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Eintracht Frankfurt : Hundert Prozent Boateng

Taktik, Geschwindigkeit, Explosion: Prince Boateng will den Adlerträgern die Richtung vorgeben Bild: dpa

Der Frankfurter Neuzugang Kevin Prince Boateng fühlt sich in der Rolle des Anführers wohl. Gegen den FC Augsburg erwartet er den nächsten Sieg für die Eintracht.

          Der Prozess steht vor der Vollendung. „In ein, zwei Wochen bin ich bei hundert Prozent.“ Die Art und Weise, wie Kevin-Prince Boateng über seinen derzeitigen Fitnesszustand spricht, lässt keinen Raum für Zweifel. „Wir haben zwölf, dreizehn Jahre in diesem Job, und stets gilt die Vorgabe, immer hundert Prozent zu geben.“ Seitdem der prominenteste Neuzugang der Eintracht für den Frankfurter Bundesligaverein am Ball ist, geht er mit großem Eifer seiner Arbeit nach. Beim 1:0 in Mönchengladbach hat der 30 Jahre alte Deutsch-Ghanaer den Siegtreffer erzielt. Und wenn sich Boateng im Verbund mit seinen neuen Spielkameraden an diesem Samstag vor heimischem Publikum in der Partie gegen den FC Augsburg präsentiert, werden von ihm abermals Führungsqualitäten erwartet.

          Boateng weiß, dass mit seinem Transfer besondere Erwartungen verknüpft sind. Dass er das sonnige Urlauberparadies Gran Canaria gegen einen Arbeitsplatz im regnerischen und herbstlichen Frankfurt getauscht hat, findet er spannend. „Den Weg der Eintracht habe ich immer verfolgt“, sagt Boateng am Mittwoch. „Man hat überall auf der Welt mitbekommen, dass die Eintracht ja mal Dritter gewesen ist.“

          Geschichten vom Bad Boy

          Die zwischenzeitlichen Erfolge der vergangenen Hinserie sind Geschichte. Was zählt, auch in der eigenen Vita des Fußballprofis Kevin-Prince Boateng, ist der Blick auf die Gegenwart und die Zukunft. „Natürlich gibt es immer wieder welche, die die alten Schubladen aufmachen und die Geschichten vom Bad Boy rausholen“, sagt der Frankfurter Angreifer. „Das kann man machen, aber man muss es nicht machen. Ich gucke nicht zurück. Ich bin älter, reifer und erfahrener geworden und habe mich weiterentwickelt.“ Boateng weiß um die aktuelle Rolle, die ihm im System von Trainer Niko Kovac obliegt. „Ich bin da, um die Jungen zu führen.“

          Wobei dem 30 Jahre alten Familienvater grundsätzlich bewusst ist, dass ihm die neue Spielergeneration einiges voraus hat. „Die Jungspunde können laufen ohne Ende. Um auf dieses Level zu kommen, hilft mir meine Erfahrung. Aber im Endeffekt geht es nur um harte Arbeit.“ Um Dinge also, die Eintracht-Trainer Kovac besonders am Herzen liegen. „Niko fordert immer hundert Prozent von uns“, sagt Boateng, „in jedem Training. Niko ist jemand, der immer unter Strom steht.“

          Als Boateng 17 Jahre alt war, lernte er Kovac als Kollegen kennen. Dass er jetzt unter seiner Anleitung für die Eintracht die Fußballschuhe schnüren darf, empfindet er als eine ganz besondere Herausforderung. Ausgerechnet Kovac, ausgerechnet der Mitspieler aus einstigen Berliner Tagen, ist nun sein Chef. „Niko kennt mich genau. Er weiß, wie er mich führen muss“, sagt er. „Er fordert sehr viel.“ Boateng sagt aber auch, dass er den 45 Jahre alten, in Berlin geborenen Kroaten nicht unpässlich erleben möchte. „Sauer möchte ich ihn nicht sehen. Ich weiß, wie das ist. Aber das muss nicht sein.“ In Mönchengladbach hatte Kovac keinen Grund für schlechte Laune. Im Gegenteil. An der Stätte, an der er einst seinen Einstand als verantwortlicher Frankfurter Fußballlehrer gegeben und 0:3 verloren hatte, gab es diesmal ausnahmslos Grund zur Zufriedenheit.

          „Deutschland ist schlau“

          Boatengs Siegtor zum 1:0 hat der Eintracht einen halbwegs versöhnlichen Saisonstart gebracht, und vor dem Heimspiel gegen Augsburg an diesem Samstag (Anpfiff 15.30 Uhr) ist die Zuversicht schlagartig gestiegen, auch gegen die bayerischen Schwaben ein Ausrufezeichen zu setzen. Für Boateng steht außer Frage, dass der Sieger nur Eintracht Frankfurt heißen kann. Warum? „Weil wir zu Hause spielen, weil wir mehr Tore schießen und weniger bekommen – und weil wir uns auf unsere positiv verrückten Fans verlassen können.“ Obwohl Boateng wenige Wochen erst in Frankfurt wirkt und wirbelt, glaubt er erkannt zu haben, „dass die Stadt fußballverrückt ist. Wir wollen für positive Erlebnisse sorgen, damit die Fans glücklich sind.“

          In Mailand, also „um die Ecke“, wie er bei seiner Präsentation sagte, ist seine Familie noch zu Hause. Doch die Sache mit der Fliegerei zwischen Frankfurt und der lombardischen Millionenmetropole soll bald zu Ende sein. „Ich denke mal, dass wir in vier Wochen in Frankfurt ein Haus beziehen können“, sagt Boateng. Ganz nah bei der Familie: Auch das ist wichtig für seinen Wohlfühlfaktor. Boateng ist angetan davon, dass er wieder in der Bundesliga Fußball spielen darf. „Deutschland ist schlau. Taktik, Geschwindigkeit, Explosion: Es packt sich das Beste aus allen anderen Ligen rein.“

          Der neue „Leader“ der Eintracht will auch weiterhin seinen Beitrag dazu leisten, dass der Klub ein gewichtiges Wörtchen im Kreis der Besten mitsprechen kann. „Unser Ziel muss es sein, konstant zu spielen.“ Ein Auf und Ab, wie es in der vergangenen Saison war, soll es nicht mehr geben. „Wenn wir diese Konstanz erreichen, kann es am Ende der Spielzeit die Mitte sein. Vielleicht auch Europa.“ Wer weiß das schon. Deshalb gilt für Boateng und den Rest der Eintracht vor allem dies: weiter hart zu arbeiten und alles zu geben. „Immer hundert Prozent“, wie der neue Anführer sagt.

          Quelle: F.A.Z.

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