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Eintracht Frankfurt Frankfurter Spuren im Sand

Der Eintracht geht es im Trainingslager in Abu Dhabi nicht nur um die Vorbereitung auf die Rückserie in der Bundesliga - sie will Netzwerke knüpfen und sich international bekannter machen.

© Heiko Rhode Vergrößern Warmer Empfang: Auch Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner findet Gefallen an Begegnungen der etwas anderen Art.

Ist dies schon der Beginn einer neuen Freundschaft? Das Ambiente hätte nicht besser sein können, als sich die Eintracht-Delegation gemeinsam mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Sport unter einem riesigen Kuppeldach des Emirates Palace Hotel zu einem ersten Gedankenaustausch traf. „Unser Ziel ist es gewesen, auf Einladung unseres Partners BHF-Bank einen internationalen Fußabdruck zu hinterlassen“, sagte Axel Hellmann. Die Antwort, ob dies in der lauen Januarnacht in Abu Dhabi gelungen sei, gab der Finanzvorstand der Frankfurter Eintracht selbst. „Unsere Mannschaft hat einen sympathischen und guten Eindruck hinterlassen. Ich bin sehr zufrieden.“

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Netzwerke nutzen, Netzwerke bilden. Hellmann und Vorstandschef Heribert Bruchhagen wissen, dass sie bei ihrem Premierenbesuch in Abu Dhabi viel Gutes auf den Weg bringen können. „Dass sich der Al Dschazira Klub trotz Anfragen von anderen Bundesligavereinen für uns entschieden hat, ein Freundschaftsspiel zu absolvieren, macht uns stolz“, so Hellmann. „Alleine damit ist schon sehr viel gewonnen.“ Die 4:5-Niederlage spielte am Abend danach unter arabischem Himmel auch keine übergeordnete Rolle mehr, wenngleich Bruchhagen in seiner Rede eingestand, „dass wir eine Lektion erteilt bekommen haben. Aber wir bitten um eine Revanche und werden Al Dschazira liebend gerne zu uns nach Frankfurt einladen.“ Ein Angebot, das Carlo Nohra prompt annahm. Der Vorstandsvorsitzende des Vorzeigeklubs von Abu Dhabi versprach, im Sommer nach Deutschland zu kommen. „Bis dahin haben wir dann auch den Sieg gegen die Eintracht ausgekostet.“

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Kein Zufall

Abseits des Übungsplatzes, auf dem Cheftrainer Armin Veh die Eintracht bei weiterhin besten klimatischen Bedingungen auf den Ernstfall Rückrundenstart vorbereitet, will die Eintracht also gleichfalls Doppelpass spielen. „Einen guten positiven Einstieg mit dem gelungenen Abend haben wir geschafft“, versicherte Hellmann am Tag danach, um zu bekräftigen: „Unser Ziel ist es ausdrücklich nicht, einen Investor zu gewinnen. Wir wollen vielmehr ein internationales Bild von Eintracht Frankfurt zeichnen.“ Behutsam und mit feinem Gespür für die Besonderheiten der arabischen Kultur will Hellmann nachhaltig und langfristig die Eintracht am Persischen Golf positionieren. „Den Leuten hier ist die 50+1-Regel in der Bundesliga wohlbekannt. Und das Beispiel Octagon hat ja gezeigt, dass es mit Investoren nicht immer funktioniert - obwohl es sich damals um einen westlichen Partner gehandelt hat.“ Aufgrund persönlicher Erfahrungen weiß Hellmann, „dass man sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten lange und gut kennen muss, um eine vertrauensvolle Partnerschaft aufzubauen“.

Dass die Eintracht in diesen sonnigen Tagen das Privileg genießt, im Vorzeigehotel des Landes ihr einwöchiges Wintertrainingslager abzuhalten, wird allenthalben als Ehre empfunden. „Für uns alle ist das ein Erlebnis. In Form und Perfektion finden wir hier Bedingungen, wie wir es noch nie erlebt haben“, sagte Bruchhagen beim abendlichen Empfang, um anzufügen: „Die Qualität des Trainingslagers ist von großer Bedeutung für die zweite Halbserie.“ Hellmann ist großer Hoffnung, „dass wir vielleicht auch 2014 wieder hierher ins Trainingslager kommen dürfen. Wir möchten gerne ein bekanntes Gesicht werden.“

Ein Zufall ist es nicht, dass zur Frankfurter Reisegesellschaft während der Tage am Persischen Golf auch ein fußballkundiger Aufsichtsrat gehört. Philip Holzer, seit dem 1. Oktober 2010 Vorsitzender des Finanz- und Prüfungsausschusses und gemeinsam mit Präsident Peter Fischer und Aufsichtsratschef Wilhelm Bender Mitglied des dreiköpfigen Hauptausschusses, ist bestrebt, die dezenten Expansionsbemühungen der Eintracht mit Rat und Tat zu unterstützen. Als stellvertretender Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs verfügt er zwar über exzellente Verbindungen. Er weiß aber auch, dass bei einem momentanen Gesamtbudget von gut 70 Millionen Euro die Eintracht Frankfurt Fußball AG keine Riesensprünge machen kann. „Wir haben nicht viele Möglichkeiten, Fehler zu machen“, sagte Holzer. Hellmann ergänzte: „Wir sind infrastrukturell noch nicht so weit, um zehn Jahre in Folge Europa League zu spielen.“ Immerhin: Für Holzer steht außer Frage, dass „die Eintracht eine starke lokale Marke ist. Im Ausland wird Frankfurt mit drei Dingen wahrgenommen: Flughafen, Messe, Eintracht.“ Holzers Vision: „Ziel muss es sein, sich der Welt zu öffnen, ohne das Lokalkolorit zu verlieren.“ Ein erster Anfang unter einem riesigen Kuppeldach fern der Heimat scheint gemacht.

Quelle: F.A.Z.

 
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