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Eintracht Frankfurt Die Gute-Laune-Eintracht

 ·  Auf hohem Niveau übertrifft die Eintracht sich beim 3:1 gegen Hannover selbst. Die Gegner staunen, Veh dagegen warnt vor dem Risiko des Offensivfußballs. Noch gehe es den Frankfurtern nur um den Klassenverbleib.

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Schöne Spiele ist man von der Eintracht inzwischen ja gewöhnt, drei Tore sind auch nicht mehr der Rede wert. So viele waren es auch schon in den Heimspielen gegen den Hamburger SV und Borussia Dortmund. Was das 3:1 gegen Hannover 96 am Samstag so besonders machte, war also nicht die bloße Anzahl der Treffer und auch nicht die Offensivleistung in etwas über neunzig Minuten, die dahinterstand - es war der Auftakt, der staunen machte. Die wohl besten zwanzig Minuten der Eintracht in dieser Saison.

„Eindrucksvoll“ nannte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen diesen Sturmlauf aus den Stand, Mirko Slomka gab sogar zu, seine Mannschaft sei überfordert gewesen gegen so viel Offensivqualität. „In den ersten 20 Minuten hat uns die Eintracht mit ihrem starken Willen und der dominanten und dynamischen Spielweise überrascht“, sagte er. Ein Lob von einem Gegner, der es in der Europa League mit internationalen Spitzenmannschaften zu tun hat und dort in der vergangenen Saison erst im Viertelfinale gegen den späteren Sieger Atlético Madrid ausgeschieden war. Hannover ist also einiges gewohnt - das aber offenbar nicht.

Das 2:0 als Höhepunkt der Strategie

Es war tatsächlich so, als ob die Eintracht sich selbst übertreffen wollte, und das auf einem ohnehin schon hohen Niveau. Trainer Armin Veh hat schon einige Male gesagt, dass das Risiko bei einer so offensiven Spielweise beträchtlich sei und dass man so riskiere, auch mal empfindlich getroffen zu werden. So gesehen forderten seine Spieler das Schicksal der Angriffslustigen geradezu heraus, als sie gegen die schnellen Konterspieler aus Hannover zunächst beinahe nur eine Spielrichtung kannten: vorwärts.

Höhepunkt dieser Strategie war das 2:0 durch Rechtsverteidiger Sebastian Jung, der nach einer beinahe übermütigen Ballstafette am gegnerischen Strafraum plötzlich auf halbrechts ohne Gegenspieler war und umgehend etwas dagegen tat, weiterhin als zu ungefährlich zu gelten. Sein Tor war das Meisterstück des Tages der Frankfurter Gute-Laune-Spieler, die sich schier an sich selbst berauschten. Und die in einer Zone herumkombinierten, in der normalerweise jeder Gegner kräftig dazwischenhaut - wenn er denn noch mitkommt.

Matmour reiht sich ein, ohne zu klagen

Jung traf in der 18. Minute, in der fünften war es Karim Matmour gewesen, der per Kopfballtor den Anfang gemacht hatte. Dass er so früh traf, war gegen diesen Gegner nicht zu erwarten - dass er überhaupt spielte, allerdings noch weniger. Matmour hätte wie meistens auf der Bank gesessen, wäre Stammspieler Olivier Occean nicht über Nacht an einer Magen-Darm-Grippe erkrankt und somit ein Platz im Sturm frei geworden. Dass ihn Matmour einnehmen durfte und nicht etwa Erwin Hoffer, der eigentlich als erster Ersatzmann für die zentrale Spitze gilt, war wieder einmal ein Beleg, dass sich gute Trainingsleistungen auszahlen können.

Veh hatte Matmour schon in der Woche vor dem Spiel für seinen Eifer gelobt, und dabei wirkte es so, als ob diese Anerkennung nicht nur der Arbeit auf dem Platz, sondern auch der Geduld des algerischen Nationalspielers galt. Matmour könnte mehr erwarten, mehr Einsätze von Beginn an zum Beispiel, aber er reiht sich ein ohne zu klagen. Diese Haltung hielt er auch nach dem Sieg bei. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man auch mal etwas zum Erfolg beitragen kann“, sagte er zurückhaltend. Und fügte hinzu: „Ich war nicht frustriert. Wenn die Mannschaft Erfolg hat, ist das kein Problem. Ich bin jetzt schon länger dabei, mit der Erfahrung bin ich ruhiger geworden.“ Noch ein Gute-Laune-Profi also, unabhängig von der persönlichen Lage.

„Eine Topleistung von A bis Z“

Es ist diese Haltung, die Eintracht-Kapitän Pirmin Schwegler zu einer Hymne an seine gesamte Mannschaft veranlasste. Bei der ja keiner vergessen werden sollte. „Das war eine Top-Mannschaftsleistung“, sagte der Schweizer, „von der Nummer 1 bis zur Nummer 25, von A bis Z.“ Unter „M“ steht bei der Eintracht Alexander Meier, und der machte nicht nur gegen Hannover, sondern schon in der ganzen Spielzeit einfach da weiter, wo er in der Aufstiegssaison aufgehört hatte: Er führt an, gibt Halt - und trifft.

Nach Abdellaoues 2:1 in der 43. Minute krönte der Mittelfeldspieler das Frankfurter Konterspiel mit seinem Kopfballtreffer zum 3:1 (83.) - sein fünftes Tor in dieser Saison - und stellte sich danach in die erste Reihe, als es darum ging, Bodenhaftung anzumahnen. Es gehe - Platz zwei hin oder her - weiterhin um nichts anderes als die Vermeidung des Abstiegs. Neue Ziele gebe es nicht. Außer dieses vielleicht: Der ganze Spaß darf gerne noch eine Weile weitergehen.

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21.10.2012, 20:00 Uhr

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