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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Eintracht Frankfurt Nur noch zweite Wahl

 ·  Weder Kessler noch Lehmann haben sich bei der Eintracht einen Stammplatz erkämpft. Sie glauben trotzdem an eine Zukunft in Frankfurt.

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Thomas Kessler und Matthias Lehmann waren im vergangenen Sommer unter den ersten von am Ende mehr als einem Dutzend neuer Spieler bei der Frankfurter Eintracht. Diese beiden Verpflichtungen wurden allgemein als guter Start für Sportdirektor Bruno Hübner gewertet. Dessen Kenntnisse von der Zweiten Fußball-Bundesliga schienen mit den beiden Neuen vom FC St. Pauli erste Früchte zu tragen. Jetzt, mehr als ein halbes Jahr später, wird Hübner noch immer ein „glückliches Händchen“ bei seiner Einkaufspolitik attestiert, Kessler und Lehmann aber gehören nicht mehr unbedingt zu den Volltreffern. Beide Profis, in der vergangenen Spielzeit noch Stammkräfte beim damals erstklassigen FC St. Pauli, sind in der Zweitklassigkeit in Frankfurt nur noch zweite Wahl. Ihre Rückkehr am Montag an die alte Wirkungsstätte am Millerntor wird keine triumphale sein, eher eine aus persönlicher Sicht traurige.

Torwart Kessler und Mittelfeldspieler Lehmann konnten die Erwartungen in Frankfurt bisher aus unterschiedlichsten Gründen nicht erfüllen. Dementsprechend klug haben sie sich bisher vor der Partie bei ihrem ehemaligen Klub mit Interviews und Aussagen zurückgehalten. Die Bilanzen der beiden Spieler sind bescheiden und an den eigenen Ansprüchen gemessen auch ernüchternd. Kessler ist auf vier von achtzehn möglichen Einsätze gekommen, hat lediglich 321 Spielminuten absolviert. Lehmann wurde in vierzehn Begegnungen eingesetzt und hat 741 Minuten gespielt. Vom Status des Stammspielers sind beide weit entfernt.

Zu Beginn der Saison ein Vertrauensvorschuss vom Trainer

Was besonders beim 28 Jahre alten Lehmann durchaus erstaunlich ist. Er galt und gilt als Zweitligaspieler mit gehobenem Niveau, als ein Profi, der andere mitreißen kann. Bei der Eintracht hat er bisher noch keinen mitgerissen. Fünf Tore waren ihm - erprobt in 233 Bundesligaspielen - in der vergangenen Saison gelungen, keinen einzigen Treffer hat er bisher für die Eintracht erzielt. Und niemand kann sich erinnern, dass Lehmann einem Treffer wenigstens nahe gewesen wäre. Von seiner gerühmten Schusskraft war nichts zu sehen. Trainer Armin Veh hatte zu Beginn ganz auf den Neuen aus Hamburg gebaut und ihn in den ersten sieben Begegnungen jeweils von Beginn an aufgestellt. Die Eintracht hat durchaus auch erfolgreich gespielt, und doch hatte Lehmann nach dem Auswärtsspiel in Cottbus seinen Stammplatz verloren.

Die ganz persönliche Lehmann-Pleite hängt auch mit einer Systemumstellung zusammen, nachdem die Eintracht mit Mohamadou Idrissou und Rob Friend zwei neue Stürmer geholt hatte. Seitdem wird nicht mehr im 4-2-3-1-System gespielt, also mit zwei sogenannten „Sechsern“, sondern in einem eher klassischen 4-4-2-System. Und darin scheint für Lehmann kein Platz mehr zu sein. Der Trainer, der am Freitag das Training kurzerhand in eine Halle verlegt hatte und Basketball spielen ließ, zählt Lehmann noch immer zum engeren Stamm der Mannschaft und ist überzeugt, „dass er noch kommt“. Was so viel heißen soll, dass Lehmann durchaus noch Chancen habe, seine wahre Leistungsfähigkeit im Frankfurter Trikot zu beweisen. Veh denkt sogar darüber nach, Lehmann gegen St. Pauli eine neue Gelegenheit zu geben. Nicht selten bringen Spieler gegen den ehemaligen Klub außergewöhnliche Leistungen. Nicht selten gelingt ihnen ausgerechnet dann ein Tor. Die Eintracht könnte das sicher gebrauchen, Lehmann aber auch.

Auch Torwart Kessler hatte zu Beginn der Saison einen Vertrauensvorschuss. Veh stellte ihn in den ersten beiden Spielen gegen Fürth und St. Pauli auf, doch danach war es vorbei mit dem Vertrauen. Routinier Oka Nikolov hat sich den Platz zwischen den Pfosten zurückgeholt und ihn auch nach einer kurzfristigen Verletzungspause sofort wieder zurückbekommen. Kessler wird auf St. Pauli nur auf der Bank sitzen. Den Kampf um das Eintracht-Tor aber hat er noch nicht aufgegeben. „Ich würde sehr gerne hierbleiben“, sagt er. „Ich bin überzeugt, dass ich der Eintracht noch helfen kann.“ Dazu bieten sich ihm zwei Möglichkeiten: Entweder er gewinnt den Konkurrenzkampf mit Nikolov in der Winter-Vorbereitung oder die Eintracht verlängert den zum Saisonende auslaufenden Leihvertrag per Option um drei Jahre. „Ich wäre dazu bereit“, sagt Kessler. Beim Kollegen Lehmann sind die vertraglichen Angelegenheiten klar geregelt. Er hat einen Vertrag bis 2014. Was wirtschaftliche Sicherheit bietet - aber sportlich die Lage nicht angenehmer macht.

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