Die Auskünfte bei der Frankfurter Eintracht über medizinische Befunde und Prognosen bei verletzten Spielern sind nicht immer ganz klar und häufig unzutreffend. Ein Beispiel ist die Verletzung von Mohamadou Idrissou. Nach dem Spiel in Ingolstadt am 30. Oktober, wo sich der Stürmer eine Knöchelblessur zuzog, lautete die erste Diagnose: „Bluterguss im Knöchel“. Die Verletzung sei „sehr schmerzhaft“, sagte Trainer Armin Veh damals, „aber wohl nicht ganz so schlimm“. Der 31 Jahre alte Idrissou musste danach das Training drosseln, die nächsten Spiele in Aue und gegen Aachen aber hat er bestritten. „Mit starken Schmerzen“, wie er zugab. Die Verletzung hat sich durch die Belastungen verschlimmert, seit zwei Wochen pausiert Idrissou. Offiziell ist von einem „Haarriss“ die Rede, also der Vorstufe eines Bruchs. Ob das die exakte Diagnose ist, bleibt offen. Idrissou kann in diesem Jahr jedenfalls nicht mehr spielen, er wird der Eintracht am Montag gegen Fürth und eine Woche darauf in St. Pauli fehlen.
Ganz ähnlich hat es sich vor einer Woche mit Bamba Anderson verhalten. Beim Abschlusstraining vor dem Spiel gegen Karlsruhe war der Abwehrspieler noch dabei, im Aufgebot stand er nicht. Die Schmerzen im Knie waren zu stark. In dieser Woche hat der Brasilianer zunächst wieder mittrainiert, am Donnerstag dann aber vorzeitig die Übungsstunde beendet. Noch auf dem Platz war er von Physiotherapeut Ralf Ochs behandelt worden. Beim Waldlauf am Freitag hat Anderson gefehlt.
„Nur eine Vorsichtsmaßnahme“, sagt der Trainer, „er wird spielen können.“ Aber wohl nur dann, wenn bis Montag die Schmerzen nicht schlimmer werden. Es gibt also ein paar personelle Probleme bei der Eintracht vor den letzten beiden Spielen des Jahres. Wegen des Fehlens von Idrissou ist Veh gezwungen, die Besetzung im Angriff zu verändern. Karim Matmour wird in die Mannschaft kommen, nachdem zuletzt die Doppelspitze Theofanis Gekas/Erwin Hoffer nicht funktionierte. Ob Matmour als Rechtsaußen eingesetzt wird und damit eine Systemänderung folgt oder ob er im Zentrum neben Gekas spielt, das lässt Veh offen. Matmour traut sich beide Rollen zu. „Ich habe in Freiburg und Mönchengladbach schon häufig Innenstürmer gespielt“, sagt der Sechsundzwanzigjährige. In Gladbach unter Trainer Michael Frontzeck sogar an der Seite seiner heutigen Kollegen Rob Friend und Idrissou.
Aber trotz der großen Auswahlmöglichkeiten Vehs können die Frankfurter in der kommenden Saison womöglich mit Verstärkung aus England rechnen. Die Gespräche, die Sportdirektor Bruno Hübner mit Vertretern des englischen Spitzenklubs Manchester City unter der Woche geführt hat, seien „sehr positiv“ verlaufen. „Es sieht so aus, als würde es zu einer Zusammenarbeit kommen“, sagt Hübner. Der Tabellenführer der Premier League, der seit der Übernahme durch einen Scheich mit üppigen finanziellen Mitteln ausgestattet ist, will seine Kooperationen in Europa ausbauen. In Spanien arbeiten die „Citizens“ mit Espanyol Barcelona zusammen, in Frankreich mit Le Havre. In Deutschland soll die Eintracht Partnerklub werden. Der Kontakt kam über persönliche Beziehungen von Hübner zum deutschen Chefscout der Engländer, Andy Sayer, zustande. „So eine Kooperation lebt von den handelnden Personen, die Leben da reinbringen müssen“, sagt Hübner. Aktuell habe Manchester City rund zwanzig Spieler an Erstligaklubs in ganz Europa ausgeliehen. Auf diesen Zug möchte die Eintracht aufspringen. Zudem könnte es einen Austausch zwischen Jugendspielern beider Klubs geben. „Da könnte ein Talent auch für uns gesichert werden“, sagt Hübner. Soll heißen: Für einen Spieler, der den Weg von Deutschland nach England geht, in diesem Fall von Frankfurt nach Manchester, wäre auch der Rückweg wieder offen. Schließlich könnte die Eintracht auch von der „riesigen Scout-Abteilung“ profitieren, glaubt Hübner, „da kann man sich schon mal austauschen“.