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Eintracht Frankfurt : Eine Sternstunde und viel Schatten

Retter in höchster Not: Marco Russ trifft, jubelt – und rettet sich und seinem Team kurz vor Schluss einen Punkt. Bild: Imago

Die Eintracht zeigt sich im ersten Heimspiel ideenlos und kommt gegen Augsburg nur zu einem 1:1. Inui wird den Klub verlassen und nach Spanien wechseln.

          Auf ins Baskenland. Takashi Inui wird sich dem SD Eibar anschließen. Der Wechsel nach Spanien in die Primera División ist nur noch eine Formalie, was Sportdirektor Bruno Hübner nach dem 1:1 der Frankfurter Eintracht gegen den FC Augsburg bestätigte. Neues Land, alte Probleme? Auch in Spanien dürfte sich der Japaner schwertun, wenn er die Sprache seines Gastlandes nicht lernt. In Deutschland hat es Inui zeit seines Wirkens an den Schauplätzen Bochum und Frankfurt verpasst, abseits des Fußballplatzes aktiv am Abbau seiner ganz persönlichen Sprachbarriere zu arbeiten. Am Samstag, beim Punktgewinn im ersten Heimspiel der neuen Bundesligasaison, stand Inui schon gar nicht mehr im Kader. Trainer Armin Veh hatte ihn freigestellt. Inui hatte den Coach wegen des bevorstehenden Wechsels darum gebeten. Ob es Inui interessiert, wie das 1:1 gegen den Europa-League-Teilnehmer Augsburg zustande gekommen ist?

          Es waren vor allem ein hartes Stück Arbeit und jede Menge Glück. Beides hat letztlich dazu geführt, dass die Eintracht gegen ihren langjährigen Angstgegner Augsburg halbwegs mit einem blauen Auge davongekommen ist. Kaum etwas nämlich wollte der von Interimskapitän und Torschütze Marco Russ angeführten Mannschaft vor 45.000 Zuschauern gelingen. „Der Ausgleich fiel schon glücklich“, sagte Russ später. „Ich war mir gar nicht sicher, dass ich den reinmache.“

          Dass der Spielführer vier Minuten vor dem Ende beherzt Maß nehmen konnte, hatte er vor allem Luca Waldschmidt zu verdanken. Der 19 Jahre alte Jungprofi, erst in der Schlussviertelstunde eingewechselt und sofort engagiert und offensiv am Ball, fügte sich nahtlos in die Mannschaft ein und hatte seine ganz persönliche Sternstunde, als er frech und forsch als Vorbereiter mit Köpfchen den Weg zum Ausgleich ebnete. Mit etwas Pech wäre es überhaupt nicht dazu gekommen, wenn Schiedsrichter Florian Meyer eine Attacke zuvor geahndet hätte. „Das hätte man auch abpfeifen können“, sagte Veh über die Szene, als Aleksandar Ignjovski hart an der Grenze des Erlaubten gegen Konstantinos Stafylidis einstieg.

          „Die Mannschaft war übermotiviert“

          Eigentlich hätte alles ganz anders kommen sollen. Mit gepflegter Spielkultur, gespeist durch ansehnliche Kombinationen und Pässe, wollte Veh mit seiner Mannschaft den nächsten Entwicklungsschritt vollziehen. Doch statt einen Sprung nach vorne zu machen, gab es einen Rückschlag. Kritisch merkte der 54 Jahre alte Fußballlehrer an: „Die Spielweise hat mir gar nicht gefallen. So viele Fehlpässe habe ich in acht Wochen Vorbereitung nicht gesehen.“

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          Verdrängungswettbewerb Bundesliga: Aigner hat es schwer, sich durchzusetzen. : Bild: dpa

          Die Voraussetzungen, an die gute Startviertelstunde aus dem ersten Saisonspiel in Wolfsburg anzuknüpfen, waren eigentlich günstig. Veh nahm nur einen Wechsel vor, vertraute auf die Unbekümmertheit des 19 Jahre alten Joel Gerezgiher, der anstelle von Inui auf Linksaußen spielen durfte. Doch von Leichtigkeit und Lockerheit war nichts zu sehen. „Die Mannschaft war übermotiviert“, sagte Hübner. Für den Sportdirektor der Eintracht, maßgeblich an der Zusammenstellung des neuen Teams beteiligt, lastete zu viel Druck auf der Mannschaft. „Sie wollte unbedingt den Sieg.“ Auch deshalb warb der im Laufe der Partie zum verkappten Spielmacher umfunktionierte Stefan Aigner um Verständnis. „Man sollte jetzt nicht alles schlechtreden und in Frage stellen“, sagte er. Es sei „nichts Außergewöhnliches“, dass die Mechanismen noch nicht hundertprozentig funktionierten. „Klar ist doch auch, dass uns Alex mit seiner Qualität fehlt.“

          Hradecky - ein Torwort, der schon viel erreicht hat

          Die Eintracht ohne Alexander Meier – das wird noch ein paar Wochen so sein. Doch der Torschützenkönig der vergangenen Bundesligasaison ist eifrig bestrebt, schnell wieder zurückzukehren und die Eintracht als erster Kapitän anzuführen. Vor dem Spiel durfte er sich schon einmal seinen Fans präsentieren. Die spendeten fleißig Beifall, denn bei einer von der Vereinigung der Vertragsfußballspieler ausgelobten Wahl ist Meier von den erstklassigen Spielkameraden in die Mannschaft der Saison gewählt worden.

          Nicht ausgeschlossen, dass Lukas Hradecky auch den Sprung in eine ganz besondere Mannschaft schafft. Wobei: Mit 25 Jahren hat der lang aufgeschossene Torhüter schon eine Menge erreicht. Er ist die erste Kraft im Nationalteam Finnlands. Und auch bei seinem neuen Arbeitgeber Eintracht glückte ihm auf Anhieb der Sprung zwischen die Pfosten. Stammspieler sein, das muss auch das Ziel des designierten Abwanderers Inui sein. Der sensible Japaner sucht fortan sein Glück im Baskenland. Finden wird er es nur, wenn er sich anstrengt und nicht nur flotte Flanken schlägt, sondern auch Spanisch lernt.

          Quelle: F.A.Z.

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