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Eintracht Frankfurt : Zwei Rückkehrer, ein Punkt

Kämpferisch: Marco Fabiàn (rechts), hier gegen den Hamburger Gotoku Sakai, ist nach überstandenen Rückenproblemen schon fast wieder ganz der Alte. Bild: dpa

Fabiàn und Russ sind beim 0:0 der Eintracht gegen den HSV wieder dabei – der eine erwartungsgemäß, der andere wegen der Verletzung von Hasebe überraschend früh.

          Die beste Medizin für Rückkehrer? Spiele, Spiele, Spiele. Marco Russ und Marco Fabiàn bekommen sie. Der eine – Fabiàn – erwartungsgemäß. Der andere – Russ – überraschend. Ursprünglich hatte Eintracht-Trainer Niko Kovac sogar mal in Aussicht gestellt, dass der lange wegen seiner Krebserkrankung ausgefallene Russ vielleicht erst in der neuen Saison wieder seinen Mann in der Frankfurter Abwehr stehen könnte. Alles Makulatur. Den Kurzeinsätzen im Pokal gegen Bielefeld sowie in der Bundesliga in München folgte nun gegen Hamburg die erste Nominierung von Beginn an.

          „Es war nicht geplant, dass Marco gegen den HSV spielt“, sagte Kovac nach dem 0:0 gegen die Hanseaten. Doch weil es am Samstag nicht nur freudige Gesichter, sondern auch Tränen gab, wie Kovac über den tief betrübten Makoto Hasebe sagte, wurde umdisponiert. „Wir haben nach reiflichen Überlegungen entschieden, dass Makoto doch arthroskopiert werden soll. Wir wollen genau wissen, was mit seinem Knie ist“, erklärte Kovac die am Samstagmorgen getroffene Entscheidung zu einer Operation in den kommenden Tagen. „Wenn er will, auch in Japan.“ Dadurch war der Weg für Russ frei.

          Kein Ausflug zur Nationalmannschaft

          „Der Trainer hatte mich gefragt, ob ich es mir zutraue, von Beginn an zu spielen. Ich habe ja gesagt“, teilte Russ nach seinem 81-minütigen Auftritt gegen Hamburg mit. Nach einer kurzen Anlaufphase, „in der ich erst mein Navigationssystem einstellen musste“, wie Russ selbstkritisch erwähnte, kam der Innenverteidiger mehr und mehr ins Spiel. „Ich war zwar etwas wacklig auf den Beinen.“ Aber das legte sich von Minute zu Minute. Bis kurz vor Schluss hielt Russ durch. „Ich wäre gerne bis zum Ende dabei gewesen“, sagte Russ. „Aber die Waden haben zugemacht. Es war dem Platz geschuldet.“ Möglicherweise aber auch der Belastung, der sich der 31-Jährige gegen die unangenehm zu bespielenden Hamburger ausgesetzt sah. „Ich hätte mich nicht beschwert, wenn ich noch nicht von Beginn an ins Spiel gekommen wäre. So bin ich halt ins kalte Wasser geworfen worden.“

          Ein Stück weit wurde auch Marco Fabiàn ins kalte Wasser geworfen. Denn für den flinken Mexikaner war die Partie gegen den HSV die erste längere Prüfung seit knapp drei Monaten. Letztmalig war Fabiàn beim Heimsieg gegen Mainz in der Startelf dabei gewesen, am vergangenen Samstag bei den Bayern gab er sein Kurz-Comeback. „Es geht mir gut“, ließ Fabiàn nach der Nullnummer gegen den HSV von einem Dolmetscher aus dem Spanischen übersetzen. Neunzig Minuten lang durfte oder konnte er spielen. „Das gibt mir Selbstvertrauen, dass ich bald wieder bei hundert Prozent bin.“ Hundert Prozent Leistung – der Eintracht würde dies guttun, denn kreative Momente, für die der trickreiche Mexikaner steht, hat es in den vergangenen Monaten nicht gerade im Überfluss gegeben.

          Fabiàn ist einer aus dem dezimierten Frankfurter Tross, der sich besonders darüber freut, dass im Liga-Alltag der Betrieb wegen der zweiwöchigen Länderspielpause ruht. „Ich habe Zeit, mich zu sammeln. Ich will noch fitter werden.“ Auch deshalb verzichtet der Mittelfeldmann nach Rücksprache mit seinen Trainern auf einen Ausflug zur mexikanischen Nationalmannschaft.

          Von unten wird geschoben

          Wie es mit Fabiàn und dem Rest des Kovac-Teams weitergeht, wird für jedermann sichtbar erst von Mittwoch an zu begutachten sein. Der Trainer hat seiner Mannschaft nach dem 0:0, das allenthalben für Erleichterung nach zuletzt fünf Niederlagen nacheinander sorgte, zwei Tage freigegeben. Am Dienstag treffen sich all diejenigen, die nicht mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz sind, wieder in Frankfurt, wo zunächst hinter verschlossenen Türen gearbeitet wird. Der eine oder andere spielende Angestellte des Tabellensiebten wird dann vielleicht auch erkannt haben, was Rückkehrer Russ schon nach dem Remis gegen den HSV aufgefallen war. „Drei Punkte gegen Hamburg, das kann man nicht einfach so locker-flockig einplanen“, sagte der Interims-Kapitän. „Ich habe deshalb auch immer einen Blick nach unten.“

          Dorthin, wo es im letzten Tabellendrittel der Bundesliga über die Maßen und jenseits der beiden letzten Plätze so eng wie seit Jahren nicht mehr zugeht. Wenn man berücksichtigt, dass der Viertletzte schon 29 Punkte hat, ist der Punktgewinn der Eintracht von großem Wert. Der Vorsprung beträgt sieben Zähler. „Wir haben gegen einen starken HSV gespielt und gehen zufrieden in die Pause“, sagte Kovac. „Dieser eine Punkt ist schön und sehr wichtig für uns.“ Kovac sah sich zugleich darin bestätigt, dass man in dieser Saison vermutlich wirklich vierzig Punkte holen muss, um frei von jeglichen Abstiegssorgen zu sein. „Ich wiederhole mich. Wir müssen erst die ominösen vierzig Punkte holen“, sagte der Fairplay-Preisträger des deutschen Sports. „Solange gehen die Blicke nach unten. Denn die von unten schieben ganz schön.“

          Quelle: F.A.Z.

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