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Veröffentlicht: 23.01.2013, 19:37 Uhr

Energieberater Damit der Strom nicht aufhört zu fließen

Obwohl die Strompreise steigen, sind im vergangenen Jahr weniger Kunden in Zahlungsrückstand geblieben. Die Energiesparhelfer der Caritas sorgen dafür, dass dieser Trend anhält, denn sie beraten bedürftige Menschen.

von , Frankfurt
© Eilmes, Wolfgang Effizienzsteigernd: Energiesparhelfer Antonio Lopez (rechts) hilft Bernd Hummel dabei, auf sparsamere Leuchtmittel umzusteigen. Dank der Tipps könnte die Stromrechnung des Arbeitslosen am Ende des Jahres um 36 Euro niedriger ausfallen.

Was tut man nicht alles, um am Jahresende 4,47 Euro mehr im Geldbeutel zu haben? Bernd Hummel jedenfalls kniet neben seinem laufenden Flachbildfernseher und versucht, eine Glühbirne auszuwechseln, was sich als komplizierter erweist als gedacht, weil der Lampenschirm im Weg ist. Neben dem arbeitslosen Bewohner der Einzimmerwohnung in Sachsenhausen steht Antonio Lopez und nickt zufrieden, als das Stromspar-Lämpchen endlich leuchtet. Lopez arbeitet für die Caritas als Energieberater und ist zu Gast bei Hummel, um ihm zu helfen, weniger Strom und Wasser zu verbrauchen.

Christian Palm Folgen:

Es ist der zweite Besuch der Energiesparhelfer. Einige Wochen zuvor hatten sie Hummel befragt, wann welches Gerät läuft und wie lange. Sie kamen etwa zu dem Ergebnis, dass sich mit der neuen Birne neben dem Fernseher gut vier Euro Stromkosten im Jahr vermeiden ließen. Zudem hatten sie die Temperatur in seinem Kühlschrank und den Durchfluss der Wasserhähne gemessen. Nun bringt Lopez die passenden Energiesparbirnen und neue Steckerleisten vorbei. Allein die neuen Leuchtmittel kosten knapp 30Euro. Die Erfahrung hat den Caritas-Mitarbeitern gezeigt, dass sich die Bedürftigen ihre Ratschläge zwar gerne anhören, die nötigen Investitionen dann aber nicht aufbringen wollen oder können.

„Irgendwas finden wir immer“

Lopez weiß, wie es sich anfühlt, jeden Euro zweimal umdrehen zu müssen. Er war selbst arbeitslos, bevor er Energiesparhelfer wurde, erst als Ein-Euro-Jobber, mittlerweile als Festangestellter. Die Caritas hat ihn im Sinne des Wortes qualifiziert - Lopez könnte wohl auch erklären, worauf beim Glühbirnenkauf zu achten ist, wenn er um drei Uhr nachts geweckt würde: Lichtstärke, Stromverbrauch, Herstellergarantien, Inhaltsstoffe und so weiter.

Der Einsatz in den vier Wänden der Arbeitslosen lohnt sich. „Irgendwas finden wir immer“, sagt Lopez. Manchmal finden sie auch extrem viel. Einmal, erzählt er, haben sie einer Kleinfamilie vorgerechnet, wie sie fortan jedes Jahr 500 Euro für den Strom sparen könnten. Dazu war es lediglich nötig, die Gefrierfächer auf eine angemessene Temperatur einzustellen und den Warmwasser-Boiler etwas zu drosseln. Im Schnitt lassen sich mit den Vorschlägen der Caritas-Mitarbeiter knapp 400 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr vermeiden.

Weniger Stromsperren als 2010

Um 36 Euro dürfte Hummels Stromrechnung künftig niedriger ausfallen, nur wegen der Energiesparlampen und neuer, ausschaltbarer Steckerleisten. Die 36Euro im Jahr kämen Hummel allein zugute. Anders als etwa die Kosten für Wasser, ist für den Strom kein Betrag im Hartz-IV-Regelsatz vorgesehen. Angesichts der Strompreis-Erhöhungen reiche der vorgesehene Betrag von rund 30 Euro aber längst nicht mehr aus, heißt es von Sozialverbänden. Etwa acht Prozent des Regelsatzes sind für die Energiekosten vorgesehen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband spricht in diesem Zusammenhang von „Energiearmut“ und davon, dass in Deutschland jährlich etwa 200.000 Hartz-IV-Empfängern vorläufig der Strom abgestellt werde, weil sie ihre Rechnungen nicht begleichen können.

Die Frankfurter Energieversorger beurteilen die Lage weniger dramatisch. Im vergangenen Jahr mussten Mainova und Süwag weniger Stromsperren verhängen als 2010. Bei Mainova sank die Zahl von 7782 auf knapp 7600, die Süwag kann nur Zahlen für ihr gesamtes Netzgebiet nennen. Insgesamt musste sie vergangenes Jahr 3355 ihrer Kunden in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern vorläufig den Strom abstellen, etwa 1200 weniger als im Jahr zuvor.

Kunden nehmen früher Kontakt auf

Auch aus dem Frankfurter Sozialdezernat heißt es, bislang sei nicht festzustellen sei, dass die Zahl derer zunehme, die die Stromrechnungen nicht mehr zahlen könnten. Dem Sozialamt unterstehen die Schuldnerberatungen. Dort falle bislang nicht auf, dass die Strompreise in den vergangenen Jahren gestiegen seien. Abzuwarten bleibe aber, wie sich die Lage nach der aktuellen Erhöhung entwickele.

Die Stromversorger gehen davon aus, dass ihre verbesserte Kundenkommunikation zur sinkenden Zahl an Stromsperren beigetragen habe. „Wir stellen fest, dass betroffene Kunden deutlich früher Kontakt zu uns aufnehmen und wir im gemeinsamen Gespräch oftmals eine Lösung herbeiführen können“, sagt eine Süwag-Sprecherin.

Noch prüft die Mainova nicht die Bonität ihrer Kunden

Wenn keine Lösung gefunden wird, rücken Elektriker der Energieversorger aus. Die Kunden haben dann die letzte Möglichkeit, ihre Rechnung zu begleichen, bevor ihnen der Strom abgestellt wird. Etwa jeder Dritte nutze diese Chance, sagt ein Mainova-Mitarbeiter, der lieber anonym bleiben möchte. Seine Berufsbezeichnung lautet „Sperrkassierer“. Im Schnitt gehe es um Zahlungsrückstände von rund 250 Euro, sagt er. Dass er nur Bargeld, aber keine Naturalien annehme, habe er einmal einer Kundin im Bahnhofsviertel erklären müssen. Die Inneneinrichtung der Dame habe in einem ähnlichen Rot geleuchtet wie sein Gesicht, sagt der Elektriker. Seine Arbeit ist nicht ungefährlich, nicht nur, weil er zuweilen unfreundlich empfangen wird. Oft haben es die Mainova-Elektriker mit alten Installationen zu tun, die sie unter Vollspannung sperren müssen. Nicht länger als drei Tage dauere eine solche Stromsperre in der Regel, sagt der Mainova-Mitarbeiter.

Um derart unerfreuliche Hausbesuche zu vermeiden, prüft mancher Stromversorger, etwa die Süwag, die Bonität potentieller Kunden. Die Mainova verzichtet bislang darauf, behält sich aber vor, das zu ändern. Kunden, die Schufa-Einträge haben und deshalb abgelehnt werden, können aber auf den Grundversorgungstarif zurückgreifen, den die Mainova in den meisten Frankfurter Stadtteilen bereitstellt. Der ist aber in der Regel höher als andere Tarife desselben Anbieters.

Bernd Hummel hatte bislang noch keinen Besuch vom Sperrkassierer. Die Tipps der Energiesparhelfer sollen dazu beitragen, dass das so bleibt, genau wie die neuen Energiesparlampen.

Quelle: F.A.Z.

 

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