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Energiewende : Versorger wollen Geld fürs Vorhalten von Kraftwerken

Opfer der Energiewende: hochmodernes Gaskraftwerk im bayerischen Irsching, in das auch Mainova und HSE investierten. Doch wird es kaum noch benötigt. Bild: dapd

Für die Energiewende investierten Versorger in moderne Kraftwerke, doch benötigt werden sie kaum. Für die teuren, aber untätigen Werke wollen die Versorger nun Geld und pochen auf schnelle politische Entscheidungen.

          Es hätte so schön sein können. Gleich neben seiner Hauptverwaltung hat der Darmstädter Energieversorger HSE ein Kraftwerk gebaut. Neueste Technologie. Hocheffizient. Und mit Erdgas betrieben. Denn hieß es nicht jahrelang, gerade leicht anzufahrende Gaskraftwerke würden im Zeitalter der Energiewende benötigt, für die Stunden, in denen die Sonne nicht scheint und kein Wind weht? Doch dann kam es ganz anders als gedacht. Weil die Energiewende nicht so läuft wie geplant, wird das Kraftwerk in Darmstadt kaum je benötigt. Nur im Reservefall, falls wirklich einmal die Stromversorgung kurz vor dem Zusammenbruch steht. Die HSE hat schon Millionen Euro auf die Anlage abschreiben müssen. Anderen geht es genauso.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nun aber hofft man in der Branche auf Besserung. Geht es nach ihren Wünschen, gibt es Geld künftig auch fürs Nichtstun. Oder, weniger zugespitzt: für das Vorhalten von Kraftwerkskapazitäten für Eventualfälle. Kapazitätsmarkt - das Wort wird man sich merken müssen.

          Finanzierungssystem gefordert

          Wenn es in dieser Hinsicht nicht bald eine Regelung gebe, drohten Nachteile für Stadtwerke bis hin zur Insolvenz, sagt Ralf Schodlok. Er ist Chef der Wiesbadener Eswe Versorgungs AG und zugleich Vorsitzender der hessischen Landesgruppe des Verbands kommunaler Unternehmen. Insolvenz? Das kommt in Betrieben in öffentlichem Eigentum eigentlich nicht vor. Neuerdings aber eben doch, und auf genau diesen Fall verweist Schodlok: In Gera mussten die Stadtwerke und der örtliche Verkehrsbetrieb Insolvenz anmelden, als Grund werden Abschreibungen auf ein Gaskraftwerk genannt.

          Der Verband kommunaler Unternehmen trommelt daher lauter denn je für den Aufbau eines Finanzierungssystems für Kraftwerke, die einerseits nicht abgeschaltet werden, andererseits aber nur in Notfällen laufen sollen. Man habe über Jahre zugesehen, wie sich die erneuerbaren Energien explosionsartig vermehrt hätten, ohne aber zu bedenken, welche Folgen das für den konventionellen Kraftwerkspark habe, sagt Schodlok. Sein Verband verweist darauf, dass bis 2022 die letzten Atomkraftwerke stillgelegt werden sollen. Ihre Stromerzeugung lasse sich nicht einfach durch die erneuerbaren Energien ersetzen. Eine Entschädigung für das Vorhalten von Kraftwerkskapazitäten sei nichts weniger als eine „Versicherung für Versorgungssicherheit“.

          Schnelle Entscheidungen nötig

          Ob es wirklich einer neuen Subvention für Kraftwerke bedarf, die nur selten benötigt werden, ist unter Fachleuten strittig. Für die Energieversorger wäre es ein großes Glück, nachdem sie zuletzt mit ihren althergebrachten Anlagen kaum noch etwas verdienen konnten. Andererseits würden die Stromverbraucher aber zusätzlich belastet. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will sich des Themas annehmen - Ausgang offen. Immerhin kommt die Forderung aus derselben Branche, die über Jahrzehnte behauptete, ohne Kernkraftwerke gingen die Lichter aus in Deutschland, und später, nach dem Abschalten der ältesten Meiler infolge der Katastrophe in Fukushima drohten großflächige Stromausfälle in der Bundesrepublik.

          Dass der Einfluss der Energiebranche noch immer groß ist, zeigt sich daran, dass man ausgerechnet für ein Kraftwerk, zu dessen Eignern unter anderen die Mainova aus Frankfurt und die Darmstädter HSE gehören, schon eine Sonderlösung gefunden hat. Die beiden Regionalversorger haben vor einigen Jahren in ein hochmodernes Gaskraftwerk im bayerischen Irsching investiert, das in erster Linie vom Düsseldorfer Eon-Konzern gebaut wurde. Auch dieser Kraftwerksblock ist Opfer der Energiewende geworden und wird kaum noch benötigt. Stillgelegt werden soll er aber auch nicht. In diesem Fall gelang es, eine Vereinbarung mit der Bundesnetzagentur zu treffen, wonach den Versorgungsunternehmen ein Teil ihres Schadens ersetzt wird. So mussten Mainova und HSE das Investment zumindest nicht vollständig abschreiben.

          Der Verband kommunaler Unternehmen mahnt an, dass Entscheidungen schnell getroffen werden. „Der ohnehin schon kostenintensive Umbau des Energiesystems wird durch verzögerte und fehlgeleitete politische Erzeugungen noch teurer“, heißt es. Doch Schodlok will auch nicht immer nur klagen. Dass die schwarz-grüne Landesregierung mit der Novellierung der Hessischen Gemeindeordnung den Spielraum der Städte und Kreise in der Energiepolitik erweitert hat, freut ihn sehr. Zum Überschwang neigt er gleichwohl nicht: „Damit können wir ganz gut leben.“

          Quelle: F.A.Z.

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