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Eintracht Frankfurt : Neustart mit Seitfallzieher

Zurück im Frankfurter Schneetreiben: Eintracht-Profi Martin Amedick ist nach sechs Monaten Pause wieder da. Bild: imago sportfotodienst

Zum Ende der Winterpause meldet sich Martin Amedick im Training der Eintracht zurück. Sein Erschöpfungssyndrom hat er überstanden.

          Ein paar Stunden noch. Dann ist die 33 Tage währende Winterpause Geschichte, und dann darf auch die Frankfurter Eintracht wieder unter erstklassigen Bedingungen gegen den Ball treten. Endlich Rückrundenbeginn, endlich Bundesliga. In Frankfurt freuen sie sich auf den neuen Start im neuen Jahr. Beim Tabellenvierten, ausgestattet mit dreißig Punkten, ist die Zuversicht groß, dass in den folgenden siebzehn Spielen mehr möglich sein könnte als „nur“ das vordringliche Ziel Klassenverbleib. Während der sonnigen Vorbereitungstage von Abu Dhabi hat selbst der ansonsten zur Vorsicht neigende Vorstandschef Heribert Bruchhagen seine Zurückhaltung aufgegeben und den Sprung nach Europa als Wunschziel ins Visier genommen.

          Mögliche Spiele auf internationaler Bühne? Für einen wie Martin Amedick sind das Traumgebilde. Der Fußballprofi ist schon froh, dass er überhaupt wieder seinem Beruf nachgehen kann - und wenn es in diesen Tagen nur darum geht, einigermaßen Anschluss zu finden. Gut sechs Monate lang hat man von dem Frankfurter Innenverteidiger nichts gehört und nichts gelesen. Nachdem Amedick im vergangenen Sommer wegen eines „temporären Erschöpfungssyndroms“ krankgeschrieben worden war, war es um ihn ruhig geworden. Jetzt ist er wieder da. Donnerstag war für ihn der ganz persönliche Tag der Tage, an dem der mittlerweile 30 Jahre alte Verteidiger im Kreis der Kollegen auf dem Platz gestanden hat. „Mir geht es gut“, sagte er mit einem dezenten Strahlen im Gesicht, als er bei frostigen Temperaturen auf dem Weg in die Kabine einen kurzen Stopp einlegte. „Ich freue mich, dass ich wieder dabei sein kann.“ Amedick will nichts überstürzen. „Ich will wieder reinkommen und mich an die Abläufe gewöhnen“, sagte er.

          Eigentlich sollte alles ganz anders laufen

          Behutsam und mit Bedacht - Amedick will keine Fehler und nicht zu viel auf einmal machen. „Ich muss wieder ein Gefühl für das Timing bekommen“, sagte er. „An den Ball muss ich mich erst wieder gewöhnen.“ Vielleicht hat der Innenverteidiger sein Trainingscomeback am Donnerstag auch deshalb ein bisschen in die Länge gezogen. Während es nämlich die meisten der Spieler wie Trainer Armin Veh machten und schnell Unterschlupf im warmen Mannschaftstrakt in der Frankfurter Arena suchten, ließ sich Amedick von Rehatrainer Michael Fabacher fleißig Bälle zuwerfen. Eine leichte Übung für einen Fußballspieler, der unbedrängt an Körperhaltung und Fußstellung marginale Korrekturen vornehmen konnte, um die Bälle sauber zurückzuspielen. Ein paar Minuten zuvor, als das Gros der zweiten Eintracht-Garnitur nach Herzenslust flanken und schießen durfte, glückte Rückkehrer Amedick ein wunderbares Tor. Ein Seitfallzieher von ihm schlug unhaltbar ein. „Das Ding habe ich schön reingemacht“, freute sich der lange Blondschopf diebisch.

          Martin Amedick und die Eintracht - eigentlich sollte alles ganz anders laufen. Doch der im vergangenen Winter vom 1. FC Kaiserslautern nach Frankfurt gewechselte Verteidiger konnte sich nie einen Stammplatz erkämpfen. Dabei fühlte er sich bei den Hessen bestens aufgehoben. „Ich bin hier bei einem Riesenverein mit tollen Strukturen“, sagte Amedick bei seiner Vorstellung. Sportlich jedoch entwickelte es sich alles andere als erfreulich für ihn. Nach einer schwachen Leistung in seinem ersten Spiel warfen ihn Verletzungen zurück. Erst eine Zerrung, dann ein Muskelfaserriss. Amedicks ernüchternde Bilanz nach einer Halbserie: zwei Einsätze nur. Dann im Sommer das „Erschöpfungssyndrom“. Nun ist er wieder da. „Sein Laktatwert war in Ordnung“, sagte Trainer Veh. Die körperliche Grundvoraussetzung also scheint zu stimmen, um sich wieder langsam der Mannschaft zu nähern.

          Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

          Dass Amedick derzeit keine Rolle spielt, weiß er. In der Innenverteidigung, die an diesem Samstag beim Rückrundenauftakt in Leverkusen (Anpfiff 15.30 Uhr) gegen die angriffslustigen Bayer-Profis (33 Tore wie die Eintracht) besonders gefordert sein dürfte, sind die Plätze fest vergeben. Carlos Zambrano auf rechts darf sich Abwehrchef nennen. Sein Nebenmann beim Rückrundenstart wird der Wolfsburg-Rückkehrer Marco Russ sein. Bamba Anderson, wieder genesen von einer Bauchmuskeloperation, hat seinen Trainingsrückstand aufgeholt und sitzt dem immer noch zum Wankelmut neigenden Russ im Nacken.

          An diesem Freitag, an dem die Eintracht wie vor Spielen üblich unter Ausschluss der Öffentlichkeit die letzte Trainingseinheit absolviert, wird Trainer Veh auch wieder seine Stammelf beisammen haben. Am Donnerstag blieben mit Ausnahme von Russ und Linksverteidiger Bastian Oczipka alle Spitzenkräfte im Warmen. Stabilitätsübungen statt Flanken und Torschüsse. „Ich war der Ansicht, dass die Jungs nicht in die Kälte und besser etwas anderes in der Wärme machen sollten“, sagte Veh. Am Samstag darf dann wieder gemeinschaftlich gefroren werden.

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