Gutes Vorzeichen oder schlechtes Omen? Bei der Frage nach einer passenden Einordnung der Saisonvorbereitung sind mit Blick auf die Auftritte der Eintracht momentan zwei Antwortmöglichkeiten akzeptabel. Fakt ist: Mit dem 4:2 gegen den FC Valencia ist dem Team von Trainer Armin Veh eine treffende Pointe zum Ende der sechswöchigen Probezeit geglückt. „Sie müssen nächste Woche zu Real Madrid. Wir zu Erzgebirge Aue. Ich wünsche uns beiden viel Erfolg dabei“, sagte Pressesprecher Carsten Knoop nach dem verdienten Sieg gegen den sechsmaligen Meister der Primera Divisón. Allerhand Zuhörer in den Katakomben der WM-Arena, darunter auch Veh, schmunzelten. Nicht nur wegen des launigen Kommentars zum Abschluss eines unterhaltsamen Samstags war die Stimmung im Lager der Eintracht ausgesprochen gut. Auch weil es trotz intensiver Belastungen und Tagen, „an denen wir geschuftet haben wie die Ochsen“ (Veh), keinen nennenswerten Verletzungsfall zu beklagen gibt und alle im Vollbesitz ihrer Kräfte mit dem nötigen Ehrgeiz um einen Platz in der Startformation wetteifern.
Es war das neunte Privatspiel in diesem Sommer, und wie bei allen anderen zuvor gingen die Frankfurter auch in der heimischen WM-Arena nicht als Verlierer vom Feld. Acht Siege und ein Unentschieden stehen zu Buche. Es hätte schlechter kommen können, für Selbstvertrauen ist so jedenfalls gesorgt. Tatsache ist jedoch auch: Schon einmal, vor zwei Jahren, damals noch unter Chefcoach Michael Skibbe, präsentierte sich die Eintracht in ähnlich vielversprechender Frühform, besiegte seinerzeit im eigenen Stadion mit dem FCChelsea ebenfalls einen Champions-League-Teilnehmer (2:1, Torschützen Ochs und Altintop) - und stieg zehn Monate danach aus der ersten Liga ab. Ähnliches soll sich nun unter keinen Umständen wiederholen. Der Kampf um den Klassenverbleib ist das oberste Ziel, dem Veh mit seiner vorerst auf sechs Positionen umbesetzten Elf alles unterordnet. Die Teilnahme am Pokalwettbewerb, in dem es für den Bundesligarückkehrer an diesem Sonntag in Aue zum kniffligen Pflichtspiel-Debüt kommt, genießt keine herausgehobene Priorität. Anzeichen, dass die jüngsten Taten irgendein Mitglied aus dem 28-Mann-Kader übermütig gemacht hätten, fanden sich auch am Samstag nicht. Die Neulinge Stefan Aigner und Olivier Occean sowie der unlängst abermals aus Neapel ausgeliehene Erwin Hoffer trafen vor 20000 Zuschauern, hielten sich hinterher aber beim Werben in eigener Sache bedeckt. „Nach vorne haben wir eine große Qualität“, urteilte Pirmin Schwegler, dessen Kapitäns-Worte innerhalb und außerhalb der Kabine Gewicht besitzen. „Wir wollen mutig spielen und uns in der ersten Liga nicht verstecken. Ich hoffe, es geht nicht nach hinten los.“ Der Schweizer mutmaßte, der Gegner sei wohl nicht mit größtmöglicher Einsatzbereitschaft zu Werke gegangen. Daher gelte es nun, „die Leistung auch in den nächsten Wochen abzurufen, dann mit mehr Gegenwehr“.
„Das ist unser Spiel, so wollen wir erfolgreich sein“
Vier Tage nach dem 4:1 gegen den österreichischen Meister Salzburg unterstrich die Eintracht auch gegen Valencia, dass sie trotz der vielen Personalwechsel dabei ist, eine Einheit zu werden, „in dem die Abläufe immer besser passen“, wie Aigner anmerkte. „Das war die Bestätigung für unsere Arbeit.“ Der Zugang von den Münchner Löwen gehörte mit seinem Laufpensum, seiner Passgenauigkeit und seinem Drang in den Strafraum zu den auffälligsten Akteuren auf dem Platz - und zu den Gewinnern der Frankfurter Teambuildingphase. Auf der rechten Seite dürfte ihm ein Stammplatz zunächst sicher sein, mit dem kreativen Takashi Inui harmoniert er gut, seine Flanken finden in Occean, Bastian Oczipka oder Alexander Meier Abnehmer. Aigner beackert die Außenbahn momentan mit einem Eifer, wie ihn zuletzt bei der Eintracht der „rote Renner“ Patrick Ochs an den Tag gelegt hatte, wobei er in seinem Vorwärtsdrang von Sebastian Rode oder Schwegler abgesichert wird. Resultat: Der Eintracht-Jahrgang 2012/2013 scheint wesentlich spielfreudiger, aktiver und überraschender zu Werke gehen als sein Vorgänger. Was sich dadurch erwarten lässt? „Mal schauen“, sagte Aigner, „Vorbereitung ist relativ.“
Veh gefällt, was seine Leute bisher bewerkstelligt haben: „Das ist unser Spiel, so wollen wir erfolgreich sein“, sagte er, „Ich verspreche mir mehr davon, als wenn wir dreißig Meter vor dem Tor darauf warten, dass wir einen reinbekommen.“ Den Hinzugekommenen bescheinigte er Talent. „Sie müssen jedoch erst beweisen, dass sie in der Bundesliga bestehen können. Das ist mit einem Freundschaftsspiel nicht abgetan“, sagte der 51-Jährige. Als er den Vergleich hörte, die Eintracht spiele „vorne hui und hinten pfui“, nickte er mit dem Kopf, verwahrte sich nicht dagegen. Schwächen, nicht nur bei den Gegentoren durch Piatti und Hernandez, offenbarte nämlich in der Tat die Verteidigung. „Nach hinten haben wir Probleme, keine Frage“, räumte Veh ein. Bamba Anderson sei noch nicht richtig fit, Vadim Demidov müsse sich weiter eingewöhnen. „Das ist unsere Baustelle“, sagte auch Bruno Hübner. Sie soll rasch ein bisschen kleiner werden. Bis zu diesem Mittwoch, spekulierte der Sportdirektor, könne der Wechsel von Carlos Zambrano endlich über die Bühne gegangen sein. „Da sieht alles danach aus, dass es klappt.“ Der Innenverteidiger des FC St. Pauli wurde beim Spiel der Hamburger gegen Ingolstadt schon nicht mehr eingesetzt.