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Eintracht Frankfurt Mit Cleverness und Kälte

Das 5:1 der Frankfurter Eintracht im Ostseestadion ist nach elf Jahren ohne Erfolg über Rostock und nach vier Monaten ohne Auswärtssieg eine Erlösung.

© dpa Vergrößern Zeigt mal wieder, was er kann: Benjamin Köhler macht beim fröhlichen Frankfurter Toreschießen in Rostock den Anfang.

Hansa Rostock, ein Angstgegner für die Frankfurter Eintracht? Das war einmal, viele Jahre sogar. Doch spätestens seit Sonntag, seit dem ungefährdeten 5:1-Auswärtserfolg der Hessen an der Ostseeküste, dürften diese negativen Erinnerungen der Vergangenheit angehören. Kurios, aber wahr: Elf Jahre lang hat die Eintracht darauf warten müssen, bis ihr seit jenem 4. Februar 2001 endlich wieder ein Sieg in Rostock gelang. „Der war natürlich verdient“, sagte Trainer Armin Veh. „Aber er war zu hoch.“ Vo6r allem auch deshalb, weil sich die Eintracht trotz der 2:0-Pausenführung, herausgeschossen durch Benjamin Köhler (13.) und Gordon Schildenfeld (42.), im ersten Spielabschnitt ungemein schwer tat. „Die Zuspiele von hinten ins Mittelfeld waren nicht präzise genug“, klagte Heribert Bruchhagen zur Halbzeit und warnte: „Dieses Spiel ist noch lange nicht entschieden.“ 45 Minuten später - und spürbar erleichtert - durfte sich der Vorstandschef korrigieren. „Wir haben klar verdient gewonnen.“

Dass die Eintracht gegen Ende mit den überforderten Rostockern Katz und Maus spielte und durch Sonny Kittel (77.), Sebastian Rode (84.) und Mohamadou Idrissou (87.) auf 5:1 erhöhte, war Ausdruck der spielerischen Klasse der Frankfurter. „Wir haben gewusst, dass die Eintracht das kann“, analysierte Hansa-Coach Wolfgang Wolf nach dem neuerlichen Rückschlag des Tabellenletzten. „Zum Schluss hat die Eintracht Cleverness und Kälte vor dem Tor gezeigt.“ Weil die Konkurrenz aus Fürth, Düsseldorf und Paderborn vorgelegt hatte, war die Eintracht vor der Reise in den Norden kurzfristig auf Tabellenposition vier abgerutscht. Eine Situation, die den spannenden Aufstiegskampf in der zweiten Liga wie kaum zuvor charakterisiert. Als Eintracht-Trainer Veh nach der Rückkehr auf Platz zwei, einen Punkt hinter Branchenprimus Greuther Fürth liegend, gefragt wurde, ob er lieber vorlegen oder nachlegen möchte, sagte er: „Ich will die Spiele gewinnen.“ Eine Einschätzung, die sich auch Vorstandschef Bruchhagen zu eigen machte. „Wir sind ja Woche für Woche zum Siegen gezwungen und haben keine Alternative, denn die anderen gewinnen ja auch.“ Dieser Sieg an der Küste jedoch, begutachtet von 13.300 Zuschauern in der nur zur Hälfte gefüllten Arena, war ein ganz besonderer. Es war der erste Erfolg in der Fremde seit dem 2:1 beim FC Erzgebirge Aue am 7. November. Gut vier Monate ist das schon her. Dass ausgerechnet beim langjährigen Angstgegner Hansa die Wende kommen würde, hatte Pirmin Schwegler geahnt. „Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Angst“, sagte der Frankfurter Kapitän. „Dieses 5:1 ist ein gutes Geschenk für mich.“

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Ein gefragter Interviewpartner

Zur Erinnerung: Am Freitag war der 25. Geburtstag des Schweizers. Zwei Tage später holte er sich die „drei wichtigen Punkten. Es war wieder eine Etappe für uns.“ Auch Schwegler wollte nicht leugnen, dass der Erfolg am 25. Spieltag zu hoch ausgefallen ist. „Das 2:1 war ein Hallo-Wach für uns“, sagte er. „Jedes Spiel hat seine Gefahren, und Hansa kämpft ums Überleben.“ Der Kampf der Eintracht ist von anderer Qualität. Beseelt von der Hoffnung, vom Sommer an wieder erstklassig Fußball spielen zu dürfen, darf sich Vehs Mannschaft so gut wie keine Blöße geben. Eben weil auch die Mitbewerber um die Klassenversetzung im Wochenrhythmus punkten, sind konstante Leistungen unabdingbar. Beim 5:1 in Rostock gab es dabei Überraschendes zu sehen. Nicht Heiko Butscher, sondern der in der Hinrunde unangefochtene Schildenfeld fand sich in der Startelf wieder. Eine Entscheidung, zu der sich Veh kurzfristig durchgerungen hatte. „Das ist mir einfach so eingefallen“, sagte er vor dem Rückflug in die Heimat. Trainingsbeobachtungen hätten eine Rolle gespielt, die Rückbesinnung auf vergangene Tage auch. Gemeinsam mit Bamba Anderson stand Schildenfeld schließlich viele Monate lang seinen Mann. „Die anderen haben fast nie zusammengespielt.“ Mit ihnen dürfte Veh die Neuzugänge Martin Amedick und Heiko Butscher gemeint haben. Butscher durfte noch ein bisschen Siegesluft schnuppern, als schon alles entschieden war: in der 85. Minute kam er für Linksverteidiger Constant Djakpa. Wenn der in der zweiten Hälfte immer stärker aufspielende Alexander Meier eine seiner vielen Möglichkeiten genutzt hätte (59., 60., 74.), hätte die Eintracht sogar das halbe Dutzend voll machen können. Andererseits: Die Frankfurter hatten Glück, dass die Rostocker durch ihren auffälligsten Angreifer Freddy Borg nur die Latte trafen (81.). Zudem konnten sie sich auf Oka Nikolov verlassen, der glänzend gegen Tobias Jänicke parierte (27.). Und als sich der Eintracht-Schlussmann einmal verschätzte und den Ball fallen ließ, stand Köhler auf der Linie und klärte (34.).

Vorne ein Tor mit dem schwachen rechten Fuß erzielt, hinten eines mit dem linken Knie verhindert - Köhler war nach dem 5:1 ein gefragter Interviewpartner, der stellvertretend für seine Mannschaftskollegen sagte: „Wenn es in der zweiten Liga so weiter geht, müssen wir bis zum letzten Spieltag zittern.“

Quelle: F.A.Z.

 
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