Zwei Feierstunden stehen schon fest. Die erste an diesem Sonntag nach dem letzten Heimspiel der zukünftig erstklassigen Frankfurter Eintracht gegen den TSV München 1860 (Anstoß 13.30 Uhr). Die Planungen dafür laufen auf Hochtouren. Neu und ganz aktuell: Die Eintracht geht doch in den Römer und auf den Balkon. Am Donnerstag, nach einigen Gesprächsrunden, hat Heribert Bruchhagen das Angebot der Frankfurter Oberbürgermeisterin angenommen, sich doch coram publico feiern zu lassen. „Frau Roth hat mich überzeugt“, sagte der Vorstandschef der Eintracht. Zugleich bekräftigte der erste Mann der Eintracht Frankfurt Fußball AG, dass der Klub keineswegs aus Protest wegen der Diskussionen um die Stadionmiete bisher die Einladung aus dem Römer abgelehnt habe. „Wir waren der Ansicht, dass es sich nach dem Abstieg nicht gehört, gebührend gefeiert zu werden. Wir empfangen es nicht als würdig.“ Nun aber, so Bruchhagen, hätte sich eine neue Situation ergeben. Durch das aufstiegbringende 3:0 vom Montag bei Alemannia Aachen ist der Eintracht der Sprung auf Tabellenplatz eins geglückt. „Und der DFB möchte aus Sicherheitserwägungen heraus die Meisterschale nicht in Karlsruhe übergeben.“ Ob die Eintracht ihre Spitzenposition bis zum Saisonschluss am 6. Mai verteidigt, steht noch nicht fest. Unbestritten jedoch ist, dass sich Frankfurter und Karlsruher Fans nicht gerade in Zuneigung verbunden fühlen. Schon beim letzten Aufeinandertreffen war es rund um das Wildparkstadion zu etlichen Ausschreitungen gekommen. Und selbst falls die Eintracht doch noch von der punktgleichen Spielvereinigung Greuther Fürth abgefangen werden sollte, „fahren wir zum Römer“, sagte Bruchhagen.
Die dritte Feierstunde? Vielleicht die Nachricht, dass Aufstiegstrainer Armin Veh sich für einen weiteren Jahresvertrag begeistern lässt und bleibt. An diesem Donnerstag wird es zu einer ersten Gesprächsrunde mit Bruchhagen und Sportdirektor Bruno Hübner kommen. Bruchhagen hält es für sehr wahrscheinlich, dass noch nicht unmittelbar mit einer Entscheidung gerechnet werden kann. „Solche Gespräche verlaufen immer in Etappen.“ Veh selbst, der umworbene 51 Jahre alte Fußballlehrer, hielt sich am Mittwoch, an dem er seine Mannschaft für 45 Minuten zu einem lockeren Lauf in den nahen Stadtwald schickte, mit Erklärungen zurück.
Bis zu zehn Millionen Euro durch Abstieg
Bekannt ist, dass es Veh vornehmlich um Perspektiven bei der Eintracht geht. Für den Trainer, der stets seine wirtschaftliche Unabhängigkeit betont, ist das Monetäre nicht so wichtig. Aber für die Eintracht. Dort müssen der zum 30. Juni aus dem Amt scheidende Finanzvorstand Thomas Pröckl und das neue Vorstandsmitglied Axel Hellmann mit spitzer Feder rechnen. Der Abstieg im Vorjahr hat schließlich die wesentlichen Kennziffern der Eintracht nach unten gedrückt. Nicht nur der Gesamtumsatz ist von 67 auf 40 Millionen Euro gefallen. Auch und vor allem der Lizenzspieleretat wurde drastisch gekürzt - von 29 auf 19 Millionen Euro. Wobei Sportdirektor Hübner im Zusammenspiel mit Trainer Veh bei der personellen Gestaltung der Profiabteilung nicht auf die volle Summe zurückgreifen konnte. Der einstige Kapitän Ioannis Amanatidis musste mit zwei Millionen Euro abgefunden werden.
Bis zu zehn Millionen Euro beträgt der Verlust durch den Abstieg im Frühjahr 2011. Schon im Kalenderjahr 2010, teilte Pröckl auf der letzten Bilanzpressekonferenz mit, hatte der Verein ein Minus von rund 3,8 Millionen Euro ausgewiesen. Die in den wirtschaftlich besseren Zeiten - beispielsweise die vier Jahre, in denen die Eintracht unter Trainer Friedhelm Funkel in der Bundesliga spielte - gebildeten Rücklagen schrumpften dadurch auf 6,6 Millionen Euro und könnten schlimmstenfalls im Juni 2012 komplett aufgebraucht sein. „Zum Glück haben wir Reserven angelegt“, sagte Pröckl. Gegen den zwischenzeitlichen Eindruck, um die Eintracht sei es finanziell schlecht bestellt, verwahrte sich der Finanzmann ebenso wie Vorstandschef Bruchhagen. „Die Eintracht ist nicht im Ansatz gefährdet.“ Pröckl bestätigte, „dass wir keine Darlehen aufnehmen müssen und keine Verbindlichkeiten haben“. Die finanziell angespannte Situation in der zu Ende gehenden Zweitligasaison wurde „aus eigener Liquidität gelöst“. So betrug das Eigenkapital der Eintracht Frankfurt Fußball AG zum 30. Juni 2011 knapp 16 Millionen Euro. Man stecke nicht in der Bredouille, so Pröckl, obwohl man sich nach dem Abstieg an der „Kante des Vertretbaren“ befinde.Bedingt durch den Abstieg fehlen der Eintracht allein an Fernsehgeldern über zehn Millionen Euro, während sich im Hospitality-Bereich das Minus durch eine Preisreduzierung von zwanzig Prozent auf rund 6,5 Millionen Euro beläuft. Schulden machen, auf zukünftige Fernseherlöse setzen: Nicht mit Bruchhagen. „Dieser Mann aus Harsewinkel mit seinem westfälischen Dickschädel ist prinzipientreu“, sagt Vereinspräsident Peter Fischer. „Man kann etwas mit ihm auf den Weg bringen - aber niemals gegen seinen Willen.“
Mehr Geld durch den Fernsehvertrag
Während beispielsweise die neuen und alten Klassennachbarn von Mainz 05 ein schmuckes 34.000-Mann-Stadion haben, einen Umsatz von 54 Millionen Euro bewegen und davon für die Lizenzspielerabteilung gut 28 Millionen Euro bereitstellen, werden es bei der Eintracht, die in der ungleich größeren WM-Arena mit ihren 51.500 Plätzen spielt, zukünftig nur zwischen 24 und 25 Millionen Euro sein. Warum? „Weil unsere Kostenstruktur eine andere ist“, wie Bruchhagen unlängst in einem Interview mit dieser Zeitung sagte. „Wir profitieren nicht von den Stadion-Namensrechten und auch nicht von den verkauften Brezeln und vom Bier. Wir überweisen 4,8 Millionen Euro an den Mutterverein für den Nachwuchs und die Namenslizenz, wir haben auch mit den Geldern der AG den Riederwald mitfinanziert.“ Besonders schmerzt den Manager, dass die Eintracht im Vergleich zu einstigen Konkurrenten auf Augenhöhe wie Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach stark zurückgefallen ist. Im Fernsehranking, das rückwirkend für vier Jahre bewertet wird, fällt jeder schlechtere Tabellenplatz mit einem Minus von bald 500.000 Euro zu Buche. Zudem hat Hannover den Sprung in die Europa League geschafft, und die Gladbacher können in der Champions League, die für den Tabellenvierten zum Greifen nah ist, mit garantierten Einnahmen von mindestens 20 Millionen Euro rechnen.
Jetzt, da der Wiederaufstieg der Eintracht wie geplant innerhalb eines Jahres geglückt ist, starten die Frankfurt im TV-Klassement auf Platz zwölf. „Das alleine macht schon 3,2 Millionen Euro aus.“ Vom kommenden Sommer an, wenn dank des neuen Fernsehvertrages weitere Millionen an die 36 Lizenzvereine fließen, wird auch die Eintracht davon profitieren. Ob dies reicht, um Veh jetzt zum Bleiben zu bewegen? Die Spannung rund um die Eintracht hält an.