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Veröffentlicht: 23.01.2013, 19:46 Uhr

Eintracht Frankfurt Hilferufe aus der Chefetage

Heribert Bruchhagen bittet um Unterstützung und Straffreiheit für die Eintracht, muss aber Sanktionen befürchten. Locker akzeptiert wird dagegen Trainer Armin Vehs Spontaneität.

© dapd Bittsteller: Heribert Bruchhagen glaubt nicht daran, dass Strafen gegen die Eintracht irgendeinen Nutzen bringen.

Heribert Bruchhagen ist angespannt in diesen Tagen seit der von Frankfurter Fans provozierten Spielunterbrechung beim Auswärtsspiel in Leverkusen. Doch der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht will im Kampf gegen Randalierer und Provokateure aus den eigenen Reihen, von ihm als „Problembesucher“ bezeichnet, nicht nachlassen und sich selbst nicht zermürben lassen. Freilich dürfe die Eintracht nicht allein gelassen werden mit den Problemen, sie sei auf Hilfe angewiesen. Bruchhagen, Mitglied im Vorstand des Ligaverbandes, forderte Unterstützung und Solidarität ein. „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem es auch nichts mehr nutzt, dass man uns bestraft“, sagte er, „wir brauchen jetzt die Hilfe aller, das heißt die Hilfe des DFB, die Hilfe der Zuschauer, die Hilfe der vernünftigen Fans.“

Auf Ratschläge und Einmischungen von anderen Klubs hätte er dabei gerne verzichtet. So wies Bruchhagen die Vorwürfe von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß zurück, der der Eintracht vorgeworfen hatte, seit vielen Jahren nicht konsequent und intensiv genug gegen Randalierer vorzugehen. „Uli Hoeneß hat seine beste Leistung immer dann gebracht, wenn er sich um die Belange von Bayern München gekümmert hat“, erwiderte Bruchhagen. Die Ratschläge von Hoeneß würden nichts nutzen, „genauso wenig wie die Urteile, die auf uns zukommen“. Die Eintracht muss eine hohe Geldstrafe und ein Heimspiel ohne Zuschauer befürchten. Aus Bruchhagens Sicht ungeeignete Mittel im Kampf gegen Fußballrowdies. „Wir müssen erkennen, dass wir uns nicht gegenseitig bestrafen dürfen, sondern dass wir konzertiert gegen diese Gruppe vorgehen müssen, um sie aus dem Stadion zu entfernen“, sagte er.

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„Nicht immer zielführend“

In Frankfurt selbst hat nach den Vorkommnissen von Leverkusen offenbar ein Umdenken stattgefunden. Nach dem „Norwestkurvenrat“, einem Zusammenschluss der wichtigsten Fan-Klubs des Vereins, und den „Ultras“ hat sich nun auch die Fan- und Förderabteilung der Eintracht deutlich von den Randalierern distanziert. „Pyrotechnik kann und darf bei uns nicht mehr zum Einsatz kommen“, heißt es in einer Erklärung der fast 8000 Mitglieder starken Organisation. „Der Schaden, den die wiederholten Pyroaktionen unserer Fans der Eintracht zufügen, ist immens und nicht mehr hinnehmbar.“ Von der Deutschen Fußball- Liga (DFL) erhielt die Eintracht am Mittwoch Beistand. „Es ist schade für die Eintracht, weil sich der Klub sportlich und als Marke auf einem erfolgreichen Weg befindet. Diese Dinge können langfristig zum Problem werden. Aber das weiß der Verein selbst“, sagte DFL-Chef Christian Seifert bei einer Liga-Veranstaltung. Dann fügte er allgemeiner an: „Was ich letzten Samstag in Leverkusen gesehen habe: Da sind wir viel mehr auf dem Weg zum Tod der Fankultur als mit unseren Anträgen beim Sicherheitskonzept.“

Ausgesprochen gelassen sieht Bruchhagen angesichts der Fan-Problematik den Vorstoß von Trainer Armin Veh, der öffentlich einen neuen Stürmer gefordert hatte. Die Spontaneität des Trainers sei „nicht immer zielführend“, sagte der Vorstandsvorsitzende milde, „aber wir wollen doch alle das Gleiche.“ Sportdirektor Bruno Hübner arbeite an der Verpflichtung einer Verstärkung für den Angriff, doch müssten nicht nur sportliche, sondern auch wirtschaftliche Belange berücksichtigt werden. „Es muss alles kompatibel sein“, sagte Bruchhagen, der selbst davon ausgeht, dass Hübners Bemühungen am Ende erfolgreich sein werden. Der Mönchengladbacher Igor de Camargo gilt als erster Kandidat für die vakante Position im Eintracht-Kader, nachdem die Verhandlungen mit dem Wolfsburger Srdjan Lakic geplatzt sind.

Der Trainer macht sich derweil vor allem Gedanken um die Zusammensetzung der abwehrenden Abteilung für das Heimspiel an diesem Samstag gegen die TSG 1899 Hoffenheim. Mit dem erkrankten Sebastian Jung und dem verletzten Carlos Zambrano haben zwei Stammkräfte aus der Vierer-Abwehrkette beim Training am Mittwoch gefehlt. „Ich gehe davon aus, dass sie beide spielen können“, sagt Veh. Klappt das nicht, stehen die Nachrücker schon fest. Für Jung würde Stefano Celozzi spielen, für Zambrano Bamba Anderson. Der Brasilianer hat nach der Hüftoperation Anfang Dezember rechtzeitig wieder den Anschluss geschafft und beim internen Trainingsspielchen neben Neuzugang Marco Russ verteidigt.

Quelle: F.A.Z.

 

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