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Energiepreise Heizölkauf ist derzeit ein Pokerspiel

 ·  Mehr als 60 Euro zahlt man zur Zeit für 100 Liter Heizöl im Raum Frankfurt, fast 50 Prozent mehr als vor einem Jahr. Grund genug für viele Hausbesitzer und Mieter, sich beim Nachbestellen ein wenig zurückzuhalten.

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Mehr als 60 Euro zahlt man zur Zeit für 100 Liter Heizöl im Raum Frankfurt, fast 50 Prozent mehr als vor einem Jahr. Grund genug für viele Hausbesitzer und Mieter, sich beim Nachbestellen ein wenig zurückzuhalten. Die Bestellungen liegen nach Händlerangaben deutlich unter dem, was erfahrungsgemäß für den nächsten Winter gebraucht wird. Nach Einschätzung eines Branchenexperten liegt diese sogenannte Bedarfsunterdeckung bei 10 bis 15 Prozent: Die Menschen spekulieren auf fallende Preise.

Aber ist diese Hoffnung realistisch? War es nicht in anderen Jahren vielmehr so, daß diejenigen am klügsten waren, die ihr Heizöl im Sommer gekauft haben, weil mit sinkenden Temperaturen im Herbst die Preise anzogen? "Das war früher so", meint Albert Steul, Vorsitzender der Heizölbörse der Frankfurter Industrie- und Handelskammer. Als die deutsche Volkswirtschaft noch relativ abgeschottet gewesen sei, seien die Kohlen immer im Frühjahr billiger und im Herbst teurer geworden. Wegen der Globalisierung spielten heute andere Faktoren eine wichtigere Rolle für den Heizölpreis: vor allem die Einschätzung der weltweit tätigen Ölspekulanten zu der Frage, ob die Fördermenge ausgeweitet oder verringert und ob die internationale Nachfrage etwa in China und den Vereinigten Staaten steigen oder sinken werde. Außerdem spiele der Wechselkurs Dollar/Euro für den Ölpreis in Deutschland eine wichtige Rolle. Deshalb sei es schwierig, einen Tip abzugeben, meint Steul: "Das ist wie Pokern, dazu hat jeder seine eigene Meinung."

Beim Branchendienst Esyoil wird dagegen geraten, die nächsten Tage zum Kauf zu nutzen. Die Heizölpreise in Deutschland gäben zur Zeit etwas nach. Die Höhe des Rückgangs des Rohölpreises am Weltmarkt finde man in den Heizölpreisen aber nicht wieder. Die Raffineriegesellschaften gäben nur einen Teil der fallenden Börsenbewegung an den Heizölhandel und damit an die Verbraucher weiter. Da die Nachfrage hoch sei und in Kürze mit weiteren Preissteigerungen gerechnet werde, hielten sie das Niveau hoch. Die Differenz strichen sie als Spekulationsgewinn ein. Längerfristig bestünden keine Zweifel, daß die Preise weiter aufwärtsgehen würden. Die Börse sei "auf Versorgungsängste getrimmt", jeder denkbare Grund von Raffinerieengpässen in den Vereinigten Staaten über Terrorängste in Großbritannien und Saudi-Arabien bis hin zum Iran-Atomkonflikt werde für Preissteigerungen genutzt.

Nach dem kräftigen Anstieg der Rohölpreise in der vergangenen Woche meldeten sich schon Experten zu Wort, die ein Hochschnellen des Rohölpreises auf 70 bis 80 Dollar je Barrel prognostizieren; zur Zeit liegt er etwas über 60 Dollar. Der wichtigste Grund für die Aufwärtsentwicklung sei die stetig wachsende Nachfrage, vorwiegend aus Asien und den Vereinigten Staaten, heißt es in der Branche. Der Devisenmarkt entwickele sich hingegen derzeit positiv für die Ölverbraucher in Deutschland, auch wenn dies den Ölpreisanstieg nur in geringem Maße bremsen könne.

Die Heizölpreise in Frankfurt und Umgebung haben in dieser Woche bis zum Mittwoch (an diesem Tag stellt die Industrie- und Handelskammer die Preise fest) weiter angezogen. Niedriger hatten sie im Januar und Februar gelegen, seither aber hatten sie sich mit einigen Ausreißern aufwärts entwickelt. Auch das vorige Jahr war von einem Anstieg mit Unterbrechungen im Februar, September, November und Dezember gekennzeichnet. Der Heizölpreis gehörte in den vergangenen Monaten neben dem Benzinpreis zu den wichtigsten Preistreibern in den Inflationsstatistiken.

Etwas Spielraum für Spekulationen haben indes auch die meisten Verbraucher: Die meisten Heizöltanks sind so bemessen, daß der Inhalt für ein Jahr reicht, auch wenn der Winter mal besonders kalt sein sollte. Die Mehrheit der Haushalte füllt denn auch ihren Tank einmal im Jahr. So kann man allerdings Pech haben und gerade dann bestellen, wenn das Öl besonders viel kostet. Die Preise für Heizöl schwanken schon von Woche zu Woche manchmal um zwei Euro je Liter. Und sie sind auch je nach Region unterschiedlich: Der Bund der Energieverbraucher gibt den durchschnittlichen Heizölpreis für Hessen mit 60,75 Euro je 100 Liter an (Stand Donnerstag). Damit lag das Bundesland in Deutschland eher in der oberen Preisgruppe. Teurer war Heizöl in Rheinland-Pfalz und Niedersachsen, billiger in den Hafenstädten Hamburg und Bremen (unter 59 Euro).

Wichtig für den Preis ist vor allem die Entfernung von den Raffinerien; die Transportkosten schlagen hier durch. Deshalb rentiert es sich meistens auch nicht, einen Heizölhändler von weit her kommen zu lassen. Was sich aber lohnen kann, ist eine Einkaufsgemeinschaft. Wer keinen besonders großen Tank hat, spart unter Umständen, wenn er seine Heizöllieferung gemeinsam mit dem Nachbarn bestellt. Wer aber schon alleine einen 6000-Liter-Tank befüllen kann, für den macht sich eine gemeinsame Bestellung in der Regel nicht bezahlt. In dieser Woche betrug in Frankfurt der Preisunterschied zwischen einer 3000- und einer 6000-Liter-Lieferung im Durchschnitt 87 Cent je 100 Liter. CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

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