http://www.faz.net/-gzg-76121

Eintracht Frankfurt : Freie Bahn für den Königstransfer

So wird das gemacht: Occean freut sich im Hintergrund, wie Friend sich ins Zeug legt – ab sofort für den zweitklassigen TSV München 1860. Bild: Heiko Rhode

Nach Köhler finden nun auch Friend und Kouemaha neue Klubs. Eintracht-Sportdirektor Hübner forciert derweil die Bemühungen, den gewünschten Stürmer zu verpflichten.

          München statt Vancouver, Gaziantep statt Frankfurt. In die langwierigen Transferbemühungen ist endlich der entscheidende Kick gekommen. Seit Donnerstag stehen zwei weitere Fußballprofis nicht mehr im Kader der Eintracht. Rob Friend, zuletzt noch mit den Vancouver Whitecaps in seiner kanadischen Heimat in Verbindung gebracht, sucht ab sofort sein Glück beim zweitklassigen TSV München 1860. Dorge Kouemaha lässt sich auf das erstklassige Fußball-Abenteuer in Südostanatolien ein. In der Türkei trifft der Kameruner bei seinem neuen Klub auf den ehemaligen Eintracht-Profi Cenk Tosun.

          Schon an diesem Samstag können die einstigen Frankfurter Angreifer zeigen, ob sie miteinander harmonieren - wenn sie gemeinsam stürmen sollten. In der Süper Lig muss ihr auf Tabellenposition vierzehn liegender Verein Gaziantepspor am Bosporus spielen. Gegner ist der Rangvierte Fenerbahce Istanbul. Das Geschäft zwischen der Eintracht, Gaziantepspor und dem 29 Jahre alten Kouemaha ist auch deshalb zustande gekommen, weil der FC Brügge, der die Transferrechte an dem Afrikaner besitzt, dem Deal zugestimmt hat. Im Fall des 32 Jahre alten Friend ist der Fall etwas anders gelagert.

          „Alle Parteien sind zufrieden“

          Der Kanadier war im Sommer 2011 von Hertha BSC Berlin an den Main gekommen, konnte sich bei den Hessen, die Friend damals unbedingt haben wollten, aber nie durchsetzen und spielte in den Planungen von Trainer Armin Veh schon lange keine Rolle mehr. Vertraglich ist Friend noch bis zum 30. Juni 2014 an die Eintracht gebunden. Und genau bis zu diesem Termin läuft das Ausleihgeschäft, das die Hessen mit den Münchner „Löwen“ vereinbart haben. Über die finanziellen Modalitäten wollten sich beide Vereine, wie allgemein üblich, nicht äußern. Sportdirektor Bruno Hübner sagte nur: „Alle Parteien sind zufrieden.“

          Zufrieden ist auch Armin Veh. Der Eintracht-Trainer, der noch am Dienstag seinem Ärger freien Lauf ließ („Wollen wir weiterkommen oder wollen wir verwalten?“), zeigte sich vor dem Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim bestens gelaunt. In einer Mischung aus Sarkasmus und Ironie sagte Veh: „Wir haben jetzt drei Spieler abgegeben. Aber unser Etat ist total ausgeschöpft.“ Eine feine Spitze, gegen den Vorstand gerichtet. „Eigentlich müsste es jetzt heißen: Trainer, was brauchen wir noch?“ Veh sagte nach dem Vormittagstraining, „dass ich mich zu finanziellen Dingen und zur Personalpolitik nicht mehr äußern will. Ich will nicht, dass wir als Verein ein Risiko eingehen“. Für ihn als Cheftrainer ist aber weiterhin unabdingbar, „dass wir noch einen Stürmer brauchen. Jetzt muss es doch klappen, denn jetzt sind die Möglichkeiten da“. Tatsächlich sind es sogar vier Spieler, von denen sich die Eintracht getrennt hat. Neben Benjamin Köhler, der sich nach acht Frankfurter Jahren dem zweitklassigen Aufstiegsanwärter 1. FC Kaiserslautern angeschlossen hat, sowie Friend und Kouemaha hat ja auch Innenverteidiger Vadim Demidov ein neues Betätigungsfeld gefunden. Der Norweger mit lettischen Wurzeln verdingt sich seit ein paar Wochen schon beim spanischen Erstligaaufsteiger Celta Vigo.

          „Es darf keine Notlösung sein“

          Sechs Tage noch. Dann schließt sich am 31. Januar das winterliche Transferfenster. Spätestens bis dahin will Hübner Vollzug gemeldet haben. Der Sportdirektor ist seit Wochen bemüht, den Wunsch des Trainers zu erfüllen: „Doch so einfach ist das nicht.“ Finanzielle Dinge, so Hübner, ohne näher auf Details eingehen zu wollen, seien nicht die einzig ausschlaggebenden Parameter beim Kampf um die weiterhin favorisierten Stürmer Srdjan Lakic und Igor de Camargo. „Irgend jemand wird schon kommen“, sagte Veh.

          Mit den Beratern, aber auch mit dem beim Bundesligarivalen VfL Wolfsburg unter Vertrag stehend Lakic sowie dem in Mönchengladbach spielenden de Camargo ist Hübner im Dialog. „Es darf keine Notlösung sein“, sagte der Sportdirektor. Er und Veh hätten sich darauf verständigt, „dass uns der neue Mann über die Saison hinaus helfen soll. Deshalb muss er die Bundesliga kennen“. Ein Anforderungsprofil, das sowohl der 29 Jahre alte Kroate Lakic als auch der gleichaltrige Brasilianer mit belgischem Pass, de Camargo, erfüllt.

          Jung ist weit vom Normalzustand entfernt

          Hübner zeigte sich am Donnerstag „relativ optimistisch“, dass ihm der Königstransfer des Winters noch glückt. „Bisher ist es uns immer noch gelungen, dass wir etwas gefunden haben. Armin macht keine Kompromisse“, sagte der Manager. Deshalb sei Sorgfalt geboten. „Der Neue muss sofort ins Profil passen. Unsere Mannschaft spielt schließlich einen guten Fußball.“ Hübners und Vehs Hoffnung: „Wenn wir vorne im Sturm etwas Passendes machen, können wir aus der Gesamtmannschaft noch ein paar Prozente mehr rausholen.“

          Etliche Prozente vom Normalzustand ist derweil Sebastian Jung entfernt. Der Rechtsverteidiger fehlte auch am Donnerstag bei der Übungseinheit. „Bei ihm wird es bis Samstag eng“, sagte Veh. „Er hat Fieber und plagt sich mit Stirnhöhlenproblemen.“ Sollte der Stammspieler bis zum Anpfiff gegen Hoffenheim (15.30 Uhr) nicht rechtzeitig gesund werden, würde Stefano Celozzi den Außenpart in der Abwehr übernehmen. Im Sturm kann sich Veh (noch) zwischen Karim Matmour und Olivier Occean entscheiden. Für das kommende Auswärtsspiel am 2. Februar in Hamburg hofft der Coach, dass der dann dringend benötigte neue Stürmer endlich an Bord der Eintracht ist.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Als erste Frau am Ruder Video-Seite öffnen

          Videoserie „Frankfurt & ich“ : Als erste Frau am Ruder

          Marie Nauheimer ist in fünfter Generation am Ruder der Primus-Linie, sie lenkt das Frankfurter Schifffahrtsunternehmen gemeinsam mit ihrem Vater Anton. Wir haben sie für die Serie „Frankfurt & ich“ mit der Kamera begleitet.

          Armin Laschet ruft SPD zur Vernunft auf

          F.A.Z. exklusiv : Armin Laschet ruft SPD zur Vernunft auf

          Armin Laschet fordert die SPD auf, sich in Berlin ihrer Verantwortung zu stellen. Im F.A.Z.- Interview spricht der nordrhein-westfälische Ministerpräsident über das Scheitern der Sondierungsgespräche und eine mögliche Neuauflage der großen Koalition.

          Ich war am Ende nur noch ein Wrack Video-Seite öffnen

          Video-Serie „Frankfurt & ich“ : Ich war am Ende nur noch ein Wrack

          Seit über zehn Jahren ist Thomas Adam trocken und erzählt auf Stadtführungen durch sein ehemaliges „Sauf- und Bettelgebiet“ seine Geschichte von der Straße. FAZ.NET hat Adam für die Video-Serie „Frankfurt & ich“ begleitet.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.

          Folgende Karrierechanchen könnten Sie interessieren: