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Eintracht Frankfurt Schamlos ausgenutzt

 ·  Unter dem Druck der Aufstiegskonkurrenten tut sich die Eintracht gegen Cottbus anfangs so schwer, dass das Publikum ungeduldig wird.

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Rudi Bommer verabschiedete sich mit den besten Wünschen. Der Trainer des FC Energie Cottbus, der als Fußballprofi seine intensivsten Zeiten in Frankfurt hatte, kündigte an, dass er nun in jedem der ausstehenden Zweitligaspiele der Eintracht „wieder die Daumen drücke“, der er sich nach wie vor verbunden fühlt. Am Sonntag ruhte die Freundschaft für anderthalb Stunden - und fast hätte seine Mannschaft, von ihm gut auf die läuferischen Defizite des Gegners eingestellt, dem Team des Kollegen Armin Veh den nächsten Rückschlag im Aufstiegsrennen beschert. 1:0 hieß es am Ende dann aber doch für den alten und neuen Tabellenzweiten, nachdem es lange ausgesprochen eng zugegangen war und erst ein Treffer von Erwin Hoffer in der 69. Minute, der den schönsten Angriff des Nachmittags und die Vorarbeit des fleißigen Sebastian Rode in Torjägermanier verwertete, die glückliche, aber nicht unverdiente Entscheidung gebracht hatte.

Der Erfolg war alles in allem wenig glanzvoll. Veh sprach von einem „schmutzigen Sieg“. Sein Team habe „unheimlich unter Druck gestanden“, nachdem die Konkurrenz aus Fürth, Paderborn und Düsseldorf mit überzeugenden Ergebnissen vorgelegt hatte. Dieser nervlichen Anspannung sei nicht jeder seiner Spieler von Beginn an gewachsen gewesen. „Umso wichtiger, dass wir solche Spiele trotzdem gewinnen, denn das müssen wir, wenn wir oben dabei bleiben wollen.“ Im Rückblick zählten für ihn „nur die drei Punkte - und alles andere weniger“. Mit 49 Zählern behauptete die Eintracht den zweiten Tabellenrang, ihre Rolle als erster Verfolger von Spitzenreiter Fürth (50) und geht gerüstet in dass nächste Auswärtsspiel am kommenden Sonntag beim Letzten Hansa Rostock.

Die Umstellung brachte die erhoffte Wende

Bis zur Führung, „die wie eine Befreiung gewirkt hat“, so Verteidiger Heiko Butscher, taten sich die Frankfurter gegen kompakt auftrumpfende Cottbuser ungemein schwer. Viele leichte Ballverluste ließen keinen geordneten Spielaufbau zu, die Abstimmung zwischen Alexander Meier, Benjamin Köhler und dem zurückgekehrten Kapitän Pirmin Schwegler klappte nur selten. Energie hatte es leicht, die Eintracht in Schach zu halten, nach dreißig Minuten lautete die Eckballbilanz 6:0 zu Gunsten der Brandenburger. „Cottbus war in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft. Sie haben viel Druck gemacht, sich Chancen erarbeitet. Ich war froh, dass es zur Pause 0:0 stand“, sagte Veh unter dem Eindruck des Pfeifkonzerts, mit dem seine Elf in die Kabine verabschiedet wurde.

Erst die in der Halbzeitpause verordnete Umstellung auf ein 4-4-2-System brachte die erhoffte Wende. Weil auch Mohamadou Idrissou in die Partie kam, standen der Eintracht fortan zwei Stürmer zur Verfügung. Der Lohn für den nun stärker ausgeübten Druck: Hoffers siebter Saisontreffer. Der kleine Österreicher, der damit in der internen Torjägerrangliste hinter Alexander Meier (12), aber schon gleichauf mit Idrissou und Benjamin Köhler liegt, sagte: „Sebastian hat das sehr gut vorbereitet.“ Gemeint war das kongeniale Zusammenspiel mit Rode. Zugleich aber warnte er vor allzu großer Begeisterung. „Wir dürfen nicht auf die anderen, sondern nur auf uns schauen.“ Vor allem: „Wir dürfen keine Punkte liegen lassen.“ Im Sog der im zweiten Abschnitt besser auftretenden Eintracht agierte auch der fleißige Hoffer von Minute zu Minute zielstrebiger. Mit einigen ansehnlichen Aktionen setzte sich der kernige Angreifer immer wieder in Szene. Kurz vor Schluss, als Thorsten Kirschbaum das Cottbuser Tor verließ, um vielleicht doch noch den Ausgleich zu erzwingen, hätte Hoffer mit mehr Übersicht den zweiten Frankfurter Treffer einleiten können. Doch statt den freistehenden Rode zu bedienen, entschied sich der Österreicher für die Fortsetzung seines Sololaufs - am Ende stand er im Abseits.

Veh als Motivator

Dass diese 24. Saisonprüfung für die Eintracht eine harte Nuss gewesen ist, war unübersehbar. „Wir haben uns sehr schwer getan“, sagte Kapitän Schwegler. „Erst sind wir überhaupt nicht ins Spiel gekommen, dann aber haben wir noch einmal die Kurve gekriegt. Wir haben einfach das Heft in die Hand genommen.“

Als Motivator dafür kann Veh stehen. Mit „sachlichen Worten“, wie der 51 Jahre alte Fußballlehrer später sagte, habe er auf seine zuvor stark verunsicherte Mannschaft eingewirkt. Der rechte Ton, die rechte Umstellung: 45 Minuten später war der achte Sieg im zwölften Heimspiel perfekt. Die Cottbuser kamen der Eintracht dabei ein Stück weit entgegen - in der 79. Minute wurde Daniel Adlung mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Frankfurt-Freund Bommer konnte das Resultat verschmerzen. „Die Eintracht hat eine große Qualität. Das hat sie schamlos ausgenutzt.“ Nebeneffekt: Der spannende Aufstiegskampf geht im Wochentakt weiter - mit der zweitplatzierten Eintracht.

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