Aus drei macht zwei. Im Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG kommt es zu einer Verschlankung und Verjüngung. Spätestens zum 1. Juli 2012, wenn Finanzvorstand Thomas Pröckl gemeinsam mit dem ehrenamtlich tätigen Eintracht-Vizepräsidenten Klaus Lötzbeier seinen Posten räumt, wird es ein Duo geben - mit dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen als altem und neuem Chef. Der Vertrag des 63 Jahre alten Bruchhagen ist jetzt vom Aufsichtsrat für weitere zwei Jahre bis zum 30. Juni 2014 verlängert worden. Neuer Partner in der Führung wird Axel Hellmann. Der 40 Jahre alte Vizepräsident und Geschäftsführer des Mehrheitsgesellschafters und Muttervereins Eintracht e. V. wird Pröckls Nachfolger mit den Kernzuständigkeiten Finanzen und Organisation. Der Vertrag des gelernten Juristen läuft bis 2015. „Nachfolger von Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzender wird Axel Hellmann aber nicht“, bestätigte Aufsichtsratschef Wilhelm Bender. Beide Personalentscheidungen - Bruchhagens Verlängerung und Hellmanns Bestellung - seien von den neun Aufsichtsratsmitgliedern „einstimmig und einmütig“ erfolgt. Mit einer Ausnahme: Hellmann selbst hat sich bei seiner Wahl der Stimme enthalten. Dafür will der Frankfurter, Vater von zwei Jungen, vor allem zu Themen der „Verzahnung“ immer wieder das Wort ergreifen. „Wir brauchen eine bessere Zusammenarbeit zwischen Verein und AG“, sagte Bender über eine der wesentlichen Zukunftsherausforderungen. „Wir haben ein tolles Leistungszentrum“, betonte der langjährige Vorstandschef von Eintracht-Hauptsponsor Fraport. „Aber nicht alle Spieler finden den Weg zu Eintracht Frankfurt. Für junge Leute müssen wir noch attraktiver werden.“ Zusätzlichen Schub erhofft sich Bender, „wenn wir unser Ziel, wieder in der Normalität der Bundesliga zu spielen, erreicht haben“.
Bruchhagen, seit dem 1. Dezember 2003 „das Gesicht der Eintracht in der Frankfurter Stadtgesellschaft und der Region“ (Bender), ist froh, „dass wir nun endlich Klarheit haben. Schließlich treffe ich täglich Entscheidungen, die über den 30. Juni 2012 hinaus Bestand haben.“ Damals wie heute und auch zukünftig ist Bruchhagens Posten mit Richtlinienkompetenz ausgestattet. „Es stimmt, ich habe einen Stern mehr. Aber ich habe nie davon Gebrauch gemacht. Thomas Pröckl hat kongenial an meiner Seite gestanden“, sagte er. Bruchhagen machte kein Geheimnis daraus, dass er sich seinem designierten Vorstandskollegen Hellmann nicht gerade freundschaftlich verbunden fühlt. „Es gab Reibungen.“ Doch er versprach, „dass wir keine Nebenkriegsschauplätze mehr haben. Wir sind sachorientiert. Es wird schon kollegial, integer und gut zusammengearbeitet. Auch zukünftig werden alle Entscheidungen Kollegialentscheidungen sein.“ Andererseits betonte Bruchhagen: „Der Vorstand ist keine Selbstfindungsgruppe. Für AG und Verein soll er Erfolg bringen. Wichtig ist, dass wir uns in der Bundesliga etablieren, die Finanzen konsolidieren und die Integration der Fanbewegung vorantreiben.“ Bruchhagens Credo: „Wer vorgibt, Eintracht zu lieben, muss es auch zeigen.“
„Ich bin total happy“
Der zukünftige Vorstand Hellmann, der bei der Mitgliederversammlung am 1. Dezember abermals als einer der Stellvertreter von Präsident Peter Fischer kandidiert, seinen Geschäftsführerposten aber gleichwohl vom Juli 2012 an aufgibt, hat sich in den vergangenen Wochen etliche Male mit Bruchhagen über aktuelle und zukünftige Ausrichtungen verständigt. Wie nicht anders zu erwarten, „werde ich den Grundsatz ordentlichen Wirtschaftens nicht verlassen“, bestätigte er. Der Rechtsanwalt rechnet 2012 „mit größten Herausforderungen“ und freut sich, bei der Problemlösung „mithelfen zu dürfen“. Marketing, Stadionmiete: Hellmann sieht einige Arbeitsfelder, in denen zusätzliche Einnahmen generiert beziehungsweise Gelder gespart werden können.
Präsident Peter Fischer, der am Mittwoch auf dem Podium in den Katakomben der Frankfurter Arena mit Bender, Bruchhagen und Hellmann den Kreis der administrativ wichtigsten Eintracht-Männer bildete, sprach von einem „guten Tag. Ich bin total happy“, sagte der Zweimetermann später in kleiner Runde. „Aber energiemäßig am Ende.“ Fischer erzählte, die Neuaufstellung der AG-Spitze sei die Frucht eines „langen Prozesses“ gewesen, der sich über Wochen hingezogen habe. „Und nichts davon ist durchgesickert.“