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Eintracht Frankfurt : Eine reine Freude

Strategen unter sich: Boateng und Kovac wollen nun die passende Taktik für das Duell mit dem Rekordmeister finden. Bild: Huebner/Voigt

Der Sieg in Berlin beflügelt die Eintracht: Der FC Bayern kann kommen. „Es wird ein interessantes Spiel“, verspricht Trainer Kovac – und setzt auf die Hilfe der Fans.

          Jetzt können die Bayern kommen. Nach dem 2:1 bei der Hertha am Sonntag gestaltet sich die Tabellenkonstellation für die Frankfurter Eintracht so günstig, dass es auch für Trainer Niko Kovac eine reine Freude ist, auf den Rekordmeister zu treffen. Vor der Auswärts-Auseinandersetzung in seiner Geburtsstadt Berlin hatte der Kroate noch geunkt: „Der Abstand zu den unteren Tabellenregionen ist nicht so groß, wie ich es mir wünsche. Angesichts der schweren Heimspiele gegen die Bayern und Schalke wäre es sehr wichtig, etwas aus Berlin mitzunehmen.“ Bei nun zehn Punkten Vorsprung vor dem Relegationsplatz, den im Moment der SC Freiburg einnimmt, würde auch bei zwei Heimniederlagen zum Jahresende keine akute Gefahr drohen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          „Es wird ein interessantes Spiel“, verspricht der Eintracht-Trainer, der nicht die Froschperspektive einnimmt, wenn er von der Begegnung mit dem Rekordmeister spricht. „ Letztes Jahr haben wir sie ärgern können, wir werden alles reinsetzen, es diesmal auch zu schaffen.“ Dabei glaubt Kovac an die helfende Wirkung der Energie, die von den Rängen kommt. „Die Hütte wird voll sein, wir hätten wahrscheinlich doppelt so viele Karten verkaufen können. Wir schauen uns die Bayern am Dienstag gegen Paris an und hoffen, die Fans tragen uns zu einem guten Ergebnis.“ Sogar vom Siegen spricht Kovac: „Es wäre schön, wenn wir gegen die Bayern gewinnen könnten, dann würden wir die auswärtsstärkste Mannschaft bleiben.“ Bei dieser Aussage hatte der Trainer die Tabelle nicht genau im Kopf – sogar ein Unentschieden würde reichen. Dann hätten die Bayern 14 Auswärtspunkte, die Eintracht steht nach dem Auftritt in Berlin bei 15.

          Zuhause noch schwach, auswärts stark

          Die große Diskrepanz zwischen der Ausbeute im eigenen Stadion und in der Fremde findet Kovac auch überraschend. Er glaubt jedoch nicht, dass das so weiter gehen muss. „Die Liga ist so ausgeglichen, du kannst nicht sagen, du gewinnst irgendwo locker, weder zu Hause noch auswärts.“ Bei den Heim- und Auswärtsbilanzen spiele auch mit, wo das Spielglück oder das Spielpech gerade zuschlage, im eigenen oder fremden Stadion: „Das dreht sich immer wieder mal.“ Natürlich fällt es der Eintracht leichter, auswärts erfolgreich zu sein, wo sie so hässlich spielen kann, wie sie mag, ohne auf die Unterhaltungserwartung des eigenen Publikums Rücksicht nehmen zu müssen. „Zu Hause wollen uns die Gegner das Spiel in die Hand legen, sogar das spielstarke Leverkusen hat sich auf Konter beschränkt und uns so ein Tor eingeschenkt. Das Spiel zu machen, fällt uns jedoch schwer, aber das fällt allen schwer. Das ist ein Phänomen. 80 Prozent der Bundesligamannschaften haben dieselbe Problematik.“

          Die Begründung liegt in der wirtschaftlichen Gesamtsituation der Liga. Die Schere zwischen den vier, fünf Klubs, die regelmäßig in der Champions League spielen (plus RB Leipzig) und dem Rest der Branche ist so weit auseinander gegangen wie noch nie zuvor in der Geschichte des deutschen Profifußballs. Individuelle Klasse, herausragende Spielernaturen sind auf dem Transfermarkt so teuer geworden, dass sie sich nur noch die reichen Klubs leisten können. Die ärmeren sind dazu gezwungen, mangelnde spielerische Qualität über spieltaktische Maßnahmen zu kompensieren. Und so verteidigen alle aggressiv nach vorne, hoffen auf frühe Ballgewinne und dadurch kurze Wege zum gegnerischen Tor und verteidigen ansonsten als sich ständig verschiebende kompakte Einheit jeden Quadratzentimeter Boden des Spielfeldes.

          Erfolg ohne das große Fußball-Vergnügen

          Die Eintracht ist damit für ihre Verhältnisse sehr weit gekommen, ohne großes Fußball-Vergnügen zu bieten. Die Dreierkette Salcedo-Abraham-Falette sorgt zwar im Aufbauspiel für Schnappatmung bei jedem Fußballfreund. Aber sie passen defensiv so gut zusammen, dass Synergieeffekte entstehen. Sie bewirken in ihrer Gesamtheit mehr, als jeder einzelne zur Gruppenarbeit beisteuert. Ähnliches gilt für das Mittelfeld, in dem zwar kaum einmal eine Kombination über mehrere Stationen gelingt, aber das dem Gegner bei dessen Ballbesitz wie ein Dickicht vorkommen muss, in dem es kaum ein Durchkommen gibt.

          Kovac hat nicht vor, die Balance, die er für sein Team gefunden hat, zugunsten der Offensive zu verändern. Leiser Kritik, die Eintracht habe in Berlin nicht gerade ihre beste Leistung gezeigt, begegnet er entspannt: „Wir spielen ungefähr auf einer Ebene mit der Hertha. Man kann nicht erwarten, dass wir Hurra-Fußball spielen und uns eine Chance nach der anderen herausspielen, zumal die Hertha sehr gut und sehr tief verteidigt. Das war ein grundsolides Auswärtsspiel.“

          Quelle: F.A.Z.

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