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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eintracht Frankfurt Trubel und Tumulte

 ·  Die Aufstiegsfeier der Eintracht beginnt freudlos, wird dann bedenklich und endet friedlich. Nach dem 0:2 gegen 1860 München stürmen Chaoten auf das Spielfeld.

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Die große Party ist es dann doch nicht geworden. Die Hoffnung der Eintracht, im letzten Spiel vor eigenem Publikum mit einem rauschenden Fest den Wiederaufstieg zu feiern, erfüllte sich nicht. Die Begegnung mit dem TSV München 1860 sollte der vorläufige Höhepunkt der Feierlichkeiten werden - doch am Ende entpuppte sich die Fußballveranstaltung im Stadtwald als freudlose und nach dem Abpfiff bedenkliche Angelegenheit. 0:2 unterlag die Mannschaft von Trainer Armin Veh den „Löwen“, und sie verpasste es damit, sich die bestmögliche Ausgangsposition für den finalen Spieltag am ersten Mai-Wochenende zu verschaffen, wo sie ihren Fans am Römer die Schale für die Zweitligameisterschaft präsentieren möchte.

Peinlicher als die misslungene Aufführung der Eintracht-Profis war dabei die Vorstellung, die einige Chaoten aus ihrem Fanblock nach der ersten Heimniederlage des Sportjahres abgaben: Sie stürmten den Platz, angeführt von einem fünfzig Mann starken Stoßtrupp, der teilweise vermummt und mit Fackeln in der Hand nichts Besseres zu tun hatte, als die Münchner Gefolgschaft provozieren zu wollen und sich mit Sicherheitskräften anzulegen. Es kam zu tumultartigen Szenen, Schlagstöcke und Pfefferspray wurden eingesetzt; der materielle Schaden ist überschaubar, einige Banden gingen zu Bruch, ein Tor wurde demoliert, doch gravierender wog der schlechte Eindruck, den der Mob in Eintracht-Kluft aufs Neue abgab. Ein Stadionsprecher wollte mit dem zweifelhaften Aufruf „Reißt bitte ein Stück Rasen raus, aber macht keine Randale!“ und der fortwährenden Einspielung von Stimmungsmusik die Situation entschärfen, wofür er Kopfschütteln oder Gelächter erntete. Der „Deutsche Randalemeister 2011“ hatte sich schon zuvor per Plakat in Erinnerung gerufen - und die Freude auf das Wiedersehen mit den Hessen wird sich bei vielen Erstligavereinen angesichts des Eintracht-Problempublikums in engen Grenzen halten.

Die Eintracht blamierte sich

Frankfurter und Münchner Spieler nahmen gleichermaßen die Beine in die Hand, um aus dem Trubel unbeschadet hervorzugehen, denn anschließend strömten durch geöffnete Tore Tausende der 50.800 Besucher aufs Feld, wo sich Sportdirektor Bruno Hübner und Vereinspräsident Peter Fischer in vorderster Reihe mühten, dass die Lage nicht eskalierte. Die Frankfurter Mannschaft kehrte anschließend schleunigst auf die Haupttribüne zurück, was sich als cleverer Schachzug herausstellte, der der aufgeheizten Stimmung zu ihren Füßen viel von ihrem Aggressionspotential nahm. In den frühen Abendstunden lief eine weitere Präsentation des Teams auf der Waldtribüne völlig harmonisch ab. Heribert Bruchhagen, der Vorstandschef der Eintracht, kommentierte die betrüblichen Szenen kopfschüttelnd: „Man muss Angst haben, dass sich die Jungs nichts selbst gefährden.“ Sein künftiger Kollege im Leitungsgremium des Klubs, Axel Hellmann, sprach ebenfalls von einer „gewissen Problematik“, die es schleunigst in den Griff zu bekommen gelte: „Aber auf die Frage nach dem ‚Wie’ gibt es keine einfachen Antworten.“ Er räumte ein, dass beim Gedanken an den 34. Spieltag, der für die Eintracht ausgerechnet noch eine Abschlussreise zum Karlsruher SC vorsieht, „durchaus Anspannung entstehen kann“. Unter den Sympathisanten der Badener und der Frankfurter gibt es jeweils eine große, gewaltbereite Gruppe, die der anderen Seite in tiefer Abneigung verbunden ist.

Sportlich ist die Geschichte des Nachmittags schnell erzählt. Die Eintracht-Elf enttäuschte nicht nur, sondern sie blamierte sich nach Kräften. Kevin Volland (17. Minute) und Guillermo Vallori (21.) sorgten mit ihren Treffern früh für einen Münchner Vorteil, an dem die ermattet wirkenden Hessen nicht zu rütteln im Stande waren. Ihre Abwehrkraft war angegriffen, ein systematischer Spielaufbau nicht erkennbar, und Chancen, das Resultat positiver zu gestalten, nur wenige vorhanden; Erwin Hoffer scheiterte bei der besten Gelegenheit am aufmerksamen „Löwen“-Ersatzkeeper Vitus Eicher (38.). Veh sagte hinterher, dass „wir schon gewinnen wollten, doch die Spannung nicht so hinbekommen haben“. Tatsächlich ging seine Auswahl, die sich am Montag in Aachen gänzlich anders angestellt und durch das 3:0 am Tivoli die Rückkehr in die erste Klasse vorzeitig verdient hatte, diesmal ohne Engagement und Tempo zur Sache. Tiefpunkt war dabei die 65. Minute, als Constant Djakpa einen Konter der Bayern mit einem üblen Tritt unter die Gürtellinie Vollands im Ansatz zunichte machte. Für dieses Foul sah der Ivorer die Rote Karte des aufmerksamen Referees Peter Gagelmann. Djakpa, der erst Anfang April nach einer Tätlichkeit für drei Spiele gesperrt worden war, droht nun als Wiederholungstäter eine empfindliche Strafe durch den Deutschen Fußball-Bund. „Er hat uns“, sagte Veh angesprochen auf die Attacke Djakpas, „einen Bärendienst erwiesen. Ich lasse mir dadurch die Laune aber nicht verderben.“ Der Einundfünfzigjährige, das hob Bruchhagen noch einmal hervor, soll seine Arbeit bei der Eintracht fortsetzen. Noch stehe eine Einigung aber aus: „Wir wollen Armin Veh behalten. Unter ihm hat sich die Mannschaft weiterentwickelt. Er hat uns vorangebracht“, würdigte Bruchhagen den Einsatz seines ersten Angestellten. Er mühe sich, wirtschaftliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um Verstärkungen zu realisieren. „Die Wünsche des Trainers sind nachvollziehbar. Ob wir sie erfüllen können, werden wir in den Gremien besprechen“, sagte Bruchhagen. Der Eindruck des Sonntags ist jedenfalls ein deutlicher: Auch wenn die Eintracht demnächst wieder im Kreis der besten 18 Vereine mitmachen darf: Erstligareif ist sie in mancher Hinsicht noch lange nicht.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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