Home
http://www.faz.net/-gzg-75l1e
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 07.01.2013, 23:24 Uhr

Einwanderer in der Kahl Naturschützer überrascht über Biber in Alzenau

Entlang der Kahl entsteht das dritte Revier für die Nager im Landkreis Aschaffenburg. Woher das Tier kommt und ob es sich um einen Einzelgänger handelt, ist noch unklar.

© Wohlfahrt, Rainer Heißhunger auf Holz: Nagespuren von Bibern an Bäumen an der Kahl nahe Alzenau

Passend zum Motto der Bayerischen Gartenschau „Natur in Alzenau“, die im Mai 2015 eröffnet werden wird, hat sich ein Biber in der Stadt angesiedelt. Während auf dem künftigen Gartenschaugelände die Bauarbeiten in vollem Gange sind, arbeitet der nagende Neubürger an seinem Domizil entlang dem Flüsschen Kahl zwischen Alzenau und dem Stadtteil Kälberau. Gesehen hat ihn bisher noch niemand, doch seine Spuren sind nicht zu übersehen. Wenige Meter vom Radweg entfernt hat der Nager einen Baum schon fast gefällt, andere rundum von der Rinde befreit und im Wasser Äste angehäuft. Seinen Damm, der unterdessen vom Hochwasser wieder teilweise zerstört wurde, hat er an einen mächtigen Baumstamm, der quer im Wasser liegt, angebaut.

Michael Neumann, Leiter der Abteilung Umwelt und Forsten der Stadt Alzenau, freut sich über den neuen Stadtbewohner. Seines Wissens haben in Alzenau noch nie Biber gelebt. Daher sei das Auftauchen des geschützten Nagetiers eine „kleine Sensation“. Frühestens in vier bis fünf Jahren habe er damit gerechnet, dass sich in Alzenau Biber ansiedelten. Ob ein Biber oder ein Pärchen den Weg nach Alzenau gefunden hat, ist noch nicht geklärt. Die eigens installierte Wildkamera lieferte nur Aufnahmen von einem Hund und einem Waschbären. Woher der Biber kommt, ist ebenfalls noch ein Geheimnis. Ist es ein hessisches Exemplar, war die Reise nach Bayerisch-Rhein-Main nicht so weit.

„Echte“ Bayern aus dem Donaubecken?

Vor 25 Jahren wurden in Sinntal im Main-Kinzig-Kreis Biber wieder angesiedelt, deren Nachkommen möglicherweise ins bayerische Grenzgebiet geschwommen sind. Vielleicht handelt es sich auch um „echte“ Bayern aus dem Donaubecken, deren Vorfahren vor mehr als vier Jahrzehnten dort ausgesetzt worden waren. Vor rund 150 Jahren wurden die Biber in Bayern ausgerottet, nach der geglückten Wiederansiedlung wird der Bestand im Freistaat mittlerweile auf rund 12.000 Tiere geschätzt.

Biber © dpa Vergrößern Rund 12.000 Biber soll es in Bayern geben - mindestens einer lebt in der Kahl in Unterfranken

Der Landkreis Aschaffenburg ist allerdings noch weitgehend biberfreies Gebiet. Lediglich in Heigenbrücken, Stockstadt und jetzt in Alzenau haben die bis zu 30 Kilogramm schweren Baumeister Quartier bezogen. In Alzenau hat sich das Tier ein perfektes Revier ausgewählt. „Wir sind froh, dass er sich genau hier angesiedelt hat“, sagt Neumann. Des Bibers neue Heimat liegt zum Großteil auf städtischem Terrain, lediglich ein schmaler Streifen ist Ackerland.

Biberfonds für Landwirte

Sollte sich ein Biber in ein Mais- oder Getreidefeld verirren und dort Schaden anrichten, werden betroffene Landwirte aus dem sogenannten Biberfonds entschädigt. An der Kahl ist das Tier bestens aufgehoben, das Flüsschen führt ganzjährig genügend Wasser, Erlen und Weiden entlang dem Ufer liefern dem Vegetarier auch in den Wintermonaten Rinde zum Knabbern.

Mehr zum Thema

Die Alzenauer müssen nicht bis zur Gartenschau 2015 warten, um den Neubürger kennenzulernen. Neumann will schon im Frühjahr Exkursionen auf den Spuren des Nagers anbieten. Während der Schau „Natur in Alzenau“ soll zudem eine Kamera Aufnahmen aus dem Biberbau für die Besucher auf einen Bildschirm übertragen.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fraktur Wo sind die Biester?

Denn wo Fänger sind, muss es ja wohl auch Ratten geben. Mehr Von Berthold Kohler

29.01.2016, 16:42 Uhr | Politik
Höhere Abgaben und Steuern Tsipras wirbt für Rentenreform in Griechenland

Griechenlands Premier Alexis Tsipras hat im griechischen Parlament für seine Rentenreform geworben. Finanziert werden soll die Reform unter anderem durch höhere Abgaben und Steuern für Landwirte und Freiberufler. Mehr

27.01.2016, 16:10 Uhr | Wirtschaft
Rechtskunde für Flüchtlinge Was tun Sie, wenn Ihre Schwester den Glauben wechselt?

In Bayern werden Flüchtlingen in einem Pilotprojekt die Grundprinzipien unserer Rechtsordnung vermittelt. Dabei zeigt sich: Je nach Herkunft der Geflüchteten sind die Vorstellungen von Recht und Gesetz völlig verschieden. Mehr Von Alexander Haneke

06.02.2016, 17:10 Uhr | Politik
Drohnenvideo Kaliforniens Küste aus der Luft

Kaliforniens Küste aus der Vogelperspektive – eine Sicht, die man nicht alle Tage auf den amerikanischen Bundesstaat hat. Der Filmemacher Avery Wong hat eine Drohne entlang der Küstenlinie Kaliforniens am Pacific Coast Highway gesteuert. Mehr

29.01.2016, 15:13 Uhr | Gesellschaft
Wohnen in Biarritz Wie München mit Meer

Die einen lieben die Ruhe, die anderen die Wellen. Ob Senioren oder Surfer: In Biarritz lebt man wegen des Atlantiks – und auf der Straße fällt auf, dass das Meer eine bestimmte Wirkung auf die Menschen zu haben scheint. Mehr Von Anja Martin

25.01.2016, 08:27 Uhr | Stil

Pflicht zur Information

Von Ralf Euler

Vertuscht Hessens Polizei gezielt Straftaten von Flüchtlingen? Eine Reihe von Fällen erweckt diesen Eindruck. Den Finger in die Wunde zu legen, ist hilfreich. Mehr 46

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen