Heribert Bruchhagen hat bei Eintracht Frankfurt eine Menge erlebt, seit er hier arbeitet, seit Ende 2003 also - aber was er am Mittwochmorgen zu tun hatte, war neu für ihn. Der Vorstandsvorsitzende präsentierte einen neuen Hauptsponsor. Dass es die Krombacher Brauerei sein würde, die in der neuen Saison auf den Trikots der Eintracht für sich wirbt, war seit Anfang der Woche ein offenes Geheimnis. Die Frage war es insofern, was der erste Mann der Fußball AG zu sagen hat, wo doch interessante Details solcher Verträge, wie zum Beispiel das finanzielle Volumen, meistens geheim bleiben. Bruchhagen nutzte die Gelegenheit, um neben netten Worten für den neuen Partner und dessen über Jahre vertrauten Vorgänger, den Flughafenbetreiber Fraport, die Kräfteverhältnisse ins Gedächtnis zu rufen. Seine so nicht formulierte, aber inhaltlich gedeckte Aussage: Der Boss bin ich.
Das muss ein Mann mit seiner Position eigentlich nicht hervorheben, aber hier war das etwas anderes. Mit einem neuen Vorstandsmitglied, dem früheren Eintracht-Geschäftsführer Axel Hellmann, an seiner Seite und dem umtriebigen, für seinen Geschmack zu populistischen Vereinspräsidenten Peter Fischer im Nacken, gilt der 63 Jahre alte Westfale manchem als Auslaufmodell. So gesehen war die Vorstellung des neuen Hauptsponsors neben einem Geschäftstermin eine Bühne für Klarstellungen. Der Eintracht-Partner Sportfive bahne als Rechtevermarkter solche Geschäfte an, aber am Ende verhandele und entscheide die AG, also vor allem er, über die Konditionen - also auch über die Höhe der Zuwendungen, die bei 5,5 Millionen Euro liegen sollen. „Wenn es um die Wirtschaftlichkeit geht, sind wir der Gesprächspartner“, sagte Bruchhagen auffällig demonstrativ.
„Wir sind mit dem wirtschaftlichen Ergebnis sehr zufrieden“
Herausgekommen ist dabei eine langfristige, aber geteilte Partnerschaft. Krombacher wird in der Saison 2012/2013 auf dem Eintracht-Trikot präsent sein und danach als sogenannter Premiumpartner weitermachen. Das Ganze ist auf sechs Jahre angelegt, also bis 2018, und gilt für die erste und die zweite Liga. Darin steckt Kontinuität, aber auch eine ungewohnte Neuerung. Bruchhagen muss nämlich, anders als bei Fraport, schnell wieder einen neuen Partner für die prominenteste Werbefläche der Eintracht suchen - was er als gute Gelegenheit sieht. „Das ist eine Chance für uns“, sagte er. Mit Krombacher hat er verhandeln müssen, als die Frankfurter noch in der zweiten Liga spielten und der Aufstieg ungewiss war. Bei den nächsten Gesprächen dürfte er in einer komfortableren Situation sein. Zumal der Zeitdruck dann nicht mehr so groß ist. Fürs Erste sagt Bruchhagen: „Wir sind mit dem wirtschaftlichen Ergebnis sehr zufrieden.“ Gleichzeitig hat er die Chance, die Einnahmen mit einem weiteren Abschluss von der übernächsten Saison an noch einmal zu erhöhen. Und zwar „branchenfrei“. Anders als diesmal also, wo ein langjähriger Partner, die Brauerei Licher, die exklusiven Ausschankrechte im Stadion an den neuen Hauptsponsor verloren und sich zurückgezogen hat. Bruchhagen nennt das „strategische Flexibilität“. In diesem Sinne könnten auch jene Gespräche wieder aufgenommen werden, die diesmal noch zu keinem Ergebnis geführt haben.
Vielleicht ja auch mit Turkish Airlines. Das Unternehmen war lange als neuer Trikotsponsor gehandelt worden, hatte aber schon im Februar abgesagt, wie Bruchhagen verriet. Das habe allerdings nichts mit dem Image der Eintracht als Problemverein zu tun gehabt. In den Verhandlungen mit interessierten Unternehmen sei zwar stets über das Thema Dauerkrawalle gesprochen worden, das den Aufsteiger seit Jahren begleitet. „Aber die Fanproblematik hat nie zu einer Absage geführt“, versicherte er. Also auch nicht bei jenem börsennotierten Frankfurter Unternehmen, angeblich der Deutschen Börse, das zwischendurch als interessierter, aber am Ende unwilliger Partner gehandelt worden war. Auch Krombacher, zusätzlich bei den Erstligakonkurrenten VfL Wolfsburg und VfB Stuttgart engagiert, ließ sich von den unbelehrbaren Begleitern der Eintracht nicht schrecken. Das Unternehmen wird nicht nur auf der Trikotbrust der Profis vertreten sein, sondern auch bei den Nachwuchsmannschaften U17 und U19 - allerdings nicht mit einem Bier des Unternehmens, sondern mit einer Brause.
Es ging an diesem Tag vor allem um langfristige Planung, also nicht um aktuelle sportliche Probleme. Die Suche nach neuen Spielern, speziell für die Innenverteidigung, geht bei der Eintracht so oder so weiter. Trotzdem gab es am Rande der Präsentation und der anschließenden Aufnahmen für das neue Mannschaftsfoto Hinweise, dass der Norweger Vadim Demidov von Real Sociedad San Sebastián derzeit besonders intensive Gespräche mit Sportdirektor Bruno Hübner führt. Außerdem wurde der Wolfsburger Alexander Madlung ins Gespräch gebracht. Auch in diesen Fällen gilt, was bei der Suche nach einem neuen Hauptsponsor gilt: Was ein gutes Ende nehmen soll, bedarf intensiver Gespräche.
Hauptsponsor
Gerd Gieseler (gegie1)
- 20.07.2012, 20:13 Uhr
Unbelehrbare Begleiter?
Christopher Haku (Ulquiorra)
- 20.07.2012, 11:56 Uhr
Meenz bleibt Meenz..
christian weindl (bordeaux1)
- 20.07.2012, 11:25 Uhr
@Schneider
Oliver Fischer (oenoli)
- 20.07.2012, 10:02 Uhr
Ohne Bierkrieg und Schanklizenz wird es für den Randalemeister
schwer einen Trikotsponsor zu finden
Marcel Schneider (Mainzer05)
- 20.07.2012, 09:01 Uhr