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Veröffentlicht: 10.08.2017, 15:35 Uhr

Lademöglichkeiten für E-Autos „Verbrennungsmotor auf Sicht nicht zu ersetzen“

Auch in Frankfurt steigt die Zahl der E-Autos und Hybridfahrzeuge stark - bleibt aber sehr gering. Massenweise Ladesäulen in der City zu schaffen, ist aus Sicht einer großen Wohnungsgesellschaft nicht möglich.

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© Rüchel, Dieter Pionier: 2010 stellte die Mainova in Frankfurt die erste Ladesäule für E-Autos auf - im Parkhaus Börse

Wer in die Großstadt zieht, lebt nicht in der Welt der Reihenhäuser mit Carport, schon gar nicht in der Welt der Einfamilienhäuser inklusive Doppelgarage. Der Städter wohnt im Mehrfamilienhaus. In Frankfurt befinden sich laut Statistik 13 Prozent der Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern. Fast 90 Prozent der fast 370.000 Wohnungen sind demnach in Häusern mit drei, vier und mehr Stockwerken zu finden.

Mechthild Harting Folgen:

Wie viele dieser Wohnungen über eine Garage oder einen Tiefgaragenplatz verfügen, ist nicht bekannt. Auch nicht, wie viele Haushalte ein Auto haben. Denn zu den in Frankfurt registrierten Fahrzeugen – mehr als 320.000 – gehören auch viele Dienstwagen, deren Fahrer außerhalb der Stadt wohnen. Doch dass die „Laternenparker“, wie diejenigen genannt werden, die allabendlich an der Straße vor ihrer Haustür nach einem Parkplatz suchen, einen beachtlichen Teil der Frankfurter Autofahrer ausmachen, das zeigt die tägliche Erfahrung.

Viele Ladesäulen und Stellplätze?

Was es bedeuten würde, wenn diese Autofahrer sich gemäß den aktuellen politischen Ratschlägen von einem Tag auf den anderen entschieden, Elektroautos zu fahren, und dann die Möglichkeit zum Laden der Batterie vor ihrer Haustür einforderten, das hat sich – zumindest in Frankfurt – bisher niemand überlegt.

„Es ist in den bestehenden, dichtbebauten Stadtteilen überhaupt nicht möglich, eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen“, sagt Frank Junker, Chef der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG, der 50.000 Wohnungen gehören. „Es ist weder im Nord- noch im Ost- oder Westend denkbar, eine so große Zahl an Ladestationen und die dazugehörigen Stellplätze anzubieten.“ Man müsste dann den gesamten öffentlichen Raum mit Ladestellen überziehen, „das kann nicht funktionieren“.

Straßen, Gehwege und aller Voraussicht nach auch das Stromnetz sind dafür gar nicht ausgelegt. Der Frankfurter Energieversorger Mainova teilte auf Anfrage mit, dass man dieser Tage dabei sei zu ermitteln, wie eine Stromversorgung aussehen müsste, wenn künftig allabendlich Tausende Elektrofahrzeuge an Ladestationen angeschlossen würden. Gleichgültig, ob die Autos über Stunden an eine normale Steckdose angeschlossen würden oder an eine Schnellladestation, die nur noch 20 bis 30 Minuten benötigt, um die Batterie zu 80 Prozent wieder aufzuladen.

So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

Eine Chance, das Angebot zu verbessern, könnten Neubauten und neue Stadtteile bieten, in denen gleich bei der Errichtung die nötigen Stromleitungen und Steckdosen vorgesehen werden. In der Frankfurter Stadtplanung werde die Elektromobilität berücksichtigt, heißt es aus dem Planungsdezernat, aber eine Vorgabe, dass etwa ein bestimmter Anteil öffentlichen Parkraums über Ladestationen verfügen muss, die gibt es nicht. Die 2015 geänderte hessische Garagenverordnung schreibt vor, dass beim Bau einer neuer Tiefgarage fünf Prozent der Plätze mit Ladestationen ausgestattet sein müssen. „Das befolgen wir natürlich“, sagt Junker, allerdings sei die Nutzung „verschwindend gering“.

Es gibt derzeit einfach zu wenige Elektroautos. Anfang Juli waren in Frankfurt 668 Elektrofahrzeuge zugelassen sowie weitere 2047 Hybridfahrzeuge, also Autos, die sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor haben. Das hessische Wirtschaftsministerium verweist auf beachtliche Steigerungsraten in den vergangenen Jahren, zumal das Land die finanzielle Förderung der Elektromobilität von einer Million auf 2,3 Millionen Euro gesteigert hat. Landesweit gab es 2016 fast 12.000 Hybridfahrzeuge, dreimal mehr als 2010. Die Zahl der Elektrofahrzeuge ist binnen sechs Jahren von 153 auf knapp 2000 gestiegen.

„Verbrenner absehbar nicht zu ersetzen“

Diejenigen, die sich mit dem Thema befassen, wissen, dass es in den nächsten Jahren kaum gelingen wird, Großstädter ohne Tiefgaragenplatz von den Vorteilen eines Elektroautos zu überzeugen. Land und Stadt versuchen deshalb, gezielt Unternehmen mit Dienstwagenflotten anzusprechen. Die Autos könnten auf firmeneigenen Stellplätzen und in Tiefgaragen aufgeladen werden. In Frankfurt will man darüber hinaus verstärkt den städtischen Fuhrpark umstellen. Sinnvoll könnten Elektrofahrzeuge auch für Taxiunternehmen sein, heißt es aus dem Wirtschaftsdezernat, das sich federführend um die Elektromobilität in der Stadt kümmert.

Dort sieht man sich allerdings nicht in der Verantwortung, mit Steuergeld eine effektive Lade-Infrastruktur zu schaffen. Das sei nicht Aufgabe der Kommunen, heißt es. Für Junker steht deshalb fest: „Auf Sicht kann die Elektromobilität den Verbrennungsmotor nicht ersetzen – schon gar nicht in den Großstädten.“

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Von Ewald Hetrodt

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