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Veröffentlicht: 23.02.2016, 10:27 Uhr

Kürzungen im Bildungshaushalt „Ganztagsschulen nicht gegen Gymnasien ausspielen“

Die Opposition fordert die Landesregierung auf, die Kürzungen in der gymnasialen Oberstufe zurückzunehmen. Derweil haben die Elternbeiräte von sechs Frankfurter Gymnasien zum gemeinsamen Protesttag aufgerufen.

von , Frankfurt
© dpa Protest: Schüler- und Elternvertreter sprechen sich gegen geplante Kürzungen für die gymnasialen Oberstufen aus. (Archivbild)

Die Opposition im Landtag und Vertreter von Eltern haben die Landesregierung abermals aufgefordert, die Kürzung in der gymnasialen Oberstufe zurückzunehmen. Damit reagierten sie auf einen Bericht der Rhein-Main-Zeitung, wonach Kultusminister Alexander Lorz (CDU) darauf beharrt, die in diesem Schuljahr begonnene Reduzierung der Stundenzuweisung in den nächsten beiden Schuljahren fortzusetzen. Alix Puhl, die Vorsitzende des Frankfurter Stadtelternbeirats, sagte, die Eltern würden sich mit der Entscheidung nicht abfinden. „Wir lassen jetzt nicht locker.“

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Sowohl die Elternbeiräte als auch die Oppositionsfraktionen beschuldigten die schwarz-grüne Landesregierung, unterschiedliche Schulformen und Bildungsaufgaben gegeneinander auszuspielen. Lorz hatte die Einsparungen in der gymnasialen Oberstufe mit der Notwendigkeit begründet, mehr Lehrer für den Ausbau der Ganztagsschulen, der Inklusion, der Deutschförderung und an sogenannten Brennpunktschulen einzusetzen. Dazu sagte der bildungspolitische Fraktionssprecher der SPD, Christoph Degen, Verschlechterungen in einem Bildungszweig seien nicht mit längst überfälligen Verbesserungen in einem anderen zu rechtfertigen. „Die Kürzungen mit Worten wie Umlenkung und Umschichtung zu bezeichnen ist eine Beschönigung.“ Für die Linke sagte deren bildungspolitische Sprecherin Barbara Cárdenas, eine verringerte Angebotsvielfalt und Qualität in der Oberstufe seien nicht hinzunehmen. „Der Protest gegen den Sparkurs an Gymnasien wird noch weiter wachsen.“

Breiter Protest von Elternverbänden und Opposition

Nach Angaben der Gymnasien führen die Einschnitte dazu, dass viele Grund- und Leistungskurse in kleinen Fächern gestrichen oder dass Kurse zusammengelegt werden müssen. Nachdem im Sommer erstmals Proteste gegen die Pläne laut geworden waren, hatte Lorz Vertreter der einzelnen Gymnasien zu Fachgesprächen eingeladen, in denen sie die Folgen für ihre Schulen darstellen konnten. Nach Meinung des bildungspolitischen Sprechers der FDP-Landtagsfraktion, Wolfgang Greilich, hätten die vorgetragenen Probleme für die Landesregierung „Anlass sein müssen, ihren schulpolitischen Kurs sofort zu korrigieren“.

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Greilich fordert, nicht nur die Kürzungspläne für die nächsten beiden Schuljahre, sondern auch die bereits zu diesem Schuljahr vollzogene Stundenreduzierung zurückzunehmen. Die Landesregierung bringe ohne Not Unfrieden in die Bildungslandschaft. „Hessens beliebteste und leistungsfähigste Schulform wird zum Steinbruch der schwarz-grünen Bildungspolitik, da die CDU aus Gründen des Machterhalts offenbar bereit ist, die hessischen Gymnasien zu opfern – um Prestige-Projekte ihres grünen Koalitionspartners zu finanzieren.“

„Gegen die Eltern kann man keine Schule machen“

Die Frankfurter Stadtelternbeirätin Puhl sagte, Elternvertreter unterschiedlicher Schulformen würden sich nicht auseinanderdividieren lassen. Auch Jugendliche von Realschulen und integrierten Gesamtschulen, die nach dem mittleren Abschluss Abitur machen wollten, seien auf gut ausgestattete Oberstufen angewiesen. Die Jahre vor dem Abitur seien eine Zeit intensiven Lernens, in der die Schüler Schwerpunkte setzen und sich mit Blick auf ein Studium oder die berufliche Zukunft orientieren könnten. Dafür seien kleine Kurse nötig, in denen jeder Schüler sich aktiv beteiligen könne und müsse.

Für Mittwoch nächster Woche haben die Elternbeiräte von sechs Frankfurter Gymnasien zu einem Protesttag aufgerufen. „Die schwarz-grüne Landesregierung muss erkennen: Der breite Protest gegen ihre Entscheidung, neue, berechtigte Bildungsvorhaben auf Kosten des Abiturs zu finanzieren, statt den Etat zu erhöhen, wird sich nicht aussitzen lassen – gegen die Eltern kann man keine Schule machen“, sagte Annette Reschke, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende des Lessing-Gymnasiums. Mela Krauß, Elternbeiratsvorsitzende der Schillerschule, erinnerte an den Titel des Koalitionsvertrages von CDU und Grünen. Von „Verlässlich gestalten – Perspektiven eröffnen“ könne jedoch angesichts der Einsparungen in der Oberstufe kaum die Rede sein. Sebastian Maerker von der Carl-Schurz-Schule sagte, das Kultusministerium sollte in der Zwischenzeit erkannt haben, dass auch eine nach Lorz’ Worten „maßvolle Kürzung“ erhebliche negative Auswirkungen auf das Angebot und die Qualität des Unterrichts habe.

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