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Eintracht Frankfurt : Frankfurt im „kleinen Flow“

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Premierentreffer: Simon Falette (rechts) bejubelt sein Tor zum 3:1, Ante Rebić freut sich mit. Bild: Imago

Die Eintracht zieht Kraft aus ihrer Flexibilität und steuert mit Selbstbewusstsein in eine Zukunft, die aus der Spielzeit eine „super Saison“ machen kann.

          Der Franzose Simon Falette, der beim 4:2-Heimerfolg über den 1. FC Köln zum ersten Mal als Eintracht-Torschütze in Erscheinung getreten war, hat am Samstag nach dem Bundesliga-Spiel zu Ende gedacht. In den verbleibenden zwölf Liga-Spielen erwartet der Abwehrspieler für die Frankfurter einen „spannenden Saisonschlussspurt“. Ein Fußball-Finale, dessen Konturen für Bruno Hübner schon erkennbar sind und die in ihm große Vorfreude auf das Kommende wecken. „So, wie unsere Mannschaft momentan auftritt, wird sie sich die Chance nicht nehmen lassen“, betonte der Eintracht-Sportdirektor. „Die Spieler wollen aus einer guten Saison eine super Saison machen.“

          Aktuell stehen die Höhenflieger aus Hessen mit 36 Punkten und Platz vier auf einem respektablen Champions-League-Rang. Gewinnen die Frankfurter auch ihr Montagsspiel am 19. Februar (20.30 Uhr) zu Hause gegen Leipzig, würden sie den Tabellenzweiten um einen Punkt übertreffen. Rosige Aussichten aus der Außenseiterrolle heraus.

          Axel Hellmann lobt Entwicklung

          Am Samstag wagte Axel Hellmann einen kurzen Rückblick. Und bewies damit wiederum Weitsicht. Das Vorstandsmitglied der Eintracht Frankfurt Fußball AG verglich die beiden jeweils erfolgreichen Auftritte der Hessen in der Hin- und Rückrunde gegen Köln miteinander. Im Hinblick auf die spielerische Entwicklung der Eintracht sei das aber „ein Unterschied wie Tag und Nacht“ gewesen, lobte Hellmann die formidable Entwicklung. „Das ist schön zu sehen. Mal schauen, wie weit uns jetzt die Füße in der Rückrunde tragen.“

          Sportlich marschiert die Eintracht mit strammem Schritt nach vorne. Selbst der Ausrutscher in Augsburg (0:3) hat die Mannschaft nicht umgehauen. Auf einigen Positionen neu sortiert, fand sie im DFB-Pokal (3:0 gegen Mainz 05) und in der Liga zu alter Geschlossenheit zurück. Mehr noch: Die Frankfurter haben der Konkurrenz eindrucksvoll demonstriert, wie gut ihr Kader in diesem Spieljahr auch in der Breite aufgestellt ist. Ein Signal der Stärke: Cheftrainer Niko Kovač konnte es sich erlauben, auf fünf aktuelle und ehemalige Nationalspieler (Marco Fabián, Carlos Salcedo, Mijat Gaćinović, Gelson Fernandes und Jetro Willems) sowie seinen Torjäger Sebastien Haller in der Startformation gegen Köln zu verzichten. „Die Mannschaft hat viel Qualität – und nicht nur die erste Elf“, begründete Kovač sein wechselndes Personaltableau.

          Einheit trotz Konkurrenzkampf

          Nun melden Spieler aus der zweiten Reihe wie Marco Russ und Danny da Costa Ansprüche an. Es war kein Zufall, dass dem Verteidiger Russ der Kopfballtreffer zum 2:1 (59. Minute) gelang. Mit ihm rundete Russ seine starke Leistung ab. Sein letztes Erfolgserlebnis hatte er im April 2016, das war vor seiner Krebserkrankung. „Wir standen von der ersten Minute an auf dem Gaspedal“, sagte Russ. Als Abwehrspieler zur Abteilung Attacke gehörte diesmal auch Falette, der das 3:1 (65.) erzielte. „Es wurde auch Zeit, dass die Verteidiger dran sind“, sagte er. „Es war nicht das schönste Tor, aber es zählt für die Punkte.“

          Ein Schönheitsfehler beim Torschuss? Die Eintracht-Profis haben im Februar 2018 ob ihrer positiven Entwicklung gut reden. Die Mannschaft ist trotz des großen Konkurrenzkampfes eine Einheit, die unbeirrt Kurs hält. Das Selbstbewusstsein der Spieler ist mittlerweile so groß, dass sie sich von Rückschlägen nicht beeindrucken lassen. „Sie glauben in jeder Sekunde an den Sieg. Sie wissen, was sie können und was sie leisten – und das Ergebnis gibt ihnen recht.“ Kovač hat seine Profis so variabel auf- und eingestellt, dass sie jederzeit situationsbedingt auf den Gegner reagieren können. Flexibilität ist Trumpf. Und: „Die Automatismen auf dem Platz greifen immer mehr, so dass dabei gar nicht mehr groß nachgedacht werden muss“, sagte der Trainer. Vieles ist seinem Team ins Blut übergegangen, es ist fleißig und lernwillig. Und manchmal klappen die Dinge jetzt sogar von allein. Zwei der vier Eintracht-Tore gingen Standardsituationen voraus. Mit grinsendem Gesicht merkte Kovač an, dass man Standards in der zurückliegenden Trainingswoche nicht geübt habe. Diese gehörten bisher nicht zu den Frankfurter Paradedisziplinen.

          Große Frankfurter Glücksgefühle

          In herausragender Verfassung präsentierte sich Marius Wolf. Der Aufsteiger der Saison, dessen Formkurve weiter steil nach oben zeigt. Wolf hier, Wolf da: An allen Treffern war der vielseitige Profi, der im offensiven Mittelfeld aufgeboten wurde, beteiligt. Nachdem er mit zwei Freistößen die Torvorlagen für Russ und Falette gegeben hatte, traf der 22-Jährige zum 4:1 (67.) selbst. „Wolf ist richtig gut drauf. Da kann man nur happy sein“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic.

          Große Frankfurter Glücksgefühle: Alle Tore gegen die Kölner, für die Simon Terodde zweimal (57./Foulelfmeter und 74.) erfolgreich war, fielen in der zweiten Halbzeit innerhalb von knapp acht Minuten. Das war Ausdruck geballter Eintracht-Power. „Die Mannschaft hat richtig viel Potential“, sagte Kovač. „Sie hat Potential nach oben.“ Jetzt, wo vieles so gut zusammenpasst und harmoniert, sieht Hübner die Frankfurter in einem „kleinen Flow“. Das Bobic die Mannschaft, die bis Mittwochnachmittag freibekommen hat, dazu aufforderte, „weiter an der Punktausbeute zu schrauben“, scheint gar nicht nötig zu sein. „Man darf nie zufrieden sein“, sagte Wolf. „Sonst kommst du nicht weiter.“

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