Die Auflösung kam am Tag danach. Carlos Zambrano, einer der beiden Innenverteidiger der Frankfurter Eintracht, musste bei der 1:2-Niederlage in Stuttgart auch deshalb in der 84. Minute seinen Dienst quittieren, weil ihm ein Zeh gebrochen war. „Er konnte überhaupt nicht mehr laufen“, hatte sein Trainer Armin Veh noch am Sonntag an alter Meisterstätte gesagt. Am Montag nun, nach eingehenden medizinischen Untersuchungen, wurde die Ursache gefunden. Der Zehenbruch trifft Zambrano ebenso wie die Eintracht, denn der peruanische Nationalspieler wird nach ersten Prognosen „wohl maximal vier Wochen“ pausieren müssen, wie der Klub am Mittag verlauten ließ.
Zambrano und die Eintracht - das war ganz nach dem Geschmack von Trainer Veh, der schon länger ein Auge auf den zuvor beim FC St. Pauli unter Vertrag stehenden Abwehrmann geworfen hatte. Der Transfer zur Eintracht hatte sich im Sommer zwar ein wenig hingezogen. Doch als Zambrano Ende August in Frankfurt eintraf, war er sofort erste Wahl. Veh schenkte ihm das uneingeschränkte Vertrauen, an der Seite von Bamba Anderson die wichtige Innenverteidigung zu bilden. Im ersten Bundesligaspiel stand er folgerichtig in der Startelf - und behauptete diese Position Woche für Woche.
Veh: „Rob hat sich nichts zu schulden kommen lassen“
Zambranos Ausfall reißt ein Loch in den Frankfurter Defensivverbund, und es ist nun an Vadim Demidov, diese Lücke zu schließen. Der Norweger mit lettischen Wurzeln, der noch beim Pokalaus in Aue einen schlechten Tag erwischt hatte, zeigte bei seinem Bundesligadebüt vor drei Wochen in Mönchengladbach eine solide Vorstellung. Für die Partie bei der Borussia hatte Demidov sogar darauf verzichtet, mit der norwegischen Nationalmannschaft um wichtige Punkte auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien zu spielen. „Ich muss mich auf meine Arbeit in Frankfurt konzentrieren“, teilte er Nationalcoach Egil Olsen frühzeitig mit. Nun erhält der 26 Jahre alte Demidov binnen eines Monats die zweite Chance, sich mit Nachdruck bei der Eintracht zu empfehlen.
Auch Rob Friend würde gerne vor einem größeren Publikum zeigen, was er kann. Doch der Kanadier weiß, dass er keine Möglichkeit erhält, für die Eintracht am Ball zu sein. Im internen Stürmerranking liegt Friend bei Veh auf dem letzten Platz. „Rob hat sich nichts, aber auch gar nichts zu schulden kommen lassen“, sagt der Frankfurter Trainer. Doch die Planungen laufen ohne Friend, der noch einen finanziell lukrativen Vertrag bis zum Sommer 2014 besitzt. Auch deshalb zieht es den Kanadier nicht weg aus Frankfurt - im Gegenteil. Dem „Kicker“ sagte Friends Berater Andreas Kirsch, dass man sich sogar Einsätze in der Regionalligamannschaft vorstellen könne, um Spielpraxis zu sammeln. „Zunächst ist es nur eine Idee von uns. Aber ich glaube, sie fällt auf fruchtbaren Boden.“ Das Reserveteam der Eintracht, aktuell mit elf Punkten aus vierzehn Spielen auf Tabellenposition neunzehn geführt, kämpft als Letzter gegen den Abstieg aus der Regionalliga Südwest. Zuletzt kam dort schon Sonny Kittel zum Einsatz, der derzeit ebenfalls kaum Möglichkeiten hat, sich im Bundesligateam zu empfehlen.
Pirmin Schwegler ist „ein super Typ“
Während Zambranos Rückkehr erst in gut vier Wochen erwartet wird, rechnet Eintracht-Trainer Veh im Fall Pirmin Schwegler mit einer weitaus schnelleren Genesung. Beim 1:2 in Stuttgart wurde der unter Adduktorenproblemen leidende Frankfurter Kapitän als Antreiber und Spielgestalter vermisst. Nebenmann Sebastian Rode, der sich auf den neuen Interimspartner Martin Lanig einstellen musste, war oft auf sich alleine gestellt. Dadurch wurde dem Frankfurter Spiel einiges von seiner Wirkung genommen.
„Natürlich fehlt uns Pirmin“, sagte Ersatzspielführer Alexander Meier in Stuttgart. „Er ist ein super Typ. Aber das soll jetzt keine Ausrede für unsere Niederlage sein“, fügte der Schütze des einzigen Frankfurter Tores hinzu. „Unser Auftritt in der zweiten Halbzeit war okay.“ An diesem Freitag, wenn Zweitligameister und Mitaufsteiger Spielvereinigung Greuther Fürth nach Frankfurt kommt (Anpfiff 20.30 Uhr), soll Schwegler wieder mit von der Partie sein. Das wäre gut für Rode - und für die Eintracht.