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Einzelhandel in Frankfurt „Die Stadt ist groß genug für Wettbewerb“

 ·  Auf der Zeil werden Rekordmieten gezahlt. Internationale Marken buhlen um knapp werdende Flächen. Wo gibt es noch freie Flächen? Und wie bestehen kleine Geschäfte im Wettstreit mit den Filialisten?

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Christopher Wunderlich kann sich entspannt zurücklehnen. Noch nie haben Immobilienmakler im Einzelhandel so gut verdient wie heute. Um mehr als 60 Prozent sind die Mieten seit 2000 gestiegen, mit einer Durchschnittsmiete von 290 Euro pro Quadratmeter ist Frankfurt inzwischen der zweitteuerste Standort nach München. Das ist die Situation, die Wunderlich als Leiter des Frankfurter Einzelhandel-Immobiliengeschäfts beim Makler Jones Lang LaSalle zu Beginn des F.A.Z.-Forums umriss. Da nur wenige Flächen verfügbar seien, internationale Marken wie Hollister oder Uniqlo aber weiter auf den deutschen Markt drängten, werde diese Entwicklung auch so weitergehen. „Der Trend geht ganz eindeutig nach oben.“

Wo ist noch Raum für neue Geschäfte in Frankfurt? Wo kann die Innenstadt auch städtebaulich attraktiver werden? An der Hauptwache vorerst nicht: Die Koalition hat die Pläne, den breiten Abgang zur B-Ebene zu schließen, einstweilen aus Kostengründen auf Eis gelegt. Da gebe es bessere Möglichkeiten, „ohne gleich den Goldbarren in die Hand nehmen zu müssen“, sagte Bürgermeister Olaf Cunitz (Die Grünen). Kosten und Nutzen stünden bei einer Schließung des „Lochs“ nicht in einem vernünftigen Verhältnis. Der Planungsdezernent hält Verbesserungen in der B-Ebene für dringender.

Ein einfaches Rezept

Bliebe der Goetheplatz, den die meisten Frankfurter als „öd und leer“ empfinden, wie Manfred Köhler, Wirtschaftsredakteur dieser Zeitung und Moderator der Diskussion, anmerkte. „Die Bäume werden ja irgendwann größer“, sagte Cunitz und gestand: „Glücklich bin ich mit dem Platz nicht.“ Projektentwickler Heinz-Günter Lang von Lang & Cie. Real Estate ist überzeugt: „Es würde den Fußgängerströmen gut tun, wenn der Platz teilweise bebaut würde.“

Um mehr Flächen zu schaffen, hat Lang ein einfaches Rezept: Häuser abreißen und neu bauen. So geschieht es zurzeit am Goetheplatz, wo mit dem One Goetheplaza ein Büro- und Geschäftshaus entsteht, das die kaufkräftigen Kunden von der Luxusmeile Goethestraße um die Ecke lenken soll. Lang hat das Projekt vorbereitet.

Bauliche Verdichtung

Wenig Entspannung erwarten die Diskussionteilnehmer vom Skyline Plaza im Europaviertel, das mit 38000 Quadratmeter Verkaufsfläche im nächsten Herbst eröffnet werden soll. Das Einkaufszentrum mit der Hamburger ECE-Gruppe als Betreiber wird die üblichen Filialisten unter seinem Dach versammeln. Bereits bekannt sind die Namen Peek&Cloppenburg, Zara, H&M, New Yorker. „Das wird ein Einkaufszentrum wie viele andere“, sagte Wunderlich, der dort allerdings ausreichend Konsumenten erwartet, „die das Einkaufszentrum brauchbar befeuern werden“. Zum Leidwesen der Innenstadt, wie Joachim Stoll, Vorsitzender des Frankfurter Einzelhandelsverbandes, befürchtet. „Das Skyline Plaza nimmt Umsätze und Kundenströme von der Zeil weg.“

Stoll, der auch ein Koffergeschäft an der Schäfergasse betreibt, hofft, dass die Stadt durch bauliche Verdichtung zusätzliche Einzelhandelsfläche gewinnt. „Generieren wir doch einfach neue Flächen“, schlug er vor. Es gebe in der Branche durchaus Ideen. Stolls Herz schlägt für die Ostzeil. Dort hätte er gern den neuen Globetrotter-Markt gesehen. „Das wäre ein Magnet für die Innenstadt gewesen.“

Nicht viel Handlungsspielraum bei Mieten

„Wir müssen auch über die Nebenstraßen reden“, forderte Stoll. Wie viele andere Geschäftsleute in seinem Viertel wartet er seit Jahren auf die Sanierung der Schäfergasse und der Großen Friedberger Straße - eine Ecke, die auch vom Einzug der Hifi-Profis in dieser Woche in das ehemalige Helberger Haus profitiert. Auch durch den Umbau der ehemaligen Diamantenbörse in ein Büro- und Geschäftshaus (Projekt „Ma“) bewegt sich etwas. Die Straßen würden demnächst schöner, versprach Cunitz. Der Planungsdezernent kündigte Investitionen von zehn Millionen Euro für die Nebenstraßen der Zeil an. Planungstechnisch könne man, „wenn alles gut geht“, in einem Jahr mit der Neugestaltung von Schäfergasse und Große Friedberger Straße beginnen.

Was die Entwicklung der Ladenmieten anbelangt, sieht der Politiker nicht viel Handlungsspielraum. „Wir alle sind Anhänger der Marktwirtschaft, das heißt wir sind für Wettbewerb.“ Es sei bedauerlich, dass inzwischen vermutlich nur noch weniger als zehn Prozent der Geschäfte in der Innenstadt von den Inhabern selbst geführt würden, „aber Frequenz hat ihren Preis“, sagte Cunitz. Gleichwohl sei Frankfurt noch groß genug für Wettbewerb. „Es gibt Alternativen.“ In der Brückenstraße etwa sieht Cunitz einen gelungenen Standort für Konzepte, wie das von Diskussionsteilnehmerin Suzann Frohmann.

Es gibt noch „Perlen“

Frohmann ist mit ihrem Geschäft für Wohnaccessoires, Meisterwerke Europa, relativ günstig in der Sandhofpassage untergekommen. Die städtische FAAG verlangt eine vergleichsweise sehr niedrige Miete. Sie sei erstaunt, wie gut das Geschäft laufe. Ihre Erklärung: „Es gibt Kunden, die Geld haben, und die schätzen mein Konzept.“ Frohmann monierte in der Diskussion, es werde zu wenig von der Zielgruppe her gedacht. Die Kunden wollten auch in der Innenstadt Dinge kaufen, die nicht aus China kämen, und sie wollten eine Atmosphäre, bei der sie nicht ständig von Musik beschallt würden. „An solchen Plätzen fehlt es.“

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass es solche Orte in Frankfurt durchaus gibt. Für Lederhändler Stoll sind die Berger Straße in Kombination mit dem Sandweg „Perlen“, für die sich die Fahrt aus Wiesbaden lohne. Nur sei das zu wenig bekannt. Ein „echtes Citymarketing“, das so etwas bewerbe und den Einzelhandel besser koordiniere, fehle in Frankfurt. Zwar gebe es inzwischen drei Vereine, die sich mit dem Thema beschäftigten, „aber die Grundidee ist verloren gegangen“. Ein professionelles Stadtmarketing funktioniert nach Stolls Ansicht jedoch nur mit Beteiligung der Stadt. „Die muss mit dabei sein.“

Mehr Tempo machen

Ohnehin wünscht sich Stoll, die Politik würde in Frankfurt ein bisschen mehr gestalten. Ein Dorn im Auge ist dem Einzelhändler das geplante Einkaufszentrum auf dem Honsell-Dreieck nahe dem Osthafen. „Wir brauchen an dieser Stelle keine ECE-Kopie“, sagte Stoll, der sich nicht vorstellen kann, dass dort „17 Spezialgeschäfte für EZB-Mitarbeiter“ einziehen werden. „Wir wollen es eigentlich nicht und können es noch verhindern“, appellierte Stoll. Das Projekt steht zurzeit auf der Kippe. Die Stadt hat dem Bauinvestor, der das Areal 2009 für 20 Millionen Euro von der Stadt erworben hatte, schon zweimal die Baugenehmigung versagt. Nun läuft das Widerspruchsverfahren.

Baurechtlich ist das Vorhaben hochkomplex. „Wenn dieses Projekt nicht zustande kommt, wird es dort auch kein anderes geben. Dann ist das Thema Einzelhandel erledigt “, stellte Planungsdezernent Cunitz klar. Die Stadt sei aber an Recht und Gesetz gebunden und könne den Investor dort auch nicht herauskaufen. „Da stößt die Politik an ihre Grenzen.“

Bei ein paar anderen Themen möchte Cunitz gleichwohl mehr Tempo machen. Das Programm „Schönere Stadt“ gehe viel zu schleppend voran. Er wolle, dass das Geld schneller investiert und verbaut werde als bisher. Auch müsse sich die Stadt beim Thema Stadtentwicklung strategisch besser aufstellen. „Die Stadtplanung war bisher sehr projektorientiert.“ Was daraus entstanden sei, sei grundsätzlich nicht falsch, aber der übergeordnete Leitgedanke habe gefehlt.

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Jahrgang 1964, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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