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Eishockey-Löwe Manuel Neumann : Haarscharf dem Rollstuhl entkommen

  • -Aktualisiert am

Neuanfang: Löwen-Verteidiger Manuel Neumann hat keine Angst vor seiner Rückkehr. Bild: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Im Oktober hat sich Manuel Neumann einen Halswirbel gebrochen. Jetzt trainiert er schon wieder und will bald aufs Eis. Das grenzt an ein Wunder.

           „Was für ein Weichei“, lästert Trainer Frank Gentges grinsend im Vorbeigehen, „macht wegen so einer Lappalie wochenlang blau.“ Die Verletzung von Manuel Neumann als „Lappalie“ zu bezeichnen ist selbst im rauhen Eishockeysport schon mehr als ein Euphemismus. Denn am 26. Oktober vergangenen Jahres stand der Sechsundzwanzigjährige am Scheideweg: Rollstuhl oder Fußgänger. Im Training war der Verteidiger des Eishockey-Oberligaklubs Löwen Frankfurt über eine Rille im Eis gestolpert und mit dem Kopf vorweg in die Bande gestürzt.

          Zunächst klagte er nur über Nackenschmerzen, dann stellte sich heraus: Bruch des fünften Halswirbels. Was das bedeuten kann, belegt ein bekanntes Beispiel. 2011 zog sich Sebastian Koch bei der Show „Wetten, dass..?“ die nahezu gleiche Verletzung zu und sitzt seitdem im Rollstuhl. Unter dem Eindruck des dramatischen Vorfalls prangerten die Löwen damals die schlechte Eisqualität in der Frankfurter Halle an, die solche Unfälle provozieren würde. Daraufhin kam es zu einem Krisengespräch mit den Verantwortlichen der Stadt. Als Ergebnis wurde vereinbart, dass nach der Hälfte des Trainings das Eis neu aufbereitet wird. Heute will das Thema keiner mehr hoch hängen, auch, weil alles verhältnismäßig glimpflich verlief.

          „Manuel hat unheimlich Glück gehabt“

          Der derbe Flachs des Trainers spricht vor allem für die große Erleichterung, seinen Spieler gesund zu sehen. Und nicht nur das: Seit einer Woche trainiert Neumann schon wieder. Das grenzt für Außenstehende an ein Wunder. Und da ist durchaus etwas dran. „Manuel hat unheimlich Glück gehabt, dass zum einen seine Muskeln die Wirbel noch stabilisiert haben, zum anderen, dass die Schwere der Verletzung sofort erkannt wurde“, so Teamarzt Thorsten Walter. Zudem reagiert Physiotherapeut Eddy von Werner schnell: „So wie Manuel in die Bande gekracht ist, war mir gleich klar, dass es mit Nacken-Einrenken nicht getan ist. Die Aufprallenergie muss ja irgendwohin, in diesem Fall in die Wirbelsäule.“ Nach der ersten Diagnose in der Langener Klinik wurde Neumann sofort in die BG-Unfall-Klinik gebracht und noch am selben Tag operiert.

          Dass er nun schon wieder trainieren kann, ist der Kunst der Ärzte zu verdanken. Nachdem die Wirbel wieder vorsichtig zusammengeschoben wurden, brachten sie ein Titan-Zwischenstück an und verbanden beide Wirbel mit einer verschraubten Platte. „Ich konnte schon relativ bald das Krankenhaus verlassen, musste dann aber sechs Wochen eine Halskrause tragen“, sagt Manuel Neumann. An den Vorfall kann er sich gar nicht mehr genau erinnern. „Vielleicht ganz gut so“, meint er, „ich habe mich schon nach drei Tagen wieder ganz gut gefühlt.“ Um so größer war der Schock bei den Kollegen, Fans und natürlich den Eltern und seiner Freundin. Im Vordergrund stand bei allen, dass Manuel Neumann ein normales Leben würde führen können. An eine Fortsetzung der Eishockeykarriere, schon gar in dieser Saison, wollte niemand denken. Außer ihm selbst: „Die Reha ist furchtbar langweilig. Und nachdem mir die Ärzte erklärten, dass nach dem ersten Heilungsprozess der Knochen die Wirbel stabiler als zuvor sind, war mein Ziel klar: Ich will noch in dieser Saison wieder spielen.“

          Am härtesten waren für Neumann die ersten sechs Wochen, als er nichts heben und nicht einmal Auto fahren durfte. Doch seine Teamkollegen - allen voran Torhüter Boris Ackers, der sich mit verletzungsbedingten Leidensgeschichten auskennt - kümmerten sich täglich um den gebürtigen Ludwigsburger. Freundin Sara, die in Düsseldorf wohnt, nahm sich eigens Urlaub, um ihm beizustehen. Passenderweise ist sie Arzthelferin, konnte ihm also nicht nur psychologisch buchstäblich den Rücken stärken. Durch die Trainingspause nahm er sechs Kilogramm ab, „hauptsächlich Muskelmasse. Die muss ich mir natürlich wieder antrainieren.“

          Neumann: „Von mir aus könnte es sofort losgehen“

          Deshalb verbringt er neben dem Eistraining noch täglich einige Stunden im Reha-Zentrum. Wann er wieder spielen kann, lässt er offen: „Ich brauche das Okay der Ärzte, und natürlich entscheidet der Trainer.“ Der will nichts überstürzen: „Wir werden kein Risiko eingehen.“ Auch wenn Neumann ein hervorragender Verteidiger ist und im vergangenen Oktober zum besten Spieler der Oberliga gewählt wurde. Der junge Mann selbst kann es kaum noch abwarten: „Von mir aus könnte es sofort losgehen.“ Wie haarscharf er an einem Schicksalsschlag vorbeigeschrammt ist, daran will er am besten nicht mehr denken: „Wenn ich Angst hätte, würde ich jetzt nicht auf dem Eis stehen.“

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