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Eintracht Frankfurt Der Supervisor und die vielen Helfer

Eintracht-Trainer Veh hat mehr Experten als sonst an seiner Seite, um die Frankfurter Profis in Abu Dhabi auf die Rückrunde vorzubereiten - zum Beispiel in einer Berg- und Tal-Einheit.

© Heiko Rhode Vergrößern Zwischen Palmen und Wolkenkratzern: Eintracht-Profis beim Training in Abu Dhabi

Eine halbe Stunde bevor es für die Spieler von Eintracht Frankfurt ernst wird, bekommt ihr Trainingsplatz ein neues Gesicht. Aus dem manikürten, weitgehend verwaisten Grün wird im Trainingslager in Abu Dhabi, einen kurzen Fußweg entfernt vom Mannschaftshotel Emirates Palace, ein bunter Parcours - mit Slalomstangen, Plastikhütchen, kleinen Hindernissen und exakt vermessenen Spielfeldern. Es ist ein normales Fußballtraining, das hier vorbereitet wird. Einerseits. Gleichzeitig spiegelt es den enormen Wandel auf diesem Gebiet. Komplexität, Verzahnung und Niveau der nächsten neunzig Minuten haben nichts mehr mit dem zu tun, was früher Usus war. „Trainer, die auf den Platz gehen und noch nicht genau wissen, was sie machen wollen, die gibt es nicht mehr“, sagt Armin Veh, der Cheftrainer der Eintracht. „Die sind ausgestorben.“

Als Veh 1990 Trainer wurde, damals in der dritthöchsten Spielklasse beim FC Augsburg, da hatte er einen Torwarttrainer an seiner Seite und machte ansonsten alles selbst („Taktik, Schnelligkeit, Kondition“), wie er sich erinnert. Auch das wirkt wie eine Schilderung aus einer anderen Welt. Veh eingerechnet, steht heute ein knappes Dutzend Experten auf dem Platz, wenn die rund dreißig Eintracht-Profis zur täglichen Arbeit gebeten werden. So auch im Trainingslager in Abu Dhabi, wo sich der Tabellenfünfzehnte der Fußball-Bundesliga bei perfekten Bedingungen auf die Rückrunde vorbereitet, die in gut eineinhalb Wochen beginnt. Veh ist Planer, letzte Instanz und auf dem Platz eine Art Supervisor. Außerdem sind hier die beiden Assistenztrainer Reiner Geyer und Oscar Corrochano im Einsatz, Torwarttrainer Manfred Petz, die Konditionstrainer Christian Kolodziej und Günter Kern, der Reha-Trainer Michael Fabacher, die Physiotherapeuten Ralf Ochs, Thomas Kühn und Daniel Rung sowie der Mannschaftsarzt Wulf Schwietzer. Das wirkt wie eine kleine Armee in Eintracht-Trainingskleidung - und entspricht dem Standard auf diesem Leistungsniveau. Hier greifen so viele Rädchen ineinander wie bei einer komplizierten Maschine. Da ist Abstimmung alles.

Spezialisten und Zuarbeiter

Veh ist, wie alle Kollegen in der Bundesliga, längst mehr Teamchef als Trainer. „Ich mache den Trainingsplan“, sagt er, von da an aber findet eine Verteilung der Aufgaben an die Spezialisten und Zuarbeiter statt. In Abu Dhabi gibt es am Abend vor dem nächsten Training eine Besprechung des Teams, denn kleine Änderungen in der Besetzung können erhebliche Auswirkungen haben. Spielformen etwa, das wesentliche Element des Trainings, sind meistens auf eine feste Spielerzahl abgestimmt, fällt auch nur einer aus, muss schnell reagiert werden. Sind dann alle auf dem Platz, wird in beinahe jeder Ecke gearbeitet.

Das kann dann so aussehen: Ein Konditionstrainer, meistens Kolodziej, übernimmt das Aufwärmen, Schwerpunkt Stabilisationsübungen. Dann folgen diverse Spielformen auf unterschiedlich großen Karrees, mit einer minutiös geplanten Verteilung einzelner Spieler, vielen Ballkontakten und hoher Belastung. Hier stehen Veh, Geyer und Corrochano in der ersten Reihe, oft angeordnet wie beim Appell, der Chef in der Mitte. Und schließlich bittet wieder einer der Konditionstrainer zum abschließenden Härtetest für Körper und Geist - mit kernigen Läufen in kleinen Gruppen, wechselndem Tempo und Einteilung nach Leistungsfähigkeit, ermittelt durch Laktattests. Oder mit quälenden Bergauf-Einheiten an einem eigens präparierten Hügel in der Nähe des Platzes.

Komplexes Training

Das Ganze parallel zur Arbeit des Torwarttrainers oder des Reha-Trainers, der mit einem eigenen Programm vormals verletzte Spieler wieder an das Mannschaftstraining heranführt. Immer individueller, immer spezialisierter. Auch das Training bei der Eintracht wirkt inzwischen wie eine Wissenschaft für sich. „Die Mannschaft hat bessere Werte als im Sommer nach der Pause, deshalb können wir jetzt auf einem anderen Niveau trainieren“, erzählt Geyer. Zur allgemeinen Entwicklung sagt er: „Das Training heutzutage ist sehr komplex geworden, es hat sich enorm weiterentwickelt.“

Deshalb rückte vor dem Abflug ins Trainingslager noch ein Neuer nach, der - wie einige im Team - mit Veh schon bei anderen Vereinen zusammengearbeitet hat. Günter Kern wurde als Spezialist für die Verbesserung der Schnelligkeit von Spielern vorgestellt, Veh sagt gar, Kern habe vor einigen Jahren „das Sprinttraining revolutioniert“. Vor seinem Rückflug nach Frankfurt am Sonntag sagte Heribert Bruchhagen, der Vorstandschef der Eintracht: „Unser Trainer verspricht sich von einem weiteren Konditionstrainer noch mehr Qualität und eine zusätzliche Motivation für die Spieler. Es war selbstverständlich, dass wir seinem Wunsch entsprochen haben.“ Schließlich war Bruchhagen ja auch mal Trainer, damals beim FC Gütersloh.

Hügel hoch oder hüpfen

Kerns Ideen bekamen die Spieler am Montag besonders intensiv zu spüren, als er sie besagten Hügel hochlaufen, teilweise hochhüpfen ließ. Der Berchtesgadener, dessen Bruder Werner jahrelang Leiter der Fußballschule beim FC Bayern war und der vorerst auf Zeit bei der Eintracht angestellt ist, sagte in Abu Dhabi: „Es heißt ja immer, schnell ist man, oder man ist es nicht. Aber das stimmt natürlich nicht.“ Er wolle neue Reize bei der Eintracht setzen und hat damit in Abu Dhabi angefangen. Nach ihrer Berg-und-Tal-Einheit sahen die Spieler so aus, als wüssten sie spätestens jetzt, woran sie bei Kern sind. „Das habe ich so auch noch nicht gemacht“, sagte Alexander Meier. Und der hat in fast zehn Jahren bei der Eintracht schon fast alles erlebt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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