19.12.2011 · Trotz Rabatten gibt es kein deutliches Umsatzplus im Weihnachtsgeschäft. Der Einzelhandel hofft auf die nächsten drei Wochen.
Von Manfred Köhler, FrankfurtEs ist die große Zeit der durchgestrichenen Preise. Bei Karstadt an der Zeil kosten Winterjacken nur noch 180 statt 260 Euro, oder sie sind von 180 auf 150 Euro herabgesetzt. Eine Thermo-Hose ist jetzt für 70 Euro zu haben, sie hat einmal 90 gekostet. Im Kaufhof bietet man gleich alle warmen Jacken und Stiefel pauschal 20 Prozent billiger an. Die Schilder, mit denen für Rabatte geworben wird, überragen an diesem Samstag vor dem vierten Advent an der Frankfurter Einkaufsstraße sogar alle Hinweise auf das Weihnachtsfest, oder genauer: „Sale“ schlägt „Xmas“, ohne Englisch geht es ja nicht mehr.
Winterschlussverkauf im Advent, das war einmal so unwahrscheinlich wie Ostern und Weihnachten am selben Tag. Doch der Schlussverkauf ist eben nicht mehr gesetzlich geregelt, und die Winterware, die mangels Winter in den Lägern überquillt (der Einzelhändler sagt tatsächlich Läger, nicht Lager), muss dringend weg. Da hätten wohl viele angesichts des tiefen Winters im Dezember 2010 zu viel geordert, lästert mancher. Wie auch immer: Jetzt drängen schon die Frühjahrskollektionen nach.
Das Weihnachtsgeschäft als Schlussverkauf. Besser kann es gar nicht sein für die Kundschaft, und doch scheint sie sich widerspenstig zu zeigen. Die Stunden zwischen 15 und 18 Uhr sind an den Samstagen vor Weihnachten diejenigen mit den stärksten Umsätzen, und doch ist auch in dieser Zeit noch in der Tiefgarage unter der Alten Oper wie auch an der Junghofstraße Platz; nur die drei Etagen unter dem Goetheplatz sind belegt.
Selbst bei Hollister stehen keine jungen Leute Schlange. Karstadt bietet sogar einen echten Klavierspieler auf, der auf einem echten Klavier alte Schlager spielt, um die Verweildauer in der Herrenabteilung zu erhöhen. Bei Goertz immerhin ist der Rummel riesig, dorthin wurde die Stammkundschaft mit einem Rabattgutschein über 20 Prozent auf sämtliche Schuhe gelockt, dessen Gültigkeit an diesem Tag ausläuft, und die Verkäufer hasten von einem Kunden zum anderen.
Wie es der Branche ganz genau geht, ist wie immer schwer herauszubekommen, der Einzelhändler als solcher knausert einerseits mit Umsatzzahlen und neigt andererseits zu vorweihnachtlichem Zweckoptimismus, denn das Publikum soll bei Laune gehalten werden. Aber so richtig toll kann es nicht laufen. Vom hessischen Einzelhandelsverband ist am Samstag Nachmittag zu hören, dass sich die Frage, ob das Weihnachtsgeschäft 2011 wenigstens 1,5 Prozent über dem Weihnachtsgeschäft 2010 liege, erst im Januar werde beantworten lassen. Der Eigentümer eines Frankfurter Traditionsgeschäfts meint sorgenvoll, elf Monate sei alles so gut gegangen, da hoffe er doch sehr, dass der zwölfte Monat nicht alles verreiße. Und ein Kaufhaus-Chef ringt sich nach einigem Überlegen gerade einmal zu der Bemerkung durch, er sei „insgesamt zufrieden“. Noch gut in Erinnerung ist, dass der Handelskonzern Metro, zu dem Kaufhof zählt, nach dem zweiten Advent wegen des schleppenden Auftakts des Weihnachtsgeschäfts die Umsatz- und Ergebnisprognose für 2011 kappte.
Beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels in Berlin wird man an diesem Samstag deutlich und lässt verlauten, die Branche warte auch eine Woche vor dem Fest noch auf den Durchbruch. Denn abgerechnet wird eben erst zum Schluss, 2011 gibt es mit Heiligabend noch einen fünften, wenn auch kurzen Samstag, und überhaupt sind zum Weihnachtsgeschäft längst auch noch die zwei Wochen nach dem Fest zu rechnen, wenn viele frei haben. Nicht ohne Grund annonciert Peek& Cloppenburg an der Zeil, dass auch nach Weihnachten noch täglich bis 21 Uhr geöffnet ist, und nicht ohne Grund ist der erste der vier verkaufsoffenen Sonntage in Frankfurt für den 8.Januar geplant. Das Main-Taunus-Zentrum hatte schon in diesem Jahr den ersten Sonntag im Januar zu einem verkaufsoffenen gemacht, es war rappelvoll. Und von der Einkaufsmaschine Main-Taunus-Zentrum zu lernen, heißt bekanntlich Siegen zu lernen.
Als der Samstag zu Ende geht, heißt es dann doch, diesmal sei es besser gelaufen als an den vorigen Samstagen, im Traditionsgeschäft hatte man um 18 Uhr schon den Umsatz erzielt, der am gleichen Tag 2010 erst um 20 Uhr erreicht worden war. Im Kaufhaus war es dann doch endlich „richtig voll“, wie der Chef sagt, aber beim hessischen Einzelhandelsverband gibt man zu bedenken, die Leute hätten ihre Einkaufstour erst spät begonnen, sie seien wohl zunächst auf den Weihnachtsmärkten gewesen. Es sagt eben der eine so, der andere so, vielleicht endet das Weihnachtsgeschäft tatsächlich im Januar mit einem kleinen Plus, nicht genug für Champagnerlaune im Einzelhandel, aber eigentlich auch wieder nicht so schlecht in einem Jahr, in dem man mehr als einmal meinte, die Welt werde untergehen.
Wie in den vergangenen 10 Jahren
Michael Arndt (Mikel1962)
- 19.12.2011, 13:15 Uhr
Von welchem Geld soll gekauft werden?
Hiep Van Tran (WatersToronto)
- 19.12.2011, 10:52 Uhr