Einmal noch die Kurve kriegen. Einmal noch Charakter zeigen. „Wir dürfen jetzt nichts abschenken“, sagte Armin Veh. „Letzte Woche gegen die Münchner Löwen hatten wir keine Spannung mehr. Da haben wir es nicht hinbekommen - ich auch nicht.“ Beim Finale soll und muss es klappen. „Wir wollen alles versuchen, um das letzte Saisonspiel am Sonntag beim Karlsruher SC zu gewinnen“, sagte der Trainer der Frankfurter Eintracht. „Für den KSC wie für Alemannia Aachen täte es mir leid, wenn sie in die dritte Liga absteigen müssten. Aufgrund ihrer Tradition müssen beide Klubs in der zweiten Liga bleiben.“
Der Traditionsverein Eintracht darf zukünftig wieder erstklassige Luft schnuppern. Und damit die Rückkehr in die Bundesliga das Startsignal für einen langen Aufenthalt wird, arbeiten sie bei der Eintracht fleißig an der Verstärkung der Aufsteigermannschaft. Zwei Personalien sind dabei so aktuell, dass Trainer Veh überhaupt keine Anstalten unternahm, am Freitag in Deckung zu gehen. Anders als der lieber im Verborgenen arbeitende Vorstandschef Heribert Bruchhagen legte der Frankfurter Fußballlehrer ganz offensiv die Karten auf den Tisch. Kevin Trapp? „Den will ich unbedingt haben. Das ist ein junger Bursche, der gut zu uns passt.“ Stefano Celozzi? „Mit ihm sind wir uns schon einig. Er muss nur noch den sportmedizinischen Check absolvieren.“ Reine Formsache für den 23 Jahre alten Verteidiger, der noch beim VfB Stuttgart unter Vertrag steht, in seiner bisherigen Karriere insgesamt 57 erstklassige Einsätze für den VfB sowie zuvor den Karlsruher SC absolviert hat.
„Das ist ein Prozess, der vom ersten Tag an schon läuft“
Celozzi wird kommen, Trapp, der 21 Jahre alte Torwart des 1. FC Kaiserslautern, auch. Wenn Veh sich etwas in den Kopf setzt, sind bislang noch alle Hebel in Bewegung geraten, um die Wünsche des Trainers zu erfüllen. So sprach er nach seinem Dienstantritt in Frankfurt vor gut einem Jahr ein Machtwort in Sachen Pirmin Schwegler. Der Schweizer wurde kurzerhand als unverkäuflich eingestuft und musste bleiben. Veh machte Schwegler zum Kapitän - und der bedankte sich für das Vertrauen und die Wertschätzung mit der vielleicht besten Saison seiner Karriere.
Veh hat nicht erst seit seiner Vertragsverlängerung einen Blick auf mögliche Neuzugänge geworfen. „Das ist ein Prozess, der vom ersten Tag an schon läuft.“ Ständiger Partner: Bruno Hübner. Mit dem Sportdirektor tauscht sich Veh regelmäßig aus. „Ich habe ganz feste Vorstellungen“, sagte Veh, der nach einem Jahr zweite Liga sicher ist: „Ich kenne alle Spieler. Ich habe jede Mannschaft mehrmals spielen sehen.“ Den Aufenthalt in der zweiten Klasse des deutschen Profifußballs, sportlich gekrönt durch den direkten Wiederaufstieg, hat Veh auch dazu genutzt, seinen persönlichen Horizont zu erweitern. „Denn da sind bei einigen Vereinen gute Jungs dabei.“
„Er kann auch links spielen“
Gute Jungs, charaktervolle Spieler, bezahlbare Profis - das Anforderungsprofil ist fest umrissen. Veh ist froh, dass mit Stefano Celozzi jemand zur Eintracht kommt, „den ich schon aus seiner Zeit bei den Bayern-Amateuren kenne“. Es waren die Jahre zwischen 2005 und 2008, in denen sich Celozzi bei Bayern-Coach „Tiger“ Hermann Gerland die ersten Meriten verdiente. Bei der Eintracht ist er nicht nur als sogenannter Backup für Rechtsverteidiger Sebastian Jung geplant. „Er kann auch links spielen“, bestätigte Veh, der dem jungen Mann aus Günzburg mit italienischen Wurzeln sogar mehr zutraut. „Er hat das Zeug, Stammspieler zu werden.“
Stichwort Stammspieler: Für die Partie am Sonntag im Karlsruher Wildpark, Anstoß ist um 13.30 Uhr, hat Veh fest versprochen, seine besten Kräften aufzubieten. Keine Spaziergänger wie Caio, der noch in der Vorwoche bei der Heimniederlage gegen den TSV München 1860 eine Leistung ablieferte, die diesen Namen nicht verdiente. Sondern Kämpfer und Talente wie Sebastian Rode und Sonny Kittel. Von den beiden hat Veh eine ebenso hohe Meinung wie von Sebastian Jung. Das Trio hat er nach Kräften gefördert, „aber nur jung zu sein, das reicht nicht. Sie müssen auch etwas können.“
Einmal noch spielen, einmal noch feiern - dann klingt die Saison allmählich aus. Bis zum Empfang im Kaisersaal des Römer jedoch, zu dem Oberbürgermeisterin Petra Roth die Eintracht-Profis am frühen Sonntagabend eingeladen hat, gilt es noch die als Hochrisikospiel eingestufte Partie beim KSC zu bestehen. Bekannt ist, dass sich beide Fanlager nicht gerade in Zuneigung verbunden fühlen. Von Fritz Rüffel, dem Einsatzleiter der Polizei, ist zu hören, „dass wir gerade an der 900-Mann-Grenze liegen“. Zudem sollen sich weitere 500 Beamte der Bundespolizei um die Sicherheit kümmern. Nicht nur Eintracht-Trainer Veh findet dies bedenklich. „Es sind leider immer wieder ein paar Wahnsinnige dabei, die einfach nur Mist im Kopf haben. Dabei geht es doch nur um Sport.“