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Einwanderer in der Kahl Naturschützer überrascht über Biber in Alzenau

Entlang der Kahl entsteht das dritte Revier für die Nager im Landkreis Aschaffenburg. Woher das Tier kommt und ob es sich um einen Einzelgänger handelt, ist noch unklar.

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Heißhunger auf Holz: Nagespuren von Bibern an Bäumen an der Kahl nahe Alzenau

Passend zum Motto der Bayerischen Gartenschau „Natur in Alzenau“, die im Mai 2015 eröffnet werden wird, hat sich ein Biber in der Stadt angesiedelt. Während auf dem künftigen Gartenschaugelände die Bauarbeiten in vollem Gange sind, arbeitet der nagende Neubürger an seinem Domizil entlang dem Flüsschen Kahl zwischen Alzenau und dem Stadtteil Kälberau. Gesehen hat ihn bisher noch niemand, doch seine Spuren sind nicht zu übersehen. Wenige Meter vom Radweg entfernt hat der Nager einen Baum schon fast gefällt, andere rundum von der Rinde befreit und im Wasser Äste angehäuft. Seinen Damm, der unterdessen vom Hochwasser wieder teilweise zerstört wurde, hat er an einen mächtigen Baumstamm, der quer im Wasser liegt, angebaut.

Michael Neumann, Leiter der Abteilung Umwelt und Forsten der Stadt Alzenau, freut sich über den neuen Stadtbewohner. Seines Wissens haben in Alzenau noch nie Biber gelebt. Daher sei das Auftauchen des geschützten Nagetiers eine „kleine Sensation“. Frühestens in vier bis fünf Jahren habe er damit gerechnet, dass sich in Alzenau Biber ansiedelten. Ob ein Biber oder ein Pärchen den Weg nach Alzenau gefunden hat, ist noch nicht geklärt. Die eigens installierte Wildkamera lieferte nur Aufnahmen von einem Hund und einem Waschbären. Woher der Biber kommt, ist ebenfalls noch ein Geheimnis. Ist es ein hessisches Exemplar, war die Reise nach Bayerisch-Rhein-Main nicht so weit.

„Echte“ Bayern aus dem Donaubecken?

Vor 25 Jahren wurden in Sinntal im Main-Kinzig-Kreis Biber wieder angesiedelt, deren Nachkommen möglicherweise ins bayerische Grenzgebiet geschwommen sind. Vielleicht handelt es sich auch um „echte“ Bayern aus dem Donaubecken, deren Vorfahren vor mehr als vier Jahrzehnten dort ausgesetzt worden waren. Vor rund 150 Jahren wurden die Biber in Bayern ausgerottet, nach der geglückten Wiederansiedlung wird der Bestand im Freistaat mittlerweile auf rund 12.000 Tiere geschätzt.

Biber © dpa Vergrößern Rund 12.000 Biber soll es in Bayern geben - mindestens einer lebt in der Kahl in Unterfranken

Der Landkreis Aschaffenburg ist allerdings noch weitgehend biberfreies Gebiet. Lediglich in Heigenbrücken, Stockstadt und jetzt in Alzenau haben die bis zu 30 Kilogramm schweren Baumeister Quartier bezogen. In Alzenau hat sich das Tier ein perfektes Revier ausgewählt. „Wir sind froh, dass er sich genau hier angesiedelt hat“, sagt Neumann. Des Bibers neue Heimat liegt zum Großteil auf städtischem Terrain, lediglich ein schmaler Streifen ist Ackerland.

Biberfonds für Landwirte

Sollte sich ein Biber in ein Mais- oder Getreidefeld verirren und dort Schaden anrichten, werden betroffene Landwirte aus dem sogenannten Biberfonds entschädigt. An der Kahl ist das Tier bestens aufgehoben, das Flüsschen führt ganzjährig genügend Wasser, Erlen und Weiden entlang dem Ufer liefern dem Vegetarier auch in den Wintermonaten Rinde zum Knabbern.

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Die Alzenauer müssen nicht bis zur Gartenschau 2015 warten, um den Neubürger kennenzulernen. Neumann will schon im Frühjahr Exkursionen auf den Spuren des Nagers anbieten. Während der Schau „Natur in Alzenau“ soll zudem eine Kamera Aufnahmen aus dem Biberbau für die Besucher auf einen Bildschirm übertragen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 07.01.2013, 23:24 Uhr

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Von Rainer Schulze

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