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Eintracht Frankfurt Die Sechzig im Visier

 ·  Die Eintracht peilt im Heimspiel gegen den VfL Bochum eine neue Bestmarke und damit Platz eins an. Trainer Veh verteilt Lob und hat für jede Situation reichlich Optionen.

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Für Armin Veh ist es noch immer allgegenwärtig. „Der VfL Bochum war mit einem Bein in der Bundesliga und ist nur ganz unglücklich in der Relegation an Gladbach gescheitert.“ Heute, ein gutes dreiviertel Jahr später, sind die beiden Widersacher von damals auseinander gedriftet. Die Borussia, davon ist der Trainer der Frankfurter Eintracht fest überzeugt, „spielt demnächst in der Champions League“. Und der VfL - der trifft an diesem Freitag in der Zweiten Fußball-Bundesliga auf die Eintracht (18 Uhr). Vehs Truppe fühlt sich dafür gerüstet. Das jüngste 4:0 beim 1. FC Union Berlin hat für kollektive Begeisterung gesorgt. Vorsichtig sagte Trainer Veh am Donnerstag: „Man spürt schon eine gewisse Euphorie.“ Vor ein paar Wochen noch, bei einem lockeren Plausch mit Journalisten, hatte sich der Frankfurter Fußballlehrer über die damals seiner Ansicht nach ungenügende Unterstützung beklagt. Alles Makulatur. Seit der Erfolgsserie im neuen Wonnemonat März mit lauter Siegen gegen Energie Cottbus, Hansa Rostock, Dynamo Dresden und eben Union Berlin haben sich die Hessen in der Spitze etabliert. Der zweite Tabellenplatz mit aktuell 58 Punkten ist Ausdruck der gewachsenen Frankfurter Stabilität. In der Partie gegen Bochum eröffnet sich der Eintracht die Chance, als erste Mannschaft die Sechzig-Punkte-Marke zu knacken. Dies würde gleichzeitig bedeuten, dass sich Vehs Truppe zumindest für einen Tag richtig spitze fühlen könnte. Doch das ist dem Trainer relativ egal. Er hält nichts von kurzfristigen Rechenspielen und Momentaufnahmen. „Wir schauen auch nicht auf das, was die Konkurrenten machen“, sagte er. „Mich interessiert nur unser Spiel und der jeweilige Gegner.“ Ein Sieg gegen den VfL, das fände er aber „schon schön. Schließlich werden die Spiele immer weniger.“

Einschließlich der Begegnung gegen den zu Saisonbeginn als Aufstiegsmitfavorit gestarteten VfL Bochum muss die Eintracht noch sieben Mal Höchstleistung bringen. Keine Frage: Die Eintracht ist auf die Zielgerade eingebogen, und die erfreulichen Märzwochen mit Spielen gegen Klubs aus dem Osten haben ihr noch einmal richtig Schub gebracht. „In Berlin hat man gesehen, dass wir immer und zu jedem Zeitpunkt unsere Tore machen“, äußerte sich Pirmin Schwegler anerkennend über den Auftritt in der schwer einzunehmenden Festung „Alte Försterei“. Schwegler, der Kapitän der Eintracht, steht in diesen Tagen besonders im Fokus. Sein neuer Vertrag mit den Frankfurtern braucht nur noch vom Aufsichtsrat gegengezeichnet zu werden. Der Schweizer wird dem Klub über das Saisonende hinaus die Treue halten. Vorausgesetzt, die Sache mit der Rückkehr in die Erstklassigkeit gelingt. Aber daran zweifelt eigentlich niemand mehr. Schwegler weiter in Frankfurt: Für Trainer Veh ist das ein „Riesenzeichen, wenn es die Eintracht schafft, dass Pirmin hier bleibt. Er spielt gerne für die Eintracht und fühlt sich wohl hier. Das ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr.“ Viele Profis würden dem Lockruf des Geldes erliegen und Nomaden gleich von Klub zu Klub ziehen. Schwegler aber, das ist kein Geheimnis, hat immer wieder betont: „Hier in Frankfurt habe ich mir etwas aufgebaut.“

Bamba Anderson ist wieder fit

Der Schweizer ist einer der Bausteine der Eintracht. Wie auch Sebastian Rode. Dass der fleißige Mittelfeldmann krankheitsbedingt das erste Zweitligaspiel dieser Saison verpasst, ist zwar „schade“, wie Trainer Veh sagte. „Aber wir haben Alternativen.“ Gleich drei sogar. Der Eintracht-Coach kann auswählen zwischen Karim Matmour, Matthias Lehmann und Sonny Kittel. Je nach taktischer Ausrichtung, ob offensiver oder defensiver. Gegen den VfL ist vor heimischer Kulisse von zumindest 35000 Zuschauern von einer angriffsfreudigeren Variante auszugehen. Schließlich hat die Eintracht in dieser Saison als einzige Zweitligamannschaft kein einziges Heimspiel verloren. Mit neun Siegen und vier Unentschieden in dreizehn Begegnungen ist die Eintracht hinter Spitzenreiter Spielvereinigung Greuther Fürth das Maß der Dinge. Die Franken haben bei vierzehn Auftritten zwölfmal siegreich das Stadion am Ronhof verlassen, allerdings auch zweimal verloren - einmal, gleich zum Saisonauftakt, 2:3 gegen die Eintracht.

Gegen den VfL Bochum kann Veh wieder auf die Dienste von Bamba Anderson setzen. Der Brasilianer, der wegen Schwindelanfällen in Berlin früh auswechselt werden musste, ist wieder hergestellt. „Bei ihm ist kein Risiko dabei“, versicherte Veh, der in Anderson einen Innenverteidiger hat, der ein Muster an Zuverlässigkeit ist. Wie auch Schwegler und Mohamadou Idrissou. Während der Kapitän vor der Abwehrkette das Spiel ankurbelt, sorgt der Kameruner in der Spitze gemeinsam mit seinem starken Nebenmann Erwin Hoffer für reichlich Gefahr und Tore. „Mo ist wieder fast der Alte“, sagte Veh über die Leistungen eines seiner Musterschüler. Dass sich Schwegler und Idrissou nach dem Sieg in Berlin noch auf dem Platz einen verbalen Schlagabtausch lieferten, fand Veh ausnahmslos gut. „Das zeigt doch, dass sie total fokussiert sind. Sie wollen weiter arbeiten und nichts anbrennen lassen. Das ist ein gutes Zeichen für uns.“ Ein weiterer Sieg gegen Bochum wäre gleichfalls ein gutes Zeichen.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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