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Eintracht Frankfurt Die zweite Liga kostete elf Millionen Euro

 ·  Das geglückte Projekt Wiederaufstieg kommt die Frankfurter Eintracht erwartungsgemäß teuer zu stehen. Dennoch bleibt der Fußballklub schuldenfrei.

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Gerne hätte Thomas Pröckl zum Abschied bessere Zahlen präsentiert. Doch der Abstieg der Frankfurter Eintracht hat das erwartete Loch von gut zehn Millionen Euro gerissen. Mehr noch: Um exakt 10.953.000 Euro ist das Eigenkapital des vom Sommer an wieder erstklassigen Bundesligaklubs in der zurückliegenden Saison geschmolzen. Das Unternehmen sofortiger Wiederaufstieg hat seinen Preis. „Es entspricht in etwa dem, was wir erwartet haben“, sagte Pröckl. „Vereinfacht kann man sagen, die zweite Liga hat uns elf Millionen Euro gekostet.“ Lagen bei der Eintracht Frankfurt Fußball AG noch vor einem Jahr 15,9 Millionen Euro auf der hohen Kante, so sind es zum Ende der Ära Pröckl knapp 5 Millionen Euro - wobei der scheidende Finanzvorstand diesen Schwund natürlich nicht zu verantworten hat. „Mit dieser Summe liegen wir in der Bundesliga zwischen Platz acht und zehn“, sagte Pröckl. „Unser Ziel ist, wieder auf zehn Millionen Euro zu kommen.“ Dass das durchschnittliche Eigenkapital in der Fußball-Bundesliga bei 39 Millionen Euro liegt, hängt vornehmlich mit der exzellenten Kapitalausstattung des FC Bayern München zusammen. „Und auch bei Dortmund, Schalke, Bremen und Stuttgart sieht es gut aus“, sagte Pröckl.

Bei der Eintracht war es die Strategie, nach dem Abstieg im vergangenen Sommer alles auf die Karte unmittelbare Rückkehr in die Bundesliga zu setzen. Und sowohl für Pröckl als auch für Vorstandschef Heribert Bruchhagen stand außer Frage, dass der finanzielle Kraftakt allein aus eigenen Mitteln zu stemmen sei. Kein Vorgriff also damals wie heute auf etwaige Fernseh- oder Vermarktungsgelder. „Wir sind doch bekannt dafür, dass wir konservativ planen“, sagte der zum 31. Mai aus dem Amt scheidende Pröckl am Montag beim sogenannten Finanzgespräch 2012.

Eintracht muss sich strecken

Elfmal zuvor schon hatte der promovierte Wirtschaftsingenieur Zahlen, Daten und Fakten rund um die im Jahr 2000 gegründete Eintracht Frankfurt Fußball AG präsentiert. Und weil bei seinem letzten offiziellen Auftritt „auch ein bisschen Wehmut dabei ist“, wie er bei der Vorlage der Finanzdaten in der Frankfurter Arena sagte, zeigte Pröckl auch mehrere Schaubilder unter dem Oberbegriff „Langzeitentwicklung“. Tenor der dargestellten Säulen: Wenige Male nur sind die Balken in den Keller gerauscht. Ganz schlimm in den Gründerjahren, als sich nicht nur die gut 25 Millionen Euro des strategischen Partners Octagon wie in Luft auflösten, sondern 2001 auch der zweite Abstieg der Vereinsgeschichte den Klub mit einem Verlust von 15,6 Millionen Euro an den Rand des Ruins trieb und fast zum Lizenzentzug führte. Dann aber gelang es der Crew um Bruchhagen und Pröckl, sieben Jahre in Folge Gewinne von insgesamt 33,2 Millionen Euro zu erwirtschaften.

Um an alte Bestmarken heranzukommen, muss sich die Eintracht strecken. „Nach dem Wiederaufstieg 2005 hat es zwei Jahre gedauert, um den Umsatz auf 68 Millionen Euro hochzuschrauben“, so Pröckl. Eine Kennziffer, die sich in der Folge mehr oder weniger hielt, im Spitzenjahr 2011 bis auf 71,6 Millionen Euro gesteigert wurde - ehe dann der vierte Abstieg der Vereinsgeschichte die Eintracht sportlich wie wirtschaftlich abstürzen ließ. Immerhin: Mit einem höchst ambitionierten Zweitligaetat von 45 Millionen Euro glückte die direkte Rückkehr. Der Plan, mit einem Lizenzspielerbudget von 19 Millionen Euro der Zweitklassigkeit so schnell wie möglich zu entkommen, ging auf. Trainer Armin Veh schaffte mit seiner Mannschaft und seinen Helfern im Hintergrund den Drahtseilakt. Zukünftige Zahlen wollte Pröckl bei seiner Abschiedsveranstaltung eigentlich keine nennen, „weil das in das Arbeitsgebiet meines Nachfolgers fällt“. Doch auch Axel Hellmann, noch Vizepräsident und Geschäftsführer des Muttervereins Eintracht, wird in seiner Zusatzfunktion als Mitglied des Aufsichtsrates die Daten durchgewinkt haben, die seit Tagen schon am neuen und alten Bundesligastandort Frankfurt die Runde machen. Danach plant die Eintracht mit einem Bundesligaetat von 64 Millionen Euro, wovon 24,5 Millionen Euro der Lizenzspielerabteilung zur Verfügung stehen. Um die formal erstklassige Mannschaft auch wirklich erstklassig zu machen, darf Sportdirektor Bruno Hübner in einem fest abgesprochenen Rahmen einkaufen gehen. Für neue Spieler stehen dem Manager dafür insgesamt sechs Millionen Euro zur Verfügung.

Anfang Juni wird neuer Sponsor bekanntgegeben

Alte Klasse, neue Hoffnung: Wenn nach der längsten Sommerpause der vergangenen Jahrzehnte die Eintracht frühestens Ende August ihr erstes Heimspiel bestreitet, geht der Klub von einem wieder gesteigerten Interesse der zahlenden Kundschaft aus. Pröckl bestätigte am Rande seines letzten Finanzgesprächs, dass von 2050 zur Verfügung stehenden Business-Seats 1700 Abnehmer finden würden. Auch die Entwicklung beim Verkauf der insgesamt 82 Logen stuft der 55 Jahre alte Finanzfachmann als „sehr erfreulich“ ein. Danach geht die Eintracht in der kommenden Bundesligasaison von 65 Mietern aus. Das wären sechs weniger als in der Abstiegsspielzeit 2010/2011. Der Dauerkartenvorverkauf soll wie sonst auch bei 26000 gestoppt werden.

Den neuen Hauptsponsor, möglicherweise die Fluggesellschaft Turkish Airlines, will die Eintracht Anfang Juni bekanntgeben. Pröckl, dann schon nicht mehr im Amt, rechnet ähnlich wie im Fall des bisherigen Partners Fraport, mit einer „langfristigen Perspektive“. Stichwort langfristig: Der im Jahr 2000 mit dem Rechtevermarkter ISPR geschlossene Vertrag läuft nach der Saison 2012/2013 aus. Die Eintracht, die damals 20 Millionen D-Mark erhalten hat, wird dann insgesamt 22,5 Millionen Euro gezahlt haben.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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