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Veröffentlicht: 17.05.2017, 08:04 Uhr

Eintracht Frankfurt Ein bisschen Stärkung

Die Eintracht darf für das Pokalfinale auf Alex Meier und Jesús Vallejo hoffen – und sich über einen Zugang mit viel Klasse freuen. Denn von der Trefferquote des neuen Spielers kann die Eintracht derzeit nur träumen.

von , Frankfurt
© Picture-Alliance Bald wieder im Trikot? Jesús Vallejo (links) und Alex Meier (Mitte) könnten schon gegen Leipzig dabei sein.

Nach Tagen der Düsternis aufgrund der deprimierenden Vorstellungen gegen Wolfsburg und Mainz hat der Dienstag endlich wieder eine hellere Stimmung bei der Frankfurter Eintracht gebracht. Wie erhofft, nahmen Alex Meier und Jesús Vallejo nach langer Verletzungspause das Training wieder auf. Sie konnten zwar noch nicht mit den Kollegen üben, sondern nur individuell mit Athletik-Coach Martin Spohrer. Cheftrainer Niko Kovac sagte dennoch optimistisch: „Sie sind sicher Alternativen für das Finale in Berlin.“

Peter Heß Folgen:

Meier und Vallejo könnten schon am kommenden Samstag im letzten Bundesligaspiel gegen Leipzig auf der Ersatzbank sitzen und gegen Spielende ein paar Minuten Eingewöhnungszeit bekommen. Die angeschlagenen Branimir Hrgota (Oberschenkel) und Taleb Tawatha (Sprunggelenk) legten indes eine Trainingspause ein, was allerdings ihren Einsatz gegen Leipzig nicht gefährden sollte.

Ein großer Fisch

Mehr Qualität kann die Eintracht gut gebrauchen. In dieser Hinsicht verspricht Sébastien Haller ein Glücksgriff zu sein, der am Montag einen Vierjahresvertrag unterschrieb. Sportvorstand Fredi Bobic spricht bei dem 22 Jahre alten Franzosen, der noch für den FC Utrecht in der niederländischen Liga spielt, von seinem „sehr, sehr, sehr talentierten Spieler“.

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In jedem zweiten Spiel ein Treffer – das ist in etwa die Quote, die Haller in seiner Karriere hingelegt hat. Was ihn für viele europäische Klubs interessant machte. Unter anderen Tottenham Hotspur, Inter Mailand, Lazio Rom und einige Bundesligaklubs nahmen Kontakt zum Berater des französischen Junioren-Nationalspielers auf. Dass er sich für die finanziell mäßig aufgestellte Eintracht entschied, hat in der Branche überrascht. „Wir haben andere Waffen, die wir einsetzen können“, sagte Bobic.

Waffen, die allerdings nicht bei jedem wirken. Viele Profis und ihr Management messen dem Pekuniären und dem Prestigewert des Klubs eine entscheidende Rolle bei, weniger ob der Verein der passende für die sportliche Entwicklung ist. Bobic und seine Mitarbeiter konnten Haller überzeugen, weil sie ihm beste Einsatzchancen boten. Am Main wird er ein großer Fisch sein und kein kleiner wie an der Themse oder am Tiber.

Erster Gedanke nicht Wertsteigerung

Seit einem Jahr bemühen sich die Frankfurter um den Franzosen mit ivorischen Wurzeln, blieben in Kontakt, als das erste Werben abgelehnt wurde. Dass mit Vallejo und Mascarell zwei junge Spieler groß herauskamen, dass Hector, Varela, Rebic und Tawatha zumindest viele Chancen bekamen, bewies Haller und seinem Management, dass es der Eintracht mit der Nachwuchsförderung ernst ist. „Wir müssen mit weichen Faktoren überzeugen. Wir müssen vorleben, dass wir junge Spieler fördern und fordern, dass wir sie besser machen wollen und uns um sie kümmern“, hatte Bobic auf einer Veranstaltung in der Commerzbank-Zentrale als Strategie der Eintracht beschrieben.

Dass der Schritt zu einem großen Klub in eine Sackgasse führen kann, ist Haller erst in dieser Saison vor Augen geführt worden. Vincent Janssen, mit 32 Saisontreffern für Alkmaar niederländischer Torschützenkönig 2015/16, gilt bei Tottenham mit 22 als Auslaufmodell. Als Vertreter von Harry Kane traf er in 24 Spielen nur zweimal.

Ein Zwischenschritt über die Bundesliga kann sinnvoller sein. Zumal der Umweg nicht länger als ein Jahr dauern muss. Die Eintracht ist an Transfereinnahmen interessiert. „Werte schaffen“, das hat Bobic als Weg nach oben beschrieben. Bei der Verpflichtung von Haller sei Wertsteigerung allerdings nicht der allererste Gedanke gewesen: „Wir müssen der Mannschaft Qualität zuführen, dafür muss ein Spieler schon gewisse Voraussetzungen mitbringen. Das ist bei ihm gegeben.“

„Schmerzhafte Baustellen“

Über die Ablösemodalitäten vereinbarten die Klubs Stillschweigen. Damit verschweigt die Eintracht auch, dass sie eine Rekordablöse zahlt. Bisher stellten die 3,9 Millionen Euro für den Brasilianer Caio im Jahr 2007 den höchsten Betrag dar. Für Haller muss sie mindestens sechs Millionen Euro ausgeben. Es soll ein Nachschlag vereinbart worden sein, falls der Stürmer in Frankfurt zum Nationalspieler wird.

Ob nach der Realisation des Wunschtransfers noch Geld für weitere Investitionen übrig ist? „Ich rede nicht über Geld“, beantwortete Bobic die Frage kurz und knapp. Aber natürlich muss die Eintracht dringend weitere Spieler verpflichten, was der Sportvorstand nicht verhehlt: „Wir wissen um unsere Baustellen, leider sind es sehr schmerzhafte Baustellen.“ Damit meint Bobic die Langzeitverletzten Hasebe und Mascarell, die Stammkräfte für das defensive Mittelfeld. Ob die Neubesetzung der Sechserposition Priorität habe? „Es gibt viele Prioritäten bei uns. Wir müssen auf verschiedenen Positionen etwas machen. Es wird nicht einfach werden, aber ich habe gar nicht so große Bauchschmerzen. Wir sind fleißig gewesen.“

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