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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Eintracht Frankfurt Hübner stellt Bruchhagen-Kurs in Frage

 ·  Der Sportdirektor der Eintracht spricht sich für größeres finanzielles Risiko aus, für einen Vorgriff auf künftige Einnahmen und externe Investoren - damit nach dem Aufstieg höhere Ziele erreichbar sind.

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© Eilmes, Wolfgang Lehnt sich „ein Stück weit aus dem Fenster“: Eintracht-Manager Hübner

Lange nichts gehört von Bruno Hübner. Der Sportdirektor der Eintracht hat sich in den vergangenen Wochen merklich zurückgehalten, ist im Tagesgeschäft des Frankfurter Klubs seinen Aufgaben in der Geschäftsstelle nachgekommen und hat die Öffentlichkeit nur in wenigen ausgesuchten Momenten an seiner Sicht der Fußball-Dinge teilhaben lassen. Knappe Statements, zumeist unmittelbar nach den Zweitliga-Spielen in der Mixed-Zone der Stadien - mehr war von ihm kaum zu hören.

Das hat sich am Freitag entscheidend geändert. Hübner ging vor dem Wochenende, das im besten Fall die Rückkehr des Traditionsvereins in die erste Klasse besiegelt, verbal in die Offensive. Er wählte dazu die Interviewform und verkündete über die „Bild“-Zeitung, was sich in naher Zukunft intern alles ändern müsse, damit vieles besser wird und nicht noch einmal ein Absturz droht, wie er vor zwölf Monaten eingetreten ist.

Ein Kernsatz des Gesprächs, das in weiten Teilen wie ein Abgesang auf die frühere Geschäftspolitik des Vereins klingt: Die Eintracht muss wirtschaftlich mutiger werden. Er lehne sich bewusst „ein Stück weit aus dem Fenster“, sagte Hübner, wohl wissend, dass er damit eine grundsätzlich andere Meinung formulierte als die, die bislang in Aufsichtsrat und Vorstand der Fußball AG als maßgebend angesehen wurde. „Warum nicht ins Risiko gehen und einen Vorgriff auf das TV-Geld machen, um so die Chancen auf den Klassenerhalt zu steigern, weil wir dann eine gute Mannschaft basteln könnten?“

Dank Stärke sich weiterzuentwickeln ist das Ziel

Die Rahmenbedingungen müssten sich „hier dauerhaft verbessern“. Außerdem nannte er das Stichwort Fremdfinanzierung, die es möglich machen würde, Transfers mit Hilfe von Investorengeld abzuschließen. Bislang gilt diese Art der Geschäfte unter Vorstandschef Heribert Bruchhagen als absolut unvorstellbar. Weil er immer wieder betonte, dass der Kapitalzufluss von außen mit großer Wahrscheinlichkeit eine unerwünschte Einflussnahme der Geldgeber nach sich zieht. Der Fall 1860 München, bei dem seit dem Erscheinen des arabischen Anlegers Hasan Ismaik beständiges Chaos herrscht, wurde immer wieder als warnendes Beispiel genannt.

Hübner sagte nun, dass er und „die Leute die Eintracht einfach woanders“ sehen wollten, und „dem muss man mittelfristig auch gerecht werden“. Es sei zwingend notwendig, „dass wir uns ordentlich verstärken, damit sich die Mannschaft weiterentwickelt“. Er nannte die Entwicklung bei Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach nachahmenswert. Und sparte sich auch eine Spitze nicht: „Natürlich kann ich Heribert Bruchhagen verstehen, wenn er vor zu viel Optimismus warnt. Aber ich merke auch, wie sich alle auf die Bundesliga freuen - da sollten wir nicht gleich wieder vom Abstiegskampf sprechen.“

Bruchhagen hatte zuletzt immer wieder darauf hingewiesen, den Rahmen des Machbaren bei aller Freude über die sportliche Erneuerung im Blick zu behalten und die eigenen Möglichkeiten nicht zu überschätzen. Hübner sagte, dass er den Eindruck habe, dass auch Bruchhagen „insgeheim ganz gern mal weiter nach oben klettern“ würde“ und sich wünsche, „nicht immer nur unten rum zu krebsen“. Dass Trainer Armin Veh sich noch nicht entschlossen habe, sein Engagement am Main fortzusetzen, nannte Hübner „völlig normal“. Er wolle Perspektiven aufgezeigt bekommen, „weil er weiß, dass hier viele Optimierungen möglich sind“. Hübner sieht die Chancen, dass Veh über den Sommer hinaus bleibt, bei 70:30 Prozent.

„Es ist ein diskussionsfähiger Weg“

Bruchhagen reagierte am Freitag im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung äußerlich gelassen. Es wäre nicht überraschend gewesen, wenn er angesichts der medialen Offensive des Sportdirektors an die Decke gegangen wäre - aber er wählte einen anderen Weg. Hübners Einwurf sei in Ordnung, sagte er. Wörtlich: „Der Weg der offensiven Finanzpolitik, des Risikos, ist ja nichts Neues, den sind schon viele Vereine in der Bundesliga gegangen.“ Und dann erwähnte er Beispiele wie Hertha BSC Berlin oder den 1. FC Köln - nicht ganz zufällig Klubs, deren Politik auf diesem Gebiet nicht mit sportlichem Erfolg belohnt wurde, sondern aktuell an den Rand der Zweitklassigkeit geführt hat. Trotzdem: „Es ist ein diskussionsfähiger Weg. Ob er am Ende die Zustimmung des Vorstands und des Aufsichtsrats findet, wird sich zeigen.“

Unbeeindruckt von möglichen strategischen Neuausrichtungen hat Veh in der Vorbereitung auf das Spiel am Montag bei Alemannia Aachen (20.15 Uhr im FAZ.NET-Liveticker) eine Auszeit angeordnet. Dem gesamten spielenden Personal gewährte er am Freitag einen freien Tag. Bis zur Abfahrt am Sonntagnachmittag Richtung Tivoli wird er noch zweimal zu Übungseinheiten bitten und nach der seiner Ansicht nach optimalen Mannschaft suchen. Seine Wunschformation kann der 51 Jahre alte Fußballlehrer nicht aufbieten. Pirmin Schwegler ist ebenso wie Constant Djakpa gesperrt - der Kapitän für die eine Partie in Aachen wegen der fünften Gelben Karte, die er am vergangenen Spieltag beim 4:0 gegen Erzgebirge Aue erhalten hat; der Linksverteidiger war bei der 0:2-Niederlage beim MSV Duisburg wegen eines „krass sportwidrigen Verhaltens in Form einer Tätlichkeit gegen den Gegner“ für drei Spiele gesperrt worden. Für den Ivorer wird Heiko Butscher den Part in der Defensive übernehmen. Für den Schweizer Schwegler läuft alles auf eine Startnominierung von Matthias Lehmann hinaus. Ob Veh darüber hinaus Umstellungen in der Offensivabteilung vornimmt, ist denkbar. „Ich werde das Samstag, Sonntag entscheiden“, kündigte der Trainer der Eintracht an.

„Am 11. Mai ist Schluss“

Weil der Tabellenzweite aus Frankfurt ungeachtet der Ergebnisse der direkten Verfolger aus Paderborn, Düsseldorf und St. Pauli noch zwei Punkte benötigt, um das Traumziel Bundesliga schon am drittletzten Spieltag zu erreichen, „spielen wir auf Sieg. Auf Unentschieden spielen“, so Veh, „das wollen wir nicht“. Den Anhängern hat er versprochen, „dass wir in Aachen unsere beste Leistung abrufen“. Veh will den Aufstieg - und damit sein Versprechen einlösen, das er bei Amtsantritt gegeben hatte. Der Schwabe, in Hessen ein Stück weit heimisch geworden, hat das Saisonende schon vor Augen. Nach der finalen Partie am 6. Mai beim Karlsruher SC wird er mit seiner Mannschaft noch drei Freundschaftsspiele bestreiten. „Am 11. Mai ist Schluss, dann geht es in Urlaub. Die Mannschaft braucht eine lange Pause.“ Der Coach wohl auch. Ob er zur neuen Saison wiederkommt? Die nächsten Tage werden Aufschluss geben.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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