Die Flüge sind gebucht. Carlos Zambrano genießt ein Sonderrecht. Während sich nämlich seine Nationalmannschaftskollegen nach dem Testländerspiel in Costa Rica wieder auf den Heimweg in die Anden machen, fliegt der Innenverteidiger der ersten peruanischen Auswahl nach Frankfurt. „Wir erwarten ihn in der Nacht zum Freitag“, sagte am Mittwoch Bruno Hübner. Der Sportdirektor der Frankfurter Eintracht sieht endlich Licht am Ende des Tunnels. „Alle Zusagen, dass wir diesen Transfer abwickeln wollen, liegen uns vor“, bestätigte Hübner. „Nur die Unterschriften fehlen noch.“ Eine Formalie, wie Hübner am Rande des Trainings versicherte, zu dem Chefcoach Armin Veh aus gegebenem Anlass morgens um zehn Uhr seine insgesamt nur sechzehn anwesenden Spieler gebeten hatte. Die Szenerie, die sich vor der Haupttribüne bot, wirkte ein wenig gespenstisch: kein einziger Zuschauer, nur eine Handvoll Reporter. Weil am Abend die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien spielte, war das Areal rund um die Arena schon Stunden vorher weiträumig abgesperrt.
Nicht nur der Peruaner Carlos Zambrano wird zukünftig die Wege im Frankfurter Stadtwald ein bisschen besser kennenlernen. Auch der Kameruner Dorge Kouemaha wird demnächst sein Geld beim Bundesliga-Rückkehrer Eintracht verdienen. Dass er sich einmal einen Achillessehnenriss zugezogen hat, ist den Frankfurter Ärzten nicht verborgen geblieben. „Doch da ist alles okay jetzt“, sagte Hübner, der Kouemaha schon seit Jahren kennt. Als der Sportdirektor noch Manager beim MSV Duisburg gewesen war, holte er den Stürmer aus Ungarn zu den zweitklassigen „Zebras“. Hübner ist sicher, einen verlässlichen Mann bekommen zu haben, „der bei all seinen Vereinen während einer Saison immer zweistellig getroffen hat. Das muss man erst mal schaffen.“ Anders als Zambrano, der gekauft wird, einen Dreijahresvertrag bei den Hessen erhält und im besten aller Fälle schon an diesem Sonntag beim Pokalspiel in Aue mitwirken könnte, wird Kouemaha im Rahmen eines Ausleihgeschäfts an die Eintracht gebunden. „Er soll ein Jahr bei uns bleiben“, bestätigte Hübner.
Keine Perspektive für Rob Friend.
„Für die Zeit danach besitzen wir eine Kaufoption.“ Den obligatorischen sportmedizinischen Check absolvierte der als Ergänzungsspieler vorgesehene Stürmer schon. „Nur die Auswertung der Blutwerte fehlt noch“, sagte Hübner. Wunderdinge werden von dem zuletzt für den FC Brügge spielenden Kouemaha bei der Eintracht nicht erwartet. „Er ähnelt Olivier Occean im Spiel eins zu eins“, berichtete der Sportdirektor. „Er kann den Ball gut halten und ist ein Stoßstürmer.“ Wichtig auch: „Er ist charakterlich einwandfrei.“ Soll heißen: Wenn er, wie es von Veh geplant ist, als Backup auf der Auswechselbank Platz nimmt und zwischen „acht und zwölf Mal“ für den Kanadier Occean in das laufende Spiel kommt, soll es keine Unzufriedenheiten oder missmutigen Töne geben. Eine Annahme, die für Mohamadou Idrissou nicht unbedingt galt, weshalb man den Afrikaner unter anderem deshalb nach Kaiserslautern ziehen ließ: „Kouemaha weiß, dass er bei uns öfter zuschauen muss“, sagte Hübner.
Überhaupt keine Perspektive bei den Frankfurtern hat bekanntermaßen Rob Friend. Der Kanadier, vor ziemlich genau einem Jahr als gewünschter Angreifer verpflichtet und als „Stoßstürmer“ angepriesen worden, spielt nach wie vor keine Rolle in Vehs und Hübners Planungen. Bis zum 31. August noch besteht die Möglichkeit, Friend einen Wechsel zu einem anderen Klub attraktiv zu machen. Allein: Friend verspürt keinerlei Ambitionen, seinen gutdotierten Vertrag bei der Eintracht aufzulösen. „Wenn es nichts mit einem Wechsel wird“, so Hübner, „steht ihm laut Vertrag ein professionelles Training zu. Einen lizenzierten Trainer für ihn werden wir dann schon finden.“