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Eintracht : Gemitis Fußball-Wunder

  • -Aktualisiert am

Ballannahme: Giuseppe Gemiti Bild: dpa

Der ehemalige Eintracht-Profi kämpft sich bei Novara zurück in die Serie A. Dabei hatten viele dem gebürtigen Frankfurter schon nicht mehr viel zugetraut.

          Gut zehn Jahre ist es her, als drei große Talente Eintracht Frankfurt auf goldene Zeiten hoffen ließen. Ausgebildet wurden sie in der eigenen Jugendabteilung am Riederwald, ins kalte Bundesliga-Wasser warfen sie zu Beginn des neuen Jahrtausends die Trainer Felix Magath und Friedel Rausch. Auf Dauer aber wurde keiner von ihnen glücklich im Eintracht-Trikot. Der Erste, Christoph Preuß, musste seine Laufbahn nach vielen Verletzungen früh beenden. Der Zweite, Jermaine Jones, schaffte es zwar bis in die deutsche Nationalmannschaft, später auch noch in die amerikanische - seit seinem Wechsel zu Schalke 04 genießt er bei den Eintracht-Fans aber, vorsichtig formuliert, einen schlechten Ruf. Die interessanteste Karriere hat ein anderer hingelegt: Giuseppe Gemiti zog es nach nur drei Bundesligaspielen in die Heimat seiner Eltern. „Ich habe mein Glück in Italien gefunden“, sagt der Dreißigjährige, der sich 2001 bei der U-20-WM in Argentinien in die Notizblöcke vieler europäischer Vereine gespielt hatte und schließlich zu Udinese Calcio wechselte.

          Den zwei Jahren beim ehemaligen Verein Oliver Bierhoffs folgte ein Wellenritt auf den Höhen und Tiefen des skandalgebeutelten italienischen Fußballs mit seinen bekannten Problemen: Zuschauerausschreitungen, ausstehende oder verspätete Gehaltszahlungen, Spielmanipulation. Als „chaotisch“ hat Gemiti einige seiner insgesamt sechs Stationen in Erinnerung. Mit dem Serie-B-Verein FC Genua gelang ihm 2005 der Aufstieg, dieser wurde allerdings aufgrund angeblicher Ergebnisabsprachen sogleich wieder aberkannt. Vier Jahre später wurde Gemiti in Modena ausgemustert, einen neuen Verein fand er zunächst nicht.

          „Von der Serie A hätte ich damals nicht einmal zu träumen gewagt“

          In den sechs Monaten Arbeitslosigkeit zehrte der junge Familienvater von den finanziellen Rücklagen, die er sich in den Anfangsjahren seiner Laufbahn beiseitegelegt hatte. Gemiti musste Klinken putzen, er spielte in Ahlen vor, später beim FSV Frankfurt. Doch auch eine Rückkehr in seine Geburtsstadt zerschlug sich, und so nahm Gemiti das einzig noch verbliebene Angebot an: Novara Calcio, ein Drittligaverein, bot ihm einen stark leistungsbezogenen Vertrag an. „Von der Serie A hätte ich damals nicht einmal zu träumen gewagt“, sagt Gemiti. Doch in der Provinzstadt im Piemont nahm die Karriere des ausrangierten Profis wieder Fahrt auf: Novara schaffte mit ihm den Aufstieg in die Serie B, um eine Saison später gleich in die Serie A zu marschieren. Zwei Tage dauerten die Feierlichkeiten rund ums „Stadio Silvio Piola“, das nach 55 Jahren wieder zur Heimat eines Erstligaklubs wurde. Mittendrin: Giuseppe Gemiti, der von „dem schönsten Erlebnis in meiner Karriere“ sowie einem „Fußball-Wunder“ spricht.

          Dementsprechend bescheiden sind die Ziele des Vereins, der all seine Heimspiele auf Kunstrasen austrägt. Der Vorletzte der Serie A kämpft derzeit um den Klassenverbleib, beinahe die Hälfte des aktuellen Kaders stand schon zu Drittligazeiten unter Vertrag. Erst zwölf Punkte konnte der Aufsteiger bisher gewinnen. „Damit können wir natürlich nicht zufrieden sein“, sagt Gemiti, „auch wenn es für mich persönlich gut gelaufen ist.“ Nur beim Spiel gegen Lazio Rom mit Miroslav Klose musste er aufgrund einer Rotsperre pausieren, ansonsten ist der Linksfuß unumstrittene Stammkraft. Novara Calcio und Giuseppe Gemiti - das passt seit dem Tag, als der Sohn italienischer Gastarbeiter seine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hat. Bis 2013 ist sein Arbeitspapier datiert, Gemiti könne sich eine Verlängerung „gut vorstellen“. Zwar liebäugelt er immer mal wieder mit einer Rückkehr zu seiner alten Liebe: Kontakt zwischen ihm und Eintracht Frankfurt gibt es aber nicht, zumal sein Vertrag in Novara auch bei einem Abstieg Gültigkeit besitzt und Gemiti die Zeit nach dem Karriereende ohnehin in Italien verbringen will.

          In seiner alten Heimat kennt ihn kaum jemand, in Italien sieht das ein wenig anders aus. „Giuseppe hat hier einen sehr hohen Stellenwert“, sagt sein Berater Marijo Knez, „schließlich gibt es nicht viele Deutsche, die sich in der Serie A so durchgekämpft haben.“ Für die deutsche Öffentlichkeit spielt Gemiti neben Altstar Klose und dem kürzlich zum AC Mailand zurückgekehrten jungen Alexander Merkel allenfalls eine Nebenrolle. Daran hat sich Gemiti längst gewöhnt. Die größte Aufmerksamkeit erfuhr er einst bei Udinese Calcio: allerdings nicht in seiner Rolle als die Außenlinie rauf und runter sprintender linker Außenverteidiger, sondern als Dolmetscher des mit einem größeren Namen, aber schlechteren Kenntnissen der italienischen Sprache versehenen Mannschaftskollegen Carsten Jancker.

          Quelle: F.A.S.

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