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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eintracht Frankfurt Volle Breitseite

 ·  Erholen, berappeln, aufstehen: Um das Tief von Paderborn schnell zu überwinden, findet Eintracht-Profi Lehmann eine Formel.

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Die Aufarbeitung ist im vollen Gange. Aber so schnell vermutlich nicht abgeschlossen. Einig sind sich Trainer und Spieler der Eintracht jedenfalls schon einmal in der Beurteilung der 2:4-Niederlage in Paderborn, die sowohl in ihrer Deutlichkeit als auch im Zustandekommen Spekulationen aufkommen ließ, dass einige im Frankfurter Team dem Aufstiegsdruck in der zweiten Liga nicht gewachsen sein könnten. Davon könne keine Rede sein, befanden die Betroffenen am Tag danach. Tenor ihrer Erklärungen: Es war ein ernstzunehmender Reinfall, aber keine sportliche Tragödie. Matthias Lehmann sagte am Montagvormittag nach dem Auslaufen im Wald, bei dem diesmal, anders als in den Vorwochen, die Stimmung ausgesprochen unterkühlt war, dass er genauso wie alle Mitstreiter von der eigenen Vorstellung in Paderborn überrascht gewesen sei, „und zwar überrascht, wie schlecht wir waren.“

Der Achtundzwanzigjährige sprach von „kollektivem Versagen, das richtig weh tut“. Die Eintracht, so Lehmann weiter, habe von einem wesentlich engagierteren Gegner eine „volle Breitseite und richtig einen vor den Latz bekommen“. Nun könne es in den wenigen Tagen, die bis zum nächsten Heimspiel gegen Energie Cottbus (Sonntag, 13.30 Uhr) bleiben, nur darum gegen, „schnell den Kopf frei zu bekommen, damit wir uns erholen, berappeln und wieder aufstehen“. Lehmann sagte auch, dass der Misserfolg verdient gewesen sei, lehnte es aber ab, deswegen ausschließlich negativ zu denken. Ein schwarzer Tag dürfe nicht in allumfassende Schwarzmalerei ausarten: „Wir sollten jetzt nicht alles über Bord werfen, nur wenn man einmal verliert, kann nicht alles falsch sein, was vorher richtig war.“

„Das Ende der Fahnenstange erreicht“

Bei der Ursachenforschung für den Blackout zählte er drei Mängel auf, die es den Paderbornern zeitweise ermöglicht hätten, ihn und seine Nebenleute „mit Hacke, Spitze, Eins-Zwei-Drei“ zu überlisten. „Es fand keine Kommunikation auf dem Platz statt, wir standen viel zu weit auseinander, so dass immer wieder Lücken entstanden sind, und am Ende haben wir es nur noch mit Kick and Rush versucht.“ Trainer Armin Veh, der an diesem Vormittag so aussah, als habe er eine Nacht hinter sich, in der er nicht entspannt geschlafen habe, bat in einem ersten Versuch, das Debakel logisch zu ergründen, das Team um eine Selbsteinschätzung. In der Kabine habe er einige Profis aufgefordert, vor versammelter Mannschaft darzulegen, wie es aus ihrer Sicht dazu kommen konnte „und was wir nicht richtig gemacht haben“; dabei fehlten mit Gordon Schildenfeld und Sebastian Jung ausgerechnet zwei der am Sonntag am häufigsten düpierten Verteidiger, weil sie mit der kroatischen und der deutschen U21-Nationalmannschft unterwegs waren und erst am Donnerstag zurückerwartet werden. Die Antworten der Spieler, so der Coach, seien schlüssig gewesen, „es war eine gute Analyse“, die sich mehrheitlich so angehört habe, wie es Lehmann kurz zuvor formuliert hatte. „Wir hätten einen Riesensprung machen können“, sagte auch Veh mit Blick auf das wieder dichter zusammengerückte Feld an der Tabellenspitze, „und mit einem Sieg einen Verfolger auf Distanz halten können.“ Stattdessen trete man nun auf der Stelle. Fakt ist: In den direkten Duellen gegen die vier ärgsten Konkurrenten - Fürth, Düsseldorf, St. Pauli, und Paderborn - holten die Frankfurter nur acht von 24 möglichen Punkten. Aber, so Veh weiter, er weigere sich, das Paderborn-Ergebnis, von dem er ausgehe, das es sich um einen einmaligen Fehltritt handele, zu dramatisieren. Noch sei alles möglich, auch der Verlust der Spitzenposition kein Tiefschlag, von dem man sich nicht erholen könne. Aktionismus sei überhaupt nicht angebracht, stattdessen sei es wichtig, „ruhig zu bleiben“. Dass er am kommenden Wochenende das Team an zentralen Stellen umbauen wird, gilt aus ausgemacht.

Vor allem Schildenfeld kann davon ausgehen, dass er sich nach seiner Rückkehr vom Länderspieleinsatz in Zagreb allenfalls auf der Ersatzbank wiederfindet. Wenn überhaupt. Veh sagte auf den Sechsundzwanzigjährigen angesprochen, dass „das Ende der Fahnenstange erreicht ist“. Schon beim 6:1 gegen den FSV seien die Bornheimer zu zwei guten (aber ungenutzten) Chancen gekommen, erinnerte der Trainer, ohne Schildenfelds Namen ausdrücklich zu nennen, die nur durch falsches Stellungsspiel des Innenverteidigers entstanden seien. Zudem habe es auch schon in der Hinrunde sichtbare Defizite gegeben. Durch die Genesung von Martin Amedick und der Vielseitigkeit Heiko Butschers gibt es zwei Alternativen, um den zentralen Posten in der Viererkette anders zu besetzen. Anzunehmen ist auch, dass es zum Comeback Pirmin Schweglers kommt. Der Kapitän war in Paderborn nicht mit dabei, weil ihm im Abschlusstraining Karim Matmour bei einem Kopfball mit den Stollen auf den unlängst lädierten Zeh gestiegen war. Der Verdacht, der Knochen sei abermals gebrochen, bestätigte sich beim Röntgen allerdings nicht. Am Montag absolvierte der Kapitän für sich alleine Sprintübungen. Gegen Cottbus wird mehr von ihm erwartet.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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