz so schön geht es im Laden nicht weiter. Und wenn man dann noch auf die Preise im Fenster schaut - 19,50 Euro für den Blazer etwa oder 34 für den Hosenanzug -, dann wundert es nicht, dass mittwochs mitunter um das eine oder andere Kleidungsstück gewürfelt werden muss.

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Im Frühjahr 2011 hat Oxfam seinen bundesweit ersten reinen Mode-Shop an der Schweizer Straße eröffnet, ein paar Monate später folgte die Leipziger Straße mit einem Modegeschäft. Damit ist Frankfurt der stärkste Oxfam-Standort für Textilien - Mode pur gibt es sonst nur noch in Ulm - und mit insgesamt vier Filialen am Main so stark wie Berlin. Außer den beiden Secondhand-Modeboutiquen gibt es in Frankfurt noch den Buchshop an der Töngesgasse und die Gemischtwaren-Filiale (Textilien, Bücher, Porzellan, Spiele, CDs) am Merianplatz. Sie war die erste in Frankfurt und wurde 1995 eröffnet, im selben Jahr, in dem auch der Deutschland-Ableger der internationalen und unabhängigen Organisation Oxfam gegründet wurde. „Gerade zur rechten Zeit. Früher hätte das Secondhand-Geschäft in Deutschland nicht funktioniert“, sagt Detlef Horn, Leiter für die Süd-West-Region mit 25 Shops.

Ertrag steigt jedes Jahr um 200.000 Euro

Dass sich ausgerechnet ein sozialer Verein wie Oxfam an der Stelle an der Schweizer Straße einen Laden leisten kann, an dem ein Buchhändler zuvor wegen der Miete nicht weiter bleiben wollte oder konnte, hatte seinerzeit unter den Sympathisanten der Nichtregierungsorganisation für Aufruhr gesorgt. Inzwischen hat sich die Diskussion gelegt, und Horn sieht die Standort-Politik bestätigt. „Der Erfolg gibt uns recht. Wir brauchen gute Lagen und Laufkundschaft. Am Stadtrand würden wir nicht funktionieren.“

Im Schnitt steigt der Ertrag aus den Shop-Verkauf laut Horn jedes Jahr um 200.000 Euro. Alles in allem hat die Oxfam Deutschland Shops GmbH, unter der die gewerbliche Tochter des Oxfam-Vereins firmiert, 2011 mit ihren 42 Geschäften 9,3 Millionen Euro umgesetzt. Davon wurden 2,2 Millionen Euro an die Muttergesellschaft ausgeschüttet, die damit Kampagnen finanziert und Hilfsprojekte gegen Hunger und Armut organisiert, etwa Gemeinschaftshäuser für Frauen in Pakistan oder Brunnenbohrungen im Südsudan. An Spenden flossen zusätzlich 2,9 Millionen Euro in die Kasse des Vereins.

Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich im Laden

Rund ein Fünftel der gesamten Zuwendungen an den Verein fließen in die Verwaltung, wie man im Jahresbericht nachlesen kann. Er liegt in den Shops aus. Darin steht unter anderem auch, wer wie viel bei Oxfam verdient. Das Spitzengehalt, das des Vereins-Geschäftsführers, lag danach 2011 bei 82.000 Euro.

Das Ladengeschäft ist dagegen komplett ehrenamtlich organisiert. An die 2600 Menschen - vorwiegend Rentner und Frauen, aber auch Studenten und Männer mit Zeit - arbeiten ehrenamtlich für die Shop-Gesellschaft, im Schnitt 50 bis 70 je Laden. An Bewerbern mangelt es nicht. „Frankfurt ist ein tolles Pflaster“, sagt Horn, einer von 19 Festangestellten der Shop-GmbH.

Die freiwilligen Helfer prüfen, ob die Textilien heil, sauber und saisonal passend sind. Auch in diesem Punkt zahlen sich gute Standorte aus, weil die Qualität der Spenden stimmt. Längst hat sich in Sachsenhausen herumgesprochen, dass man bei Oxfam hin und wieder auch ein Designer-Schnäppchen machen kann.

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Grundsätzlich wird nicht alles angenommen. „Wir sind keine Kleiderkammer“, sagt Horn. Die Mitarbeiter zeichnen die Ware aus, räumen ein und dekorieren um. Oxfam lässt dabei viel Freiheit. Die Hierarchien sind flach, die Strukturen dennoch klar. Gearbeitet wird in zwei Schichten, manchmal nur einen halben Tag, manchmal zweieinhalb Tage - in jedem Fall zeitlich plan- und überschaubar. Das komme gut an.

Bei den Preisen sei es wichtig, mit Rücksicht auf die Spender nicht zu günstig zu sein, sagt Horn. Gleichwohl kostet ein Mantel oder ein Kostüm bei Oxfam selten mehr als 40 Euro. Maximal drei Wochen bleibt ein Stück im Laden. Alles, was in dieser Zeit nicht gekauft wird, kommt in den Schlussverkauf oder wird über die Fair-Trade-Organisation an andere Secondhand-Händler gegeben. Dass das Shop-Quartett in Frankfurt erweitert wird, schließt der Regionalleiter nicht aus. Der Oeder Weg etwa passe ins Konzept. Überlegungen gebe es auch für kleinere Städte wie Bad Homburg.

Quelle: F.A.Z.

 

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