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Eintracht Frankfurt Spirale des Misserfolgs?

Keine Flanken, keine Tore - die Eintracht hängt dem alten Erfolg nach und rätselt weiter über Trainer Veh.

© SvenSimon Vergrößern Derzeit am Boden: Frankfurts Pirmin Schwegler.

Wie geht es weiter? Diese Frage stellt sich bei der Frankfurter Eintracht derzeit in mehrfacher Hinsicht. Besonders im Blickpunkt steht Trainer Armin Veh, der sich Anfang kommender Woche konkreter zu seinen Absichten äußern könnte, ob er bleibt oder nicht. Erreichte seine Mannschaft an diesem Sonntag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (15.30 Uhr) zumindest ein Remis, hätte die Eintracht die avisierten 40 Punkte - und damit freie Bahn für die Zukunftsplanung. Der Trainer sagte am Samstag noch einmal, dass es „Nonsens“ sei zu behaupten, er hätte einen unterschriftsreifen Vertrag der angeblich um ihn buhlenden Schalker vorliegen. „Ich kann nur sagen, dass da nix dran ist. Wir sind nach wie vor erster Ansprechpartner, und die Chance ist nach wie vor groß, dass Armin bei uns bleibt. Ich bin weiter sehr zuversichtlich“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Demnach wäre es sehr überraschend, wenn Veh demnächst doch seinen Abgang aus Frankfurt verkündete.

Aber wie geht es weiter? Das gilt auch für die plötzlich ins Stocken geratene Offensive der Eintracht. Das Team hatte in der Vorrunde einen ganz eigenen Spielstil kreiert. Der über weite Strecken begeisternde Offensivfußball wurde aus allen Mannschaftsteilen heraus entwickelt und vorgetragen. Mit offensiven Mittelfeldspielern und Außenverteidigern wurden die Gegner weit zurückgedrängt, die meisten Treffer fast ohne Beteiligung von Stürmern erzielt. „Wir spielen im Grunde schon die ganze Saison ohne richtigen Stürmer“, sagt Veh. Es sind der Mittelfeldspieler Alexander Meier und die Vorbereiter Stefan Aigner, Sebastian Jung und Bastian Oczipka, die für Angriffslust stehen - oder besser: standen. Der Überraschungseffekt im Frankfurter Spiel war groß.

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Eine Erklärung ist noch nicht gefunden

Doch im neuen Jahr ist die Leichtigkeit dahin. Seit fünf Spielen sind die Frankfurter ohne Sieg - und ohne Tor. Das Heimspiel gegen Stuttgart wird zur Nagelprobe, ob aus einer „normalen Delle“, wie der Trainer die Ergebniskrise bezeichnete, eine Spirale des Misserfolgs wird.

Eine wirkliche Erklärung für den Einbruch in der Offensive haben die Beteiligten bisher nicht gefunden. Im Winter wurde in Srdjan Lakic sogar noch ein neuer Stürmer geholt, der für mehr Gefahr sorgen sollte als der enttäuschende Olivier Occean, der bisher nur einen Saisontreffer zustande gebracht hat. Lakic hat in seinem ersten Spiel zweimal getroffen, war zuletzt aber nur noch zweite Wahl. Auf den ersten Blick liegt die Torlosigkeit daran, dass der zuvor so treffsichere Meier seinen elf Toren in diesem Jahr nur noch einen Treffer hinzugefügt hat. Doch Meier hat auch in den Wochen der Erfolgslosigkeit meist gut gespielt, hatte ein wenig Pech beim Abschluss. Mal rutschte er in aussichtsreicher Position aus, mal verpasste er knapp, mal wurde ein reguläres Tor nicht anerkannt wie zuletzt in Hannover.

Spielweise verändert

Augenfälliger sind die Formverluste bei den Vorbereitern, allen voran bei Linksverteidiger Oczipka. Dessen Flanken haben in dieser Spielzeit zu neun Toren geführt, für einen nominellen Abwehrspieler in der Liga ist das der Spitzenwert. Flanke Oczipka, Abschluss Meier - das war häufig das Erfolgsrezept. Zuletzt war diese Verbindung gekappt, weil viele Gegner inzwischen aufmerksamer sind. Als „Flankomat“ wurde der 24-Jährige schon bezeichnet, zuletzt aber war die Maschine abgestellt. Es sei „deutlich schwieriger“ geworden, die Vorstöße bis hin in die Gefahrenzone zu Ende zu führen, gibt Oczipka zu. „Die Gegner haben sich auf unser Spiel besser eingestellt.“

Zuletzt hatte sich freilich die Spielweise der Frankfurter verändert, auch das Spielsystem. Meier stand nicht mehr in vorderster Linie, spielte weiter hinten im Mittelfeld, war deshalb als Adressat der Flanken nicht mehr zu finden. Zudem verteidigten Oczipka auf der linken und Sebastian Jung auf der rechten Seite nicht mehr ganz so weit vorne wie in der Hinrunde. Beide spielen zwar nur zehn, zwanzig Meter weiter hinten, auch erzwungen durch den Druck des Gegners, doch diese kleine Veränderung zeigt große Wirkung. Dass gerade Oczipka zuletzt auch etwas müder und behäbiger wirkte als zu Beginn, ist nicht überraschend. Als einziger Feldspieler hat er in allen 25 Saisonspielen in der Bundesliga von Anfang bis Ende auf dem Platz gestanden. Eine persönliche Formkrise sieht er selbst nicht. „Ich fühle mich gut“, sagt er.

U-21-Nationalspieler Jung kann seinerseits keine grundsätzliche Flankenschwäche erkennen. Es sei bei hohem Tempo unmöglich, den Ball immer genau zum eigenen Mann zu bringen. „Mal gelingen dir gute Flanken am Stück, dann klappt es wieder ein paar Spiele nicht so richtig“, sagt Jung. Er ist schneller als Oczipka, versucht häufiger, die Gegner zu überlaufen, nicht unbedingt zu überflanken. Das hat zuletzt in Hannover gut geklappt, doch zum Tor hat es auch nicht geführt. Bei einer guten Möglichkeit nach Vorarbeit von Takashi Inui hatte Jung ein Abspiel versucht, anstatt den Abschluss zu finden. „Genau da hat Sebastian das größte Steigerungspotential“, sagt der Trainer: „Ich fordere, dass er häufiger selbst abschließt.“ Und so versucht Veh die Angriffsschwäche kurioserweise auch mit Verbesserungen bei den Verteidigern zu beheben. Weil Stürmer im Eintracht-System kaum noch vorkommen.

Quelle: F.A.S.

 
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