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Eintracht Frankfurt : Torgefährlicher Taktgeber

  • -Aktualisiert am

Überragt viele: Mit Pirmin Schwegler hat die Eintracht einen spielstarken Kapitän. Bild: Bergmann, Wonge

Pirmin Schwegler spielt nicht nur als Kapitän der Eintracht eine wichtige Rolle, sondern auch als Gestalter. Große Gesten sind dem Schweizer Profi dabei fremd.

          Für seinen Hattrick vor dem Anpfiff der Partie gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth benötigte Pirmin Schwegler nur vier Minuten. Der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht kam jeweils bemerkenswert frei zum Abschluss, knapp 18 Meter vor dem Tor. Zwei Bälle fanden den Weg in die linke Ecke, den dritten setzte der Schweizer genau in den Winkel. Damit war Schwegler am Montag unbestritten der torgefährlichste Eintracht-Akteur, und auch seine in Serie geschlagenen, auf den Zentimeter genauen Flugbälle auf Mohamadou Idrissou waren sehenswert. Knapp 15 Minuten später, das Aufwärmprogramm war nun beendet, führte der Kapitän seine Elf aufs Feld.

          Zum mittlerweile sechzehnten Mal in dieser Saison trug er dabei jenes unscheinbare Stückchen Stoff um seinen linken Oberarm, das nach außen hin signalisieren soll: Wer mich überstreifen darf, ist kein gewöhnlicher Spieler, sondern der Anführer der Mannschaft. Nicht immer trägt der beste Akteur einer Elf die Kapitänsbinde, oft ist es der erfahrenste oder schlichtweg derjenige, der seinem Verein am längsten die Treue hält. Bei der Eintracht ist Ersteres der Fall. Aufgrund seiner Fähigkeiten war Schwegler schon in der Bundesliga über jeden Zweifel erhaben, in der zweiten Liga ist ein Spieler seiner Klasse fast schon Luxus. Seit ihn Eintracht-Trainer Armin Veh im Sommer zum Nachfolger des nach Wolfsburg gewechselten Patrick Ochs ernannt hat, muss er sich allerdings in einer Disziplin fernab von technischen Fertigkeiten, klugen Pässen oder gewonnenen Zweikämpfen beweisen: in Führungsstärke.

          Seine Position an der Spitze der Hierarchie beruh auf Taten

          Er wolle versuchen, „auf jeder Ebene ein Vorbild zu sein, sozusagen den Weg ein bisschen vorzugehen“ sagte Schwegler in einem Interview über seine neue Rolle. Das gelingt ihm oft sehr gut, wie bei seinem herausragenden Auftritt gegen Karlsruhe - manchmal weniger gut, wie gegen Fürth. Immer aber interpretiert Schwegler die Aufgabe auf die gleiche Art und Weise: als Erster unter Gleichen. Große Gesten sind ihm fremd; beim torlosen Unentschieden gegen Fürth waren ein deutlicher Hinweis an Linksverteidiger Constant Djakpa, er möge doch den vor ihm postierten Benjamin Köhler besser mit ins Spiel einbeziehen, sowie ein aufmunternder Klaps für Sebastian Rode schon Ausnahmen in dieser Hinsicht.

          Schwegler ist auch kein Mann der großen Worte. Seine Position an der Spitze der Hierarchie beruht vielmehr auf Taten. In Vehs System ist für ihn die Rolle des Strategen vorgesehen. Schwegler ist die erste Anspielstation für die Innenverteidiger und trotz seiner technischen Fähigkeiten der Eintracht-Mittelfeldspieler mit der defensivsten Ausrichtung neben dem quirligen Benjamin Köhler, dem zweikampfstarken Sebastian Rode und dem torgefährlichen Alex Meier. „Ich komme kaum noch nach vorne. Wenn ich den ersten Pass raus spiele, bleibe ich vor der Abwehr“, sagt Schwegler über seine Aufgaben, die sich während seiner Karriere entscheidend verändert haben: Vor seinem Wechsel von Bayer Leverkusen an den Main war er wesentlich offensiver ausgerichtet und versah seinen Dienst vornehmlich auf dem rechten oder linken Flügel. „Sehr wohl“ fühle er sich aber in der jetzigen Rolle, machte Schwegler klar. Der 24-Jährige hat sich vom Individualisten auf der Außenbahn zum Taktgeber im Zentrum des Spiels entwickelt und passt damit in einen Trend, den Kollegen wie Bayern-Star Bastian Schweinsteiger, der Hannoveraner Sergio Pinto oder Christian Tiffert vom 1. FC Kaiserslautern gesetzt haben.

          Gleich zwei gegen Schwegler

          Fast zwangsläufig ist mit jener Position Verantwortung verbunden, und oftmals wird gerade von jenen Spielern gefordert, sie sollen in kritischen Situationen Zeichen setzen. Das ist nicht Schweglers Stil, auch wenn er gegen Fürth bewusst die Auseinandersetzung mit dem Schiedsrichter suchte: Auf dem Weg in die Halbzeitpause redete er lang auf Thorsten Kinhöfer ein. „Ich habe ihm deutlich gemacht, dass er in so einem intensiven Spiel mehr laufen lassen soll. In der ersten Halbzeit kam überhaupt kein Spielfluss zustande“, sagte Schwegler.

          Natürlich hat sich in der zweiten Bundesliga herumgesprochen, welcher Eintracht-Spieler am besten mit dem Ball umzugehen weiß. Trainer wie der Fürther Mike Büskens lassen gleich zwei aggressiv gegen Schwegler arbeiten. Sollte das in der Rückrunde auch anderen ähnlich effizient wie Stephan Schröck und Stephan Fürstner an diesem Tag gelingen, könnte es zum Problem für die Eintracht werden - denn konstruktive Spielzüge kommen meist dann zustande, wenn Schwegler in ihre Entstehung involviert ist. „Wir haben zu viele lange Bälle gespielt, zu viel gebolzt. Das ist eigentlich nicht unser Spiel“, sagte Veh nach der Partie, die nicht zum ersten Mal deutlich gemacht hat, wie abhängig die Eintracht von der Führungsstärke, vor allem aber der Spielstärke ihres Kapitäns ist. Wird er aus dem Spiel genommen, kann die Eintracht kaum jene Dominanz entfalten, die zu den hohen Siegen gegen den FSV Frankfurt (4:0), Rostock (4:1) oder Dresden (4:1) geführt hat.

          Quelle: F.A.Z.

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