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Eintracht Frankfurt Horst Heldt war der Letzte

 ·  Der „Frankfurter Bub“ Andreas Möller ist beim Spiel der Nationalelf - wenn auch nur als Zuschauer. Aber bietet der DFB auch aktiven Spielern der Eintracht eine Perspektive?

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Der Seitenhieb ist überflüssig. „Heribert Bruchhagen kennt sein eigenes Stadion nicht. Er steckt im Stau und kommt später.“ Dass der geplante Smalltalk mit dem Vorstandschef der Frankfurter Eintracht gut zehn Minuten später beginnt, kann die Moderatorin von einem der großen DFB-Sponsoren verschmerzen. Bruchhagen, wie so viele an diesem unterhaltsamen Länderspielabend von zum Teil chaotischen Verkehrsproblemen geplagt, die sogar noch zwei Stunden nach Spielschluss rund um die Fußball-Arena im Stadtwald herrschen, wird schließlich prominent und kompetent vertreten. „Andi, Du hast doch eigentlich alles erreicht“, sagt die aus Stuttgart angereiste Dame. „Du warst Weltmeister, Europameister, deutscher Meister.“ Andreas Möller gibt sich erwartungsgemäß bescheiden. „Ich habe zuletzt ein dreiviertel Jahr beim DFB hospitiert. Davor habe ich eine dreijährige Lehrzeit bei den Offenbacher Kickers im Management absolviert. Aber auf absehbare Zeit will ich wieder eine Trainertätigkeit anstreben.“ 85 Länderspiele hat der „Frankfurter Bub“ Möller für Deutschland gemacht. Grund genug, den 44 Jahre alten Hessen im Vorlauf des Länderspielklassikers Deutschland gegen Argentinien besonders in den Fokus zu stellen. Lässig, launig, kurzweilig. Routiniert beantwortet Möller, immer noch auf Bruchhagen wartend, die Fragen der Moderatorin und sorgt schnell für einen Lacher. Angesprochen auf die zuletzt geführte Debatte, ob denn alle Nationalspieler auch mit Inbrunst bei der Nationalhymne mitsingen sollen, kramt Möller kurz in seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz und blickt zurück nach Italien. Fußball-Weltmeisterschaft 1990. Mit Teamchef Franz Beckenbauer. „Franz“, sagt Möller, „hat uns vorher einen Zettel gegeben, auf dem der Text der Nationalhymne stand. Schaut‘s ihn euch an“, hat er gesagt. „Wer Lust hat, singt einfach mit.“

Am Mittwochabend, noch ehe sich die aktuelle deutsche Auswahl mit einem 1:3 gegen Argentinien begnügen muss, halten sich einige von Joachim Löws Spielern singend zurück. Für die 48800 Zuschauer in der ausverkauften Arena wird der Text auf dem Videowürfel eingeblendet. Von der Eintracht ist unten auf dem Rasen kein Spieler zu sehen. Einer der Letzten, der dies schaffte, sitzt an der Seite von Bundestrainer Joachim Löw. Sein Name: Andreas Köpke. 59 Mal hat er von 1990 bis 1998 als Torwart seine Hände im Spiel gehabt. Als Jürgen Klinsmann 2004 einiges umkrempelte, nahm er Köpke mit ins Führungsboot und machte ihn zum Bundestorwarttrainer. Diesen Job hat er heute noch. Doch auf einen neuen Eintracht-Spieler im Kreis der besten Kicker Deutschlands - Horst Heldt, heute Manager des FC Schalke 04, war 1999 der Letzte - muss Köpke weiter warten. Mögliche Kandidaten, die allseits genannt werden: Sebastian Jung, Sebastian Rode, vielleicht noch Sonny Kittel. Auch der mittlerweile eingetroffene Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen beruft sich auf diese Talente. „Rode und Jung bringen alle guten Anlagen mit“, sagt der Fahrensmann. „Aber sie müssen den nächsten Schritt machen und sich weiterentwickeln.“

Dank beim Publikum

Ein schönes Stichwort. Denn nachdem der Betriebsunfall Abstieg schnellstmöglich korrigiert und die Spielberechtigung für die erste Liga wieder gesichert ist, erwartet Eintracht-Macher Bruchhagen eine schwere Runde. „Zwölfter? Das würde ich hier sofort unterschreiben“, sagt er. Bruchhagen weiß, wie das Geschäft läuft. „Als Neuling musst du dich brav hinten anstellen. Unser erster Gegner Leverkusen ist viel weiter als wir.“ Die Sache mit Platz zwölf übrigens, lange Zeit das Frankfurter Sinnbild für Mittelfeld und Mittelmaß, hat Charme an diesem Mittwoch. Denn auch ein ehemaliger Trainer der Eintracht traut seinem alten Klub einen gesicherten Platz jenseits der bedrohlichen Abstiegsränge zu. „Die Eintracht wird Zwölfter“, sagt Friedhelm Funkel. Der Rheinländer, fünf Jahre lang Coach der Hessen, hat dankend die Einladung des DFB angenommen, die Partie gegen Argentinien im Kreise alter Kameraden zu verfolgen. Der sogenannte „Club der Nationalspieler“, dem auch Funkel mit vier Einsätzen in der B-Elf angehört, nutzt die Gelegenheit zu einem großen Jahrestreffen.

Eigentlich hätte es auch ein großes, siegbringendes Spiel im Duell der Weltmeister werden sollen. Doch die attraktive Partie, gewürzt mit schönen Toren, einem verschossenen Elfmeter und einem Platzverweis, nimmt sportlich nicht den gewünschten Verlauf. Trotzdem bedankt sich Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff für die „tolle Unterstützung des Frankfurter Publikums. Es hat immer an uns geglaubt.“ Und obwohl es nach 56 Jahren erstmals wieder eine Niederlage am Stammsitz des Verbandes gibt: Die Nationalmannschaft wird wiederkommen. Vielleicht ja wirklich mal mit einem von der Eintracht.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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