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English Theatre : Die Hoffnung stirbt immer zuletzt

Wo steckt hier der richtige Mann? Szene aus „Sweet Charity“ im English Theatre in Frankfurt Bild: Bobby Anders

Fester Glaube an den perfekten Mann: Das Erfolgsmusical „Sweet Charity“ hatte im English Theatre Frankfurt Premiere.

          Süße Charity. Arme Charity. Dumme Charity. Könnte sie ihre Weisheiten statt aus romantischen Filmschnulzen nicht aus zeitgenössischen Popsongs beziehen? Etwa von diesen vier Typen aus Liverpool, die Mitte der sechziger Jahre auch Amerika längst im Sturm genommen hatten. „For money can’t buy me love“ sangen diese Beatles, doch Charity hat es in New York nicht gehört. Also füttert sie einen Kerl wie Charlie, dessen Name sie sich sogar hat auf den Oberarm tätowieren lässt, erst durch, umsorgt und pflegt ihn, um dann von ihm im Central Park nicht nur um ihre Ersparnisse gebracht, sondern auch noch in den See gestoßen zu werden. Aber die reizende, fürsorgliche und so naive Charity glaubt weiter an den richtigen, den perfekten Mann, der ihr gewiss einmal über den Weg laufen wird. Nachteilig nur, dass Charity gerade bei ihrer Arbeit als Animiermädchen und Tänzerin in einem Amüsierschuppen solch einem Mann zu begegnen hofft.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          1966 hatte der später mit „Cabaret“ zu Weltruhm gelangte Choreograph und Regisseur Bob Fosse den Plot von Federico Fellinis preisgekröntem Film „Die Nächte der Cabiria“ als Grundlage für das Musical „Sweet Charity“ gewählt, zu dem Neil Simon das Buch, Cy Coleman die Musik und Dorothy Fields die Texte beisteuerten. Aus Fellinis naiver Prostituierter Cabiria wurde die Tanzhostess Charity Hope Valentine, die eine unverbrüchliche Hoffnung nicht nur im Namen trägt, sondern sich trotz aller Enttäuschungen den Glauben an bessere Zeiten bewahrt. Obwohl das Musical auch von der Vereinsamung des Menschen in der Stadt, schlechtbezahlten Jobs und weiblicher Erniedrigung handelt, überwiegt doch ein optimistischer Grundton, der letztlich auch den großen Erfolg des Stücks erklären dürfte, das allein am Broadway zwei Neuauflagen erlebte, von den zahlreichen internationalen Inszenierungen ganz zu schweigen. Diese Liste wird nun in Frankfurt fortgeschrieben, wo „Sweet Charity“ in einer Inszenierung von Ryan McBryde am English Theatre zu sehen ist.

          Großes Herz statt Laszivität

          McBryde hat in den vergangenen Jahren mit „Hair“, „Spring Awakening“ und „The Who’s Tommy“ schon mehrfach am English Theatre sein großes Talent für kraftvolle, mitunter sogar grimmige Musical-Umsetzungen gezeigt, die nie nur Vehikel für berühmte Songs waren, sondern die Geschichten und ihre Darsteller in den Mittelpunkt rückten. Dieser Maxime folgt McBryde auch bei „Sweet Charity“, das insgesamt aber leichter, beschwingter und vor allem humorvoller als die vorherigen Musicals daherkommt. Das ist zum einen den eher an Jazz und Swing als der Popmusik der sechziger Jahre orientierten Kompositionen Cy Colemans mit Klassikern wie „Hey Big Spender“ geschuldet. Zum anderen setzt die Inszenierung eindeutig auf die wie eine austrainierte Tänzerin wirkende und beachtlich singende, vor allem aber mit einem natürlichen komödiantischen Talent gesegnete Hauptdarstellerin Kate Millest, die besonders herausstellt, dass Charity nicht mit Laszivität, sondern mit einem großen Herzen ihren Traumprinzen finden will.

          Als solcher entpuppt sich allerdings weder Charlie noch der italienische Filmstar Vittorio Vidal noch der Versicherungsangestellte Oscar Lindquist, die in Frankfurt allesamt von einem tatsächlichen Filmstar dargestellt werden. Ian Virgo spielte unter anderem in Ridley Scotts „Black Hawk Down“ wie auch in Steven Spielbergs Fernsehserie „Band of Brothers“ mit, darf nun aber die Uniform im Schrank lassen und dafür seine komödiantische Seite zeigen. In diesen Szenen, für die Diego Pitarchs gelungenes Set mit wenigen Handgriffen stets das passende Bühnenbild liefert, funktioniert „Sweet Charity“ wie Neil Simons berühmte Komödien à la „The Odd Couple“.

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