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Eintracht Frankfurt : Zwölfter Mann, erste Wahl

„Das vergisst man nicht“: Matmour schwärmt über den SC Freiburg. Bild: Heiko Rhode

Der Eintracht-Stürmer genießt eine Art Sonderstatus. Beim Wiedersehen mit Freiburg spielt er von Beginn an.

          Es hatte Züge eines Geniestreichs. Christian Streich wagte den Blick über die Grenze und wurde im benachbarten Frankreich fündig. „Das stimmt“, erinnert sich Karim Matmour. „Herr Streich hat mich in Straßburg an einer Fußballschule entdeckt.“ Gut neun Jahre ist das her. An diesem Freitag sehen sich Schüler und Lehrer wieder: auf Augenhöhe und in erstklassiger Umgebung. Die Frankfurter Eintracht, Matmours Arbeitgeber, muss beim SC Freiburg spielen. Der Tabellenvierte zu Besuch beim Rangfünften. Ein Bundesliga-Spitzenspiel - und ein Stück weit eine Reise in die Vergangenheit für den mittlerweile 27 Jahre alten Fußballprofi Matmour. „Ein normales Spiel wird das nicht“, sagt er. Zu intensiv, zu prägend sei damals die Zeit an der Dreisam gewesen, wo der einstmals junge Franzose mit algerischen Wurzeln zunächst ein Jahr bei den Amateuren spielte, ehe ihm der Sprung zu den Profis gelang, bei denen er drei weitere Jahre blieb. Zu einigen Mitarbeitern aus dem Trainer- und Funktionsteam hält Matmour nach wie vor Kontakt. Der Grund: „Freiburg ist der Verein, bei dem ich meinen ersten Profivertrag erhalten habe. Das vergisst man nicht.“ Stichwort Vergessen: Zwei dunkle Momente seiner Karriere bei der Eintracht hat Matmour längst aus dem Gedächtnis gestrichen. Gelb-Rote Karte am 13. Spieltag beim 1:1 auf Schalke. Gelb-Rote Karte auch am 15. Spieltag beim 0:4 bei Mitaufsteiger Düsseldorf. „Das ist vorbei“, sagt der 30-malige algerische Nationalspieler. „Ich bin kein unfairer Spieler. Das waren damals unglaubliche Situationen. Noch niemals zuvor habe ich in meinem Leben Gelb-Rot gesehen.“

          Mittwochvormittag, Sonnenschein und Frost. Gemeinsam mit der zweiten Garnitur der erstklassigen Eintracht spult Matmour das Trainingspensum ab, absolviert ein Übungsspiel. Die Stammkräfte halten sich derweil im Warmen auf, widmen sich im Bauch der Frankfurter Fußballarena den ihnen auferlegten Stabilisationsübungen. Halt und stabile Verhältnisse - Matmour wünscht sich nichts lieber als das. Stammspieler bei der Eintracht? Matmour ist weit davon entfernt. Immerhin: Der Mittelfeldmann mit der betont offensiven Ausrichtung genießt im Kader von Trainer Armin Veh eine Art Sonderstatus. Er ist als zwölfter Mann erste Wahl. Wann immer in der stürmischen Abteilungen während eines Spiels Personalwechsel vorgenommen werden müssen: In der Regel fällt die Wahl auf Matmour. Beim Wiedersehen mit den Freiburgern ist die Lage für Matmour sogar noch besser.

          Schwerer Stand

          Er wird von Beginn an in der Frankfurter Startelf stehen. Möglich machen dies eine Sperre sowie eine Verletzung. Der Japaner Takashi Inui sah beim 0:3 in Dortmund Gelb-Rot und ist für die Partie beim SC Freiburg gesperrt. Und der Kroate Srdjan Lakic muss wegen Rückenbeschwerden passen. Dies ist Matmours Chance. Und dem flinken Außenmann ist es im Prinzip egal, ob ihn Veh auf die rechte oder auf die linke Bahn schickt. „Am liebsten wäre mir der Platz ganz vorne in der Mitte“, sagt Matmour. „Jede Position hat ihre Vor- und Nachteile“, sagt er diplomatisch. „Vorne hätte ich mehr Freiheiten. Da kann ich mehr laufen und der Mannschaft helfen. Und wenn es gewünscht ist, kann ich vom Zentrum aus auch auf die Flügel gehen.“

          Hört sich alles nach einer variablen Paketlösung für das große Loch im Sturm an. Veh hat sich bislang noch nicht dazu geäußert, was er mit Matmour vor hat. Und wenn sich der Coach treu bleibt, wird er dies wohl auch nicht bis zur Abreise an den Fuß des Schwarzwalds tun. Tenor: „Mein Kollege muss ja nicht alles vorher wissen.“ Streich weiß auch so, dass sein einstiger Schüler bei der Eintracht einen schweren Stand hat. Vor allem in dieser Saison muss sich Matmour in Geduld üben. In der Statistik wird er zwar mit 17 Einsätzen in bislang 22 Spielen geführt. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist nämlich auch: Zweimal nur, beim 0:2 in München und beim 2:1 gegen Hoffenheim, stand Matmour vom Anpfiff bis zum Abpfiff auf dem Platz. Dazwischen liegen mehr als ein Dutzend Ein- und Auswechslungen - und ein Tor. Erzielt in der Hinrunde beim 3:1 gegen Hannover. Tor Nummer zwei an diesem Freitag in Freiburg? Für Matmour wäre das die ganz besondere Note bei diesem ganz besonderen Spiel.

          Quelle: F.A.Z.

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