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Energiewende : Rhein-Main-Region als großer Windpark

Es dreht sich was: die Planungen für neue Windkraftanlagen in Hessen laufen. Bild: dpa

Die Planungen des Regionalverbandes zur Energiewende sehen bis zu 5360 Windräder vor. Besonders betroffen sind die Kreise Rheingau-Taunus und Odenwald.

          „Diese Karte ist konfliktträchtig“, hat der Kelkheimer Bürgermeister Thomas Horn (CDU) im Juli gesagt, als im Regionalverband über Standorte für Windräder diskutiert wurde. Nach Ansicht von Horn war die politische Brisanz der wichtigste Grund, warum die ominöse Karte, auf der die Vorrangflächen für Windanlagen in Südhessen eingetragen sind, von der rot-grünen Mehrheit vor der Landtagswahl nicht veröffentlicht werden sollte. SPD und Grüne hingegen argumentierten, dass vor einer Offenlegung zunächst die Vorgaben der Deutschen Flugsicherung eingearbeitet werden müssten. Sie fordert große Sicherheitsabstände zwischen Windrädern und Leuchtfeuern oder Radaranlagen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Die Aktivisten der Internetplattform „Windkraft - Ja, aber...“ haben das Pro und Kontra nun auf ihre eigene Weise beantwortet und die bislang zurückgehaltenen Planungsunterlagen, die ihnen zugegangen sind, öffentlich gemacht. Die Initiative hat inzwischen 15.000 Unterschriften gegen den rasanten Bau von Windrädern auf Kosten von Natur und Landschaft gesammelt. Initiiert wurde die Petition, die am 23.August von verschiedenen Bürgergruppen Hessens Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) übergeben werden soll, von der Darmstädter Architektin und Hochschullehrerin Kerstin Schultz. Sie hält es für unabdingbar, dass vor der Wahl die Bürger über den Stand der Planungen informiert werden und kritisiert die politische „Hinhaltetaktik“ mancher Parteien.

          Verschiedene Varianten

          Setzt man die Planungsdaten des Regionalverbandes grafisch um, erhält man eine Karte, die aussieht wie eine Seenlandschaft - nur dass es sich bei den blau und rot markierten Flächen um Vorranggebiete für Windräder handelt. Dass es zwei Farbvarianten gibt, spiegelt das politische Farbenspiel zwischen Landesregierung und Regionalverband wider. Während die schwarz-gelbe Wiesbadener Mehrheit im Landesentwicklungsplan (LEP) für die Ermittlung der Vorrangebiete einen Mindestabstand zur Wohnbebauung von 1000Metern und eine Windgeschwindigkeit von 5,75Meter in der Sekunde in 140 Meter Höhe festlegte, will der rot-grün dominierte Regionalverband den Abstand auf 750Meter reduzieren und die Windgeschwindigkeit auf 5,5Meter. Vorsorglich - die Landtagswahl steht vor der Tür - wurden deshalb zwei Varianten planerisch festgehalten: Blau entspricht den Festlegungen im Landesentwicklungsplan, rot den Vorstellungen der Mehrheit im Regionalverband.

          Ist die Karte tatsächlich so konfliktträchtig, wie Horn vermutete? Die Antwort dürfte nicht unwesentlich davon abhängen, in welchem Landkreis in der Rhein-Main-Region man lebt. Nach Variante I reichen die ausgewiesenen Vorrangflächen aus zum Bau von mehr als 2300 Windrädern, bei Variante II aber für mehr als 5360 Anlagen. Deren Verteilung ist sehr unterschiedlich. Zwar lautet die allgemeine Vorgabe, zwei Prozent der Landesfläche als Vorranggebiete auszuweisen. Naturgemäß kommt es aber aufgrund der Topographie zu erheblichen regionalen Unterschieden.

          13,3 Prozent der Kreisfläche

          Am stärksten betroffen vom Ausbau der Windräder sind nach den Planungsdaten die Kreise Odenwald und Rheingau-Taunus. Im Odenwald sind sechs respektive 13,3 Prozent der Kreisfläche markiert, was theoretisch 375 oder in Variante II sogar 830 Windräder erlaubte. Im Rheingau-Taunus wären 7,5 Prozent (Variante I) und 14,9 Prozent (Variante II) der Fläche Vorranggebiete, was 610 beziehungsweise 1212 Windräder ermöglichte.

          Im Windrad-„Ranking“ folgen der Main-Kinzig-Kreis mit fünf respektive 10,6 Prozent der Kreisfläche und 699oder auch 1518Anlagen. In der Wetterau sind es 2,3 und 5,6 Prozent der Fläche und damit 250 oder 619Anlagen. In den übrigen Kreisen sieht es so aus: Bergstraße 2,1 Prozent (3,3) und 156 Anlagen (240); Darmstadt-Dieburg zwei Prozent (9,1) und 132 Windräder (600); Main-Taunus zwei Prozent (4,65) und 46 Anlagen (101); Hochtaunus knapp ein Prozent (knapp vier) und 47 Räder (191). Nur in roter Markierung gibt es Vorrangflächen für 29 Windräder auch auf Frankfurter Gemarkung sowie für Offenbach (22 Anlagen) und den Kreis Groß-Gerau (fünf).

          Die Zahlen zeigen, dass die Unterschiede zwischen beiden Varianten erheblich sind und auf jeden Fall mehr als zwei Prozent des Landesgebiets für die Windnutzung nach derzeitigem Planungsstand ausgewiesen werden sollen. In der letzten Diskussion im Regionalverband vor der Sommerpause begründeten dies die Grünen mit der Sorge, durch Einwände der Deutschen Flugsicherung könnten Areale in erheblichem Umfang noch wegfallen. Die Erste Beigeordnete Birgit Simon (Die Grünen) sprach von „mehr als der Hälfte der Vorranggebiete“, die sich im unterschiedlichen Ausmaß im Anlagenbereich der Flugsicherung befänden.

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